Steckverbinder

„Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch"

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Ihre Produkte sind auch in den Anwendungen Wasserstoff, Photovoltaik, Luft-Wärme-Pumpen, E-Mobility vertreten. Wie verändern Sie Ihre Produkte, um für noch mehr Nachhaltigkeit und Effizienz zu sorgen?

Norbert Gemmeke: Ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist es, die Energiedichte der Übertragungen zu erhöhen. Weil sich damit das Gewicht der eingesetzten Schnittstellen verringert, ergeben sich Vorteile für Anwendungen, zum Beispiel in der Mobilität. Leichtere Fahrzeuge brauchen weniger Antriebsenergie, was den CO2-Ausstoß senkt. Neuentwicklungen wie die Han-Modular Domino Module sparen bis zu 50 % Platz im Vergleich zu bisherigen Standards. Sie verringern das Steckverbinder-Gewicht für die gleichen Leistungen um ein Viertel. Mehr Nachhaltigkeit bietet auch unsere neue Baureihe Han HPR Compact. Deren Gehäuse sind skalierbar. Mithilfe von Erweiterungsrahmen lassen sie sich auch nachträglich an den wachsenden Übertragungsbedarf in einer Industrie-Umgebung anpassen. Der Lebenszyklus wird dadurch länger. Generell verbessern Steckverbinder die Nachhaltigkeit, weil sie eine durchgängige Modularisierung von Energieerzeugungsanlagen ermöglichen.

Und in welcher dieser Branche sehen Sie aktuell das größte Wachstum?

Norbert Gemmeke: Wir sehen in allen genannten Märkten für uns Wachstumschancen.

Harting ist ja auch in der Normungsorganisation IEC – Internationale Elektrotechnische Kommission vertreten. Können Sie schon abschätzen, wann es einen Standard für Digitale Zwillinge geben wird?

Dr. Kurt D. Bettenhausen: Harting unterstützt die Arbeit der IEC und der DKE als nationale Mitgliedsorganisation der IEC durch die Entsendung von Experten in verschiedene Gremien. Für den Digitalen Zwilling erfolgt die Erarbeitung der Normen bei der IEC im Technical Committee TC 65 „Industrial-process measurement, control and automation“ innerhalb der Working Group WG 24. Diese entwickelt die „Asset Administration Shell“. Die Arbeiten weiterer Standards stehen kurz vor dem Abschluss und werden für den Zeitraum der Hannover Messe im April 2023 erwartet. Die Erarbeitung der Inhalte des Digitalen Zwillings erfolgt durch die IDTA, die Industrial Digital Twin Association und die DKE.

Dr. Kurt D. Bettenhausen, Vorstand „Neue Technologien und Entwicklung", Harting(Bild:  Harting)
Dr. Kurt D. Bettenhausen, Vorstand „Neue Technologien und Entwicklung", Harting
(Bild: Harting)

Ohne digitalen Produktpass wird man künftig nicht weiterkommen. Wie muss dieser aussehen, welche Voraussetzungen müssen für einen durchgängigen Einsatz dafür noch geschaffen werden?

Dr. Kurt D. Bettenhausen: Die Definition des digitalen Produktpasses muss auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene durchgängig erfolgen. Die Ergebnisse müssen von allen technischen, wirtschaftlichen und politischen Stakeholdern gleichermaßen aktiv unterstützt werden, um hier einen Durchbruch zu erreichen. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle erforderlichen Informationen zu einem Produkt jederzeit aktuell und mit minimalem Ressourceneinsatz zum Anwender gelangen.

Auf der kommenden Hannover Messe wird Harting eine neue Anschlusstechnik präsentieren, die über das gesamte Portfolio ausgerollt werden soll. Würden Sie unseren etwas mehr darüber Lesern verraten? Braucht man für diese Anschlusstechnik spezielle Werkzeuge?

Norbert Gemmeke: Es handelt sich um die Push-in Technologie, eine der Käfigzugfeder verwandte Anschlusstechnik. Sie nutzt eine Metallklemme am Boden einer Kontaktkammer, die sich automatisch spannend um den Leiter legt, wenn dieser eingeführt wird – falls er mit einer Aderendhülse versehen ist. Bei Leitern ohne Aderendhülse müssen Sie einen Betätiger an der Anschlussseite des Isolierkörpers mit einem Schraubendreher nach unten drücken, ehe Sie den Leiter in die Kontaktklemme einführen. Anschließend müssen Sie den Schraubendreher nur noch zurückziehen und die Verbindung ist zugfest.

Inwieweit trägt die neue Anschlusstechnik dem Nachhaltigkeitsaspekt Rechnung?

Norbert Gemmeke: „Push-in“ ist eine Schnellanschlusstechnik. Sie ermöglicht das rasche Herstellen von Verbindungen im Feld, insbesondere bei Erstanschluss. Spezialwerkzeug ist nicht erforderlich, bei Verwendung von Aderendhülsen ist die Technik sogar komplett werkzeugfrei. Der wichtigste Vorteil ist die enorme Zeitersparnis von bis zu 30% bei der Installation und Wartung von Komponenten, die eine Push-in-Schnittstelle haben. Nachhaltig ist diese Technik, weil sie die Installation modularer Anlagen im Feld so einfach macht.

Ein Thema ist die Recyclingfähigkeit der Steckverbinder. Wenn ich richtig informiert bin, haben Sie angefangen, diesen Weg zu beschreiten. Können Sie bereits abschätzen, wann und in welchen Ihrer globalen Niederlassungen es dazu größere Meilensteine geben wird?

Dr. Stephan Middelkamp: Wir unterscheiden beim Produktdesign nicht nach unseren Standorten, sondern haben einheitliche Design-Vorgaben weltweit. Die Recycling-Fähigkeit ist einer der Kriterien, die im Eco-Design berücksichtigt werden. Hier ist die Materialauswahl entscheidend und der Umfang an untrennbaren Verbundstoffen.

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