Transponder Trends und Chancen für den Einsatz der RFID-Technologie

Autor / Redakteur: Oliver Pütz-Gerbig / Reinhard Kluger

Zunächst als Revolution in der globalen Logistik gefeiert, geriet die RFID-Technologie bald als zu teuer, kompliziert und datenschutzrechtlich bedenklich in die Kritik. Diese Einschätzungen sind falsch. Die innovative Transpondertechnologie ist ein viel versprechendes Instrument, um Prozesse zu optimieren und noch effizienter zu steuern. Kein Allheilmittel, aber ein intelligenter Schlüssel zu mehr Transparenz in der Logistikkette. Vorausgesetzt Einsatzgebiet und RFID-Lösung passen optimal zusammen.

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Transponder lassen sich an den unterschiedlichsten Komponenten befestigen und müssen auch oft thermischen und chemischen Belastungen widerstehen können.
Transponder lassen sich an den unterschiedlichsten Komponenten befestigen und müssen auch oft thermischen und chemischen Belastungen widerstehen können.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sie sind der Schlüssel zum RFID-Erfolg: Maßgeschneiderte Lösungen. Denn, jedes Anwendungsgebiet stellt die Hersteller und Anwender der Systeme vor neue Herausforderungen. Dabei gilt: Entscheidend für den Nutzen eines RFID-Projekts ist immer die passende Hard- und Software in Kombination mit den richtigen RFID-Tags. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich allein schon am Beispiel der Automobilindustrie: Hier werden Transponder etwa an Komponenten angebracht, die im Produktionsprozess großen thermischen und chemischen Belastungen ausgesetzt sind. Zudem kommen viele Tags auch im Außenbereich zum Einsatz, wo sie den klimatischen und mechanischen Einflüssen standhalten müssen. Verschiedene Untergründe wie Metall oder Glas wirken sich zudem auf die Performance des Lesesystems aus, was bei der Auswahl und Konfiguration des Systems berücksichtigt werden muss.

Mit Erfolg, denn aus der Automobilindustrie sind die „intelligenten“ Transpondersysteme heute kaum noch wegzudenken. Das hat viele gute Gründe. So lassen sich mit der RFID-Technologie Herstellungsprozesse vollautomatisch steuern und durchgängig dokumentieren. Wichtig ist das vor allem angesichts der weltweiten Arbeitsteilung in der Branche. Um die internationalen Warenströme bei den Zulieferteilen kontrollieren zu können, sind RFID-Lösungen schon erste Wahl. Doch ihre Bedeutung könnte sogar noch wachsen. Denkbar ist etwa, dass RFID-Label in Zukunft auch Auskunft geben, wenn es durch technisches Versagen zu einem Verkehrsunfall kommt. Ist auf ihnen gespeichert, welcher Zulieferer das defekte Bauteil geliefert hat und welche sicherheitsrelevanten Prozessschritte in der Produktion durchgeführt wurden, lassen sich die Ursachen schneller finden.

Die Sicherheit im Herstellungsprozess erhöhen sie schon heute. Denn alle für die Produktionssteuerung wichtigen Daten werden in RFID-Systemen doppelt gespeichert: dezentral auf dem Transponder und parallel dazu im System. So sind sie jederzeit abrufbar. Ein Bündel an Vorteilen, das die Technologie zunehmend auch für andere Branchen interessant macht. In der Textil- und Pharmaindustrie sowie im Einzelhandel und in Logistikanwendungen laufen weltweit bereits etliche Pilotprojekte und zunehmend Serienanwendungen.

Barcode oder RFID-Label?

Schon die Frage ist falsch, denn Barcode und RFID-Label konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich im Idealfall. Unternehmen wie Schreiner LogiData bieten deshalb auch Kombinationslösungen an – bestehend aus Smart Label, die zusätzlich mit einem Barcode bedruckt sind. Denn während sich der Barcode direkt am Objekt mit einem Scanner von jedem auslesen lässt, erfüllt das RFID-Label ganz andere Aufgaben. Dank der besonderen Technologie lassen sich Waren damit auch im verpackten Zustand identifizieren. Je nach RFID-System erfassen Anwender aus größerer Entfernung sogar ganze Warenbündel auf einmal. Das spart Zeit und vereinfacht die Prozesse erheblich.

Ein entscheidender Faktor ist dabei die Übertragungsfrequenz der Transponder. Je nach Projektziel und Umfeldbedingungen werden heute Niedrigfrequenz- (NF), Hochfrequenz- (HF) oder Ultra-Hochfrequenz-Lösungen (UHF) eingesetzt. Dabei gilt: Je höher die Frequenz, desto größer sind Übertragungsgeschwindigkeiten und Reichweite – bei UHF-Systemen beträgt sie bis zu sechs Metern. Vor allem deshalb gewinnen letztere zunehmend an Bedeutung.

Mehr als ein elektronischer Laufzettel

Um optimale Ergebnisse zu erzielen, müssen sämtliche Parameter individuell auf die Anforderungen des Kunden und die jeweilige Applikation abgestimmt werden. Grundsätzlich lassen sich derzeit zwei unterschiedliche Entwicklungstendenzen feststellen: Während die einen auf kostengünstige Systeme und Tags mit geringer Funktionalität setzen und etwa nur einen elektronischen Produktcode (EPC) hinterlegen wollen, schöpfen andere das weitere Potenzial der Technologie aus. Möglich ist vieles: Das Spektrum der Anwendungen reicht von speziellen Features wie zusätzliche Sensoren über Sicherheitsfunktionen bis hin zu Sonderbauformen.

Von großer Bedeutung dürften künftig vor allem die individuell entwickelten Nischen- und Sonderanwendungen sein. Sie machen aus dem RFID-Label weit mehr als nur einen elektronischen Laufzettel und sorgen so dafür, dass das operative RFID-Werkzeug eine größere strategische Bedeutung in der Unternehmens- und Prozesssteuerung erhält. Ein entscheidender Schritt, um das Mehrwertpotenzial der Technologie wirklich auszuschöpfen. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und forcieren die Entwicklung.

Offenheit statt gläserne Kunden

Kritisch beäugt wird die RFID-Technologie aktuell vor allem von Datenschützern. Ihre Befürchtung: Aus dem Smart Label könnte schnell ein „Spionagetool“ werden, wenn es etwa bei Textilien oder anderen Einzelhandelsprodukten eingesetzt wird und dauerhaft „aktiv“ bleibt. Die Befürchtung ist nicht ganz unberechtigt. Deshalb plädieren die Anbieter und Hersteller für einen ehrlichen und offenen Umgang mit der Technologie. Oberstes Ziel muss ein mündiger Verbraucher sein, der selbst entscheiden kann, ob ein RFID-Label nach dem Kauf aktiviert bleibt oder nicht. Wie beim Einsatz einer Kundenkarte sind dabei Geschäftsmodelle denkbar, von denen Warenanbieter und Käufer gleichermaßen profitieren. Für den Endkunden könnten finanzielle Anreize den Ausschlag geben oder verbesserte Garantie- und Umtauschbedingungen. Denn mit der RFID-Technologie ließe sich die Herkunft der Ware auch ohne Kaufbeleg nachweisen. So entstünde eine Win-Win-Situation.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Größter Hemmschuh bleibt nach wie vor eine Kombination aus zu hohen Erwartungen und unzureichend individualisierten Lösungen. Schließlich hat auch die RFID-Technologie ihre physikalischen Grenzen und eignet sich nicht per se für jeden Bereich. Umso wichtiger sind maßgeschneiderte Konzepte, die auf Basis des jeweiligen Einsatzziels und der äußeren Bedingungen entstehen und bspw. von Unternehmen wie Schreiner LogiData angeboten werden. Das ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Einsatz der RFID-Technologie. Die Sensibilität und das Verständnis für diese Herausforderungen wachsen derzeit bei allen Beteiligten und treiben die Entwicklung voran.

(Archiv: Vogel Business Media)

Standpunkt

Oliver Pütz-Gerbig, Leiter RFID Competende Center, Schreiner Group:

„Das Prinzip der modernen RFID-Technologie ist so einfach wie genial: Ein Gegenstand wird mit einem Transponder versehen, auf dem Informationen dezentral gespeichert und in der Regel verändert werden können. Die Daten lassen sich dann mit Hilfe der richtigen Hardware kontaktlos auslesen und in EDV-Systeme übertragen. Was so simpel klingt, ist in der Praxis ebenso differenziert wie vielseitig. Die Einsatzgebiete der RFID-Technologie reichen von der Materiallogistik über funkbasierte Maut- und Zahlsysteme bis hin zu elektronischen Zugangsberechtigungen oder zum Herkunftsnachweis. Ein enorm breites Einsatzspektrum, das eine ebenso große Palette individueller Lösungen, wie Schreiner LogiData sie entwickelt und anbietet, erfordert. „Plug&Play“-Systeme sind daher eher die Ausnahme und werden es wohl auch bleiben.“

Schreiner LogiData

Oliver Pütz-Gerbig, Leiter RFID Competence Center Schreiner Group, München

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