Antriebsautomation

Überwachung und Fernsteuerung macht MTU-Schiffsantriebe effizienter

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Das Monitoring Control System (MCS) hat die Aufgabe, die gesamte Antriebsanlage zu überwachen. Dazu werden Sensor-Signale erfasst, ausgewertet und auf Instrumenten und Displays angezeigt. Das Bilden, Melden und Quittieren von Alarmen ist ein wichtiger Bestandteil. Das MCS erlaubt die Überwachung auf bis zu sechs Fahrständen sowie die lokale Überwachung im Maschinenraum. Ein externer Schiffsdatenschreiber und ein GPS-Empfänger können über eine NMEA-Schnittstelle angebunden werden. Das Remote Control System (RCS) ist ein Fernsteuerungssystem der Antriebsanlage und unterteilt in den Vorortfahrstand im Maschinenraum, die RCS-Komponenten auf den Fahrständen sowie das Handsteuergerät als optionaler und mobiler Hilfsfahrstand.

Interessante Werkzeuge vereinfachen Inbetriebnahme und Diagnose

Das Engineeringsystem von Blue Vision New Generation umfasst die Projektierung, Parametrierung und Diagnose. Die Projektierung erfolgt durch MTU und beinhaltet die Auswahl und Verschaltung von Automationskomponenten sowie die Definition von Parameterwerten etwa für die Konfiguration der Alarmbildung im MCS. Kundenspezifische Anpassungen von MCS und RCS können innerhalb der integrierten SPS vorgenommen werden. Ein Commissioning-Tool für die Vorort-Parametrierung stellt sowohl einen geführten Inbetriebnahme-Dialog als auch einen Expertenmodus bereit. Es verfügt zudem über eine gesetzlich geforderte Datenrückführungs-Funktion, die es beispielsweise erlaubt, voreingestellte Ersatzteile zu liefern. Daneben bietet das Tool umfangreiche Diagnose-Funktionen zur Aufzeichnung, Analyse und Speicherung von Prozessdaten.

Blue Vision New Generation unterstützt im ersten Schritt nur Vortriebssysteme mit Wende-Untersetzungsgetriebe und Festpropeller. Als antriebsspezifische Peripherie sind zum Beispiel eine Wellenbremse sowie ein Kraftstoffvorfilter bzw. eine Kraftstoff-Aufbereitungsanlage anschließbar. Über die Fremd-RCS-Schnittstelle können alternativ zum MTU-RCS Fernsteuerungen für Vortriebssysteme mit Wasserstrahl oder Verstellpropeller angebunden werden. Und weil in MCS-6 das Automations- vom Engine Control-System durch eine fest definierte Schnittstelle getrennt wird, bleibt die Komplexität beider Systeme beherrschbar; so lassen sich die Teilsysteme unabhängig voneinander weiterentwickeln und die Automation baureihenübergreifend an das ECS anschließen. Diese Schnittstelle basiert auf einem redundanten MTU-spezifischen CAN-Bus und einer Vielzahl an I/O-Signalen, etwa für sicherheitsrelevante Funktionen.

Die Klassifizierung schon bei der Entwicklung integriert

Bei MTU Friedrichshafen erhalten alle Komponenten für den Einsatz in klassifizierten Systemen generell eine Baumusterprüfung der relevanten Klassifikationsgesellschaften, die schon in den Entwicklungsprozess frühzeitig eingebunden werden. Bei Blue Vision New Generation wurden aufgrund ihrer hohen Vorgaben GL, DNV und LRS als Ansprechpartner für die Systementwicklung ausgewählt. MTU entwickelt sämtliche Hard- und Software-Komponenten nach dem so genannten V-Modell, dessen Vorgehen dazu beiträgt, systematische Fehler während der Produktentwicklung zu vermeiden. Der Prozess wurde speziell an die Vorgaben der drei Klassifikationsgesellschaften angepasst, in einem frühen Stadium dort vorgestellt und als Stand der Technik anerkannt. Gleiches gilt für eine umfangreiche Fehler-Auswirkungsanalyse in Form einer Failure Mode and Effects Analysis (FMEA) der gesamten Antriebsanlage – mit dem Ergebnis, dass Blue Vision New Generation alle betrachteten Fehler in hinreichender Form kompensiert.

Während der gesamten Lebensdauer greift dann das weltweite MTU-Servicenetz mit einer schnellen, kompetenten Unterstützung sowie einer raschen Ersatzteilversorgung und Logistik. MTU garantiert bis zu 30 Jahre lang die Lieferung von Ersatzteilen. Um dies gewährleisten zu können, werden die zentralen Elektronikkomponenten selbst entwickelt, getestet und gefertigt. Und sollte während der Garantie ein Hersteller Bauteile oder Elektronikkomponenten abkündigen, werden alle betroffenen Geräte intern form-fit-function-kompatibel nachentwickelt. Dazu überwacht das MTU-Qualitätsmanagement ständig die Verfügbarkeit aller verwendeten Bauteile.

Nach den aktuellen Versionen Basic und Advanced soll schließlich der Ausbau zu Blue Vision Premium New Generation folgen, mit folgenden Features:

  • Bereitstellung von Bildschirm-Überwachungssystemen (inkl. Tastatur, Trackball …);
  • Erweiterung der Antriebsarten auf Verstellpropeller, Wasserstrahltriebwerk (Waterjet), Voith-Schneider, POD und kombinierte Anlagen;
  • Bereitstellung RCS-6 Fahrhebel (Ablösung ROS2 für Waterjet etc.);
  • Entwicklung Notfahr-Panel (z.B. für klassifizierte Einweller);
  • Erweiterte RCS-Funktionen wie Autopilot;
  • Funktionen zur Kraftstoffeinsparung sowie
  • Bereitstellung eines Remote Services/einer Remote Diagnose.

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