Passive Bauelemente Wirtschaftliches C-Teile-Management

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Sie sind unscheinbar aber unwahrscheinlich wichtig: Passive Bauelemente ohne sie ginge in Elektrotechnik und Elektronik gar nichts! Dennoch sind sie bei den meisten Distributoren unbeliebt, weil die Logistikkosten für diese Winzlinge deren eigentlichen Wert weit übersteigen. Dass sich der Handel mit solchen C-Teilen dennoch rechnen kann beweist der Breitband-Distributor Rutronik.

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Während sich der deutsche Markt für passive Bauelemente seit mehreren Jahren von seiner Schokoladenseite zeigt, gilt ein effizientes C-Teile-Management heute noch weithin als Bravourstück. Davon betroffen sind nicht nur die Einkäufer in den geräteproduzierenden Unternehmen, sondern auch die Distributoren. Das Gros des Distributionsumsatzes bei passiven Bauelementen in Deutschland verteilt sich laut den Unternehmensberatern von Europartners Consultants auf eine Hand voll Broadliner und Spezialdistributoren: Auf Platz Eins bei den Passiven rangiert in ihrer Liste die Rutronik Elektronische Bauelemente GmbH. Ausgeklügelte Logistikmodule in Kombination mit dem Komplett-Programm aus A-, B- und C-Bauelementen ermöglichen dem Broadliner entscheidende Kostenreduzierungen beim C-Teile-Management.

Passive - die Stiefkinder bei Einkauf und Vertrieb

Stark sind die Passiven vor allem in den Marktsegmenten Automobil- und Industrie-Elektronik. Von diesem Boom profitieren mit unterschiedlichen Steigerungsraten alle vier Produktsegmente: Kondensatoren, Widerstände, Induktivitäten und HF Bauelemente.

„Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“, schildert Ernst Gengenbach, Bereichsleiter Passive Bauelemente bei Rutronik, die Crux bei passiven Bauelementen, „denn da sie selbst nur einen geringen Wert haben, gleichzeitig aber einen hohem administrativen und logistischen Aufwand erfordern, gehören die passiven Bauelementen auf Distributions- wie auf Einkaufsseite oft zu den „Stiefkindern. Die Beschaffungskosten für diese C-Teile übersteigen meist deren eigentlichen Wert. Die beim Einstandspreis erzielten Vorteile stehen in keinem Verhältnis zu den internen Beschaffungsaufwendungen.“

Rund 70 % der Bauteile auf einer typischen Platine sind passiv: Die passiven Bauteile machen vom Wert her nur etwa 6 bis 7 % der Kosten einer bestückten Platine aus, verursachen aber 80 % der Bestückungskosten. Dabei ist der Verwaltungsaufwand bei C-Teilen um ein Vierfaches höher als bei anderen Komponenten. Statistisch gesehen generiert eine Bestellung von 10 Euro für ein C-Teil ähnlich hohe Prozesskosten wie die Bestellung eines A-Teils von 10.000 Euro - und das sind durchschnittlich etwa 150 Euro. Dabei beträgt die Bearbeitungszeit des Beschaffungsprozesses ungefähr zwei bis drei Stunden.

ABC-Teile aus einer Hand

„Dies ist ein offensichtlicher Missstand“, gibt Gengenbach zu Bedenken, „gefordert sind Lösungen, die für den Einkäufer und den Distributor gleichermaßen ein profitables Handling ermöglichen.“ Wesentliche Ansätze für ein erfolgreiches C-Teile-Management liegen in der Optimierung des Beschaffungsprozesses. Konkret heißt das: Beschaffungskosten senken, Teilevielfalt einschränken, weniger Lieferanten, Lagerbestände abbauen und den Lieferservice verbessern. „Genau bei diesen Punkten sollte man mit den Überlegungen ansetzen“, empfiehlt Gengenbach, „werden beispielsweise A-, B- und C-Teile von einem Lieferanten bezogen, stimmen die Kosten pro Produkt. Mit anderen Worten: Wertige und höherwertige Produkte zusammen in einer Bestellung mit C-Teilen senken die Beschaffungs- und Handlingkosten drastisch.“ Gengenbach empfiehlt daher, passive Bauelemente bei Lieferanten mit komplettem Lieferspektrum zu beziehen und so die Bündelungseffekte zu nutzen.

Neben einem Komplettangebot muss gerade beim C-Teile-Management auch der Logistikservice überzeugen. Hier hilft eine professionelle ABC-Analyse weiter, denn sie deckt Defizite in der Prozesskette auf und empfiehlt adäquate Logistiklösungen zur Kostenreduzierung in der Supply Chain. „Die Herausforderungen auf Kundenseite sind dabei vielfältig. So gilt es etwa die Bestände in Fertig- und Zwischenlagern niedrig zu halten, eine kundenspezifische Produktpalette aufzubauen und gleichzeitig eine hohe Lieferfähigkeit sicherzustellen“, weiß Gengenbach, „oft hat der Kunde Anforderungen, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. In solchen Fällen ist die Distribution gefordert, maßgeschneiderte Logistiklösungen wie Konsignationslager oder Vendor Managed Inventory zu bieten.“

Mit Weitblick planen

Langfristige Verbesserungs- und Einsparansätze liegen also vor allem in einer Optimierung der Beschaffungsprozesse sowie langfristigen Fakturierung und frühzeitigen Bedarfsermittlung der benötigen Komponenten. „Denn Einsparungen aufgrund von optimierten Prozesse bleiben, während die Teilepreise im Endeffekt eine unwägbare Größe bilden, die von vielen unterschiedlichen globalen Parametern wie Rohstoffpreise, Dollarkurs, Herstellerpolitik - um nur einige zu nennen - abhängt. Weder Kunde noch Distributor können sie maßgeblich beeinflussen“, schließt Gengenbach.

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