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Niederspannungsverteiler konfigurieren Software-Tool entlastet Schaltanlagenplaner

Autor / Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Michael Schell, Dipl. Ing. (FH) Jörg Kayma* / Ute Drescher

Die Planung und Konfiguration von Niederspannungsverteilern ist eine aufwändige und oft zeitraubende Aufgabe. Die notwendigen Schritte reichen von der Auswahl des richtig dimensionierten Schaltschranks bis zur Bestellung aller Zubehörteile. Außerdem müssen Materialkosten, Montagezeiten und Lohnkosten kalkuliert werden. Die Konfigurationssoftware „Rittal Power Engineering“ für TS 8 Maxi-PLS und ISV-Stromverteilungskomponenten erledigt viele dieser Prozessschritte.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Konfigurationssoftware „Rittal Power Engineering“ für TS 8 Maxi-PLS und ISV-Stromverteilungskomponenten unterstützt Schaltanlagenhersteller in jeder Phase der Anlagenkonfiguration. Eine umfangreiche Projektbearbeitung bietet dabei alle Funktionen, die der Bediener benötigt. Die zahlreichen Hilfefunktionen führen den Anwender dabei durch das Programm und erläutern die notwendigen Arbeitsschritte.

Nach dem ersten Programmstart kann der Anwender zunächst seine Daten, wie Firmenanschrift und Lieferanschrift, eingeben. Dabei lässt sich das Programm individuell an seine Bedürfnisse anpassen. So kann er zum Beispiel die Programmsprache auswählen. Neben Deutsch stehen zur Zeit Englisch und Niederländisch zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Festlegung eines Stundenlohns, mit dem die Lohnkosten für den Bau der Anlage kalkuliert werden können, sobald die Montagezeiten für die unterschiedlichen Komponenten erfasst sind, Für sämtliche Komponenten lässt sich die individuelle, zur Montage benötigte Zeit erfassen.

Bildergalerie

Individuell konfigurieren

Neben den Systemkomponenten von Rittal Maxi-PLS und ISV sind alle von Rittal verfügbaren Artikel im variablen Teil der Stücklisten abrufbar (Bild 1). Die aktuelle Preisliste, die bei den jeweiligen Rittal-Niederlassungen erhältlich ist, muss in die Software importiert werden. Die umfangreichen Importfunktionen ermöglichen es auch, weitere Fremdartikel, die zur Verteilungsherstellung notwendig sind, in automatisierter Form in den Datenstamm einzupflegen. Die Software fragt die Konfigurationsparameter gezielt ab

Im Projektmenü kann der Anwender sein Stromverteilungssystem komplett konfigurieren (Bild 2). Erstellt er ein neues Projekt, muss er zunächst auswählen, ob er ein Maxi-PLS-System oder einen ISV Installationsstandverteiler konfigurieren möchte. Zunächst sind einige Parameter wie Schaltschranktiefe oder Bemessungsbetriebsstrom vorzugeben. Anschließend wählt man komfortabel die benötigten Basisfelder aus.

Die Software ermittelt über gezielte Abfragen der Konfigurationsparameter die genaue Ausführung des Feldes. Ein besonderes Feature ist die Erstellung von Sonderfeldern. Hier kann der Anwender basierend auf den Basisfeldtypen die Stücklisten sowie die CAD-Ansicht des Sonderfeldes variabel ändern.

Stückliste wird auf MausKlick ertellt

Das Projekt wird während der Bearbeitung als Baumstruktur auf der linken Seite des Bildschirms dargestellt. Innerhalb der Anlage kann man dadurch einfach von Feld zu Feld navigieren. Eine Ampellogik (rot, gelb, grün) zeigt dem Benutzer an, wie weit die Konfiguration fortgeschritten ist: Rot bedeutet, dass die Grundparameter noch nicht konfiguriert sind oder beim Projekt, dass einige Felder noch nicht fertig gestellt sind. Gelb zeigt dem Benutzer, dass die Konfiguration abgeschlossen ist und die Stückliste erstellt werden kann. Ist dies geschehen, wird das Feld in grün und, wenn alle Felder fertig sind, die Gesamtanlage in gelb dargestellt. Mit einem Mausklick auf den entsprechenden Button wird anschließend das notwendige Anlagenzubehör in die Stückliste eingefügt.

Ist die Anlage fertig konfiguriert, kann direkt aus dem Programm heraus die Bestellung der notwendigen Komponenten erzeugt werden. Gleichzeitig erhält man eine komplette Kalkulation der Anlage inklusive der Material- und Lohnkosten. Die Rabattstaffel von Rittal wird dabei ebenfalls berücksichtigt.

Für die komplette Anlage kann eine CAD-Ansicht erzeugt, ausgedruckt oder als DXF- bzw. DWG-Datei exportiert werden (Bild 3).

Datenbank hilft auch bei Ausschreibungen

Ein weiteres Hilfsmittel für Ingenieur- und Planungsbüros ist die PlanSV-CD, die Rittal kostenlos anbietet. Darauf findet sich eine umfangreiche Datenbank mit vorgefertigten Ausschreibungstexten für Anlagen zur Niederspannungsverteilung. Der Planer kann mit einigen Mausklicks seine gewünschte Konfiguration auswählen und erhält den entsprechenden Ausschreibungstext als Word-Dokument oder im GAEB-Format.

Neben den Ausschreibungstexten sind noch weitere Hilfen auf der CD enthalten. Kalkulationshilfen, die in Form von Excel-Tabellen vorliegen, erleichtern die Kalkulation von geplanten Anlagen. CAD-Vorlagen sind für alle Systeme als DXF- und DWG-Dateien vorhanden. Im PDF-Format sind die kompletten Montageanleitungen für Maxi-PLS, ISV und für das Schaltschranksystem TS 8 sowie die Schutzleiterbroschüre zum TS-8-System enthalten. Viele Anwendungsbeispiele rund den Inhalt der CD ab.

Anwenderbeispiel Hüttenwerke Krupp Mannesmann: Anlagenbau in Rekordzeit

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) produzieren wieder: Beide Hochöfen dürfen wieder Eisen liefern und in beiden Konvertern kann wieder Stahl gekocht werden, nachdem in der Nacht zum 2. Januar 240 Tonnen 1700 Grad heißen Stahls ausgelaufen waren und zu einem Brand geführt hatten. Die Folge: Totalschaden in der Steuerung des Stahlwerks. Zur Wiederherstellung der Stromversorgungsanlagen wurde u.a. die B&H Elektro-Anlagenbau GmbH, Oberhausen, beauftragt. Durch den Einsatz des Rittal Stromverteilungssystems TS 8 Maxi-PLS sowie der Planungs- und Konfigurationssoftware Power Engineering konnte die erste Anlage in Rekordzeit bereits nach zwei Wochen ausgeliefert werden.

Unmittelbar nach der Katastrophe bei HKM forderte die Geschäftsführung bei einer Krisensitzung mit allen namhaften für das Unternehmen tätigen Steuerungsbauern, dass die Anlagen bereits nach zwei Wochen einen Notbetrieb aufnehmen müssen. B&H erhielt dabei den Auftrag, eine Niederspannungshauptverteilung mit insgesamt 24 Schaltfeldern aufzubauen. Dabei entschied sich der Anlagenbauer, das Stromverteilungssystem TS8 Maxi-PLS von Rittal, ein Baukastensystem standardisierter und typgeprüfter Systemkomponenten, einzusetzen.

Mit Hilfe der Rittal Software Power Engineering wurde noch am Tag des Auftrageingangs bei B&H eine Materialdisposition erstellt. Rasch hatte der Endkunde HKM die Anlagenplanung auf dem Tisch. Durch den Einsatz von TS 8 Maxi-PLS war man zudem in der Lage, an den 24 Schaltfeldern der Anlage parallel zu arbeiten. Entscheidender Vorteil für den schnellen und flexiblen Anlagenbau war, dass sich mit dem Maxi-PLS Sammelschienenprofil, das aus einem quadratischem Querschnitt und T-Nut-Fräsung besteht, auf allen vier Seiten bohrungslos Anschlussmöglichkeiten ergaben.

Die vier Befestigungsebenen der Sammelschienen ermöglichten mit Hilfe von Nutensteinen bzw. Stehbolzen eine stufenlose Befestigung und Kontaktierung von Rundleitern, lamelliertem Flachkupfer sowie Maxi-PLS Anschlusswinkeln und Verbindungssätzen. Ein weiterer Pluspunkt war, dass der Anlagenaufbau dabei ohne mechanische Bearbeitung wie Sägen, Bohren oder Biegen erfolgen konnte. „Wir können mit dem um-fangreichen Baukastensystem TS 8 Maxi-PLS solche Anforderungen mit unserem versierten Team realisieren“, so das abschließende Fazit von Thomas Eller, Werkstattleiter von B&H.

*Dipl. Ing. (FH) Michael Schell und Dipl. Ing. (FH) Jörg Kayma sind verantwortlich für das Produktmanagement der Stromverteilungs-Komponenten bei der Rittal GmbH & Co. KG, Herborn.

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