Im Leipziger Familienfreizeitpark Belantis steuern die Fahrgäste des Flugkarussells die an den Sitzen angebrachten Flügel in Eigenregie, während sie 25 Meter über dem Boden kreisen. Für die Sicherheit setzt der Park auf Automatisierungstechnik von Pilz in Verbindung mit der innovativen Echoring-Technologie von R3 Solutions.
Drückt das Bedienpersonal des Götterfluges des Leipziger Freizeitparks Belantis im Leitstand die Starttasten, wird ein definierter und hochgradig automatisierter Bewegungsablauf in Gang gesetzt.
(Bild: Pilz GmbH & Co. KG)
Ruhig durch die Luft gleiten oder lieber mit sensationellen Loopings für Nervenkitzel sorgen? Der Götterflug erinnert ein wenig an eine Mischung aus Kettenkarussell und Freifallturm: Hat man in einer der paarweise angeordneten sechzehn Gondeln Platz genommen und die Bügel der Schalensitze geschlossen, setzt sich der Turm in Bewegung, während er gleichzeitig teleskopartig in die Höhe fährt.
Flugkarussell für Individualisten
Ein Kettenzug zieht den Kranz mit acht Auslegern, an jedem Ende jeweils zwei Gondeln, am Turm empor. Hat der Kranz seine endgültige Höhe erreicht, kippen die Ausleger um 90 Grad nach außen: Jetzt stehen die Sitze nicht mehr parallel, sondern vertikal übereinander. Die gleichförmige, etwa 50 km/h schnelle Drehbewegung lässt die Gondeln um ca. 30 Grad ausschwingen. Es hängt vom Mut des jeweiligen Passagiers ab, wie die nun folgende Luftfahrt verläuft: Wer es eher beschaulich mag, kann seine Runden wie in einem gewöhnlichen Kettenkarussell drehen und dabei die Aussicht genießen. Wer lieber eine wilde Fahrt möchte, hat dies selbst in der Hand: Beidseits der Sitze sind kleine Stummelflügel angebracht, die der Fluggast mit Griffen nach vorne und hinten verstellen kann. Damit kann jeder seinen Flug nach eigenem Gusto und Geschick gestalten.
Bildergalerie
Um die seit Jahren beliebte Belantis-Attraktion in puncto Flugerlebnis wie auch Sicherheit für die Fahrgäste auf den neuesten Stand zu bringen, hatte sich der Freizeitpark entschieden, die bestehende Automatisierungslösung inklusive Funkstrecke zu erneuern. Ziel: eine Modernisierung, sprich ein Retrofit, das gleichzeitig eine hohe Verfügbarkeit sicherstellen soll. Zudem sollte eine einfache Visualisierungslösung für eine komfortable Bedienung der Anlage sorgen. Weitere, zentrale Anforderung seitens des Betreibers Belantis war es, eine kostengünstige und schnell umsetzbare Retrofitlösung zu finden, damit die Fahrgäste nur möglichst kurz auf die Attraktion verzichten müssen.
Allumfassender Retrofit-Ansatz
Das Retrofit für den Götterflug – die komplette Systemintegration von der Hardwareplanung über die Visualisierung bis hin zur Inbetriebnahme – übernahm der Automatisierer Pilz. Die bisherige alte Pilz-Lösung rund um die Sicherheitssteuerung PSS 3000 wurde plus aller bestehenden Funktionen durch das Automatisierungssystem PSS 4000 – im Verbund mit dem dezentralen E/A-System PSSuniversal – ersetzt sowie die bestehende Programmierung im Rahmen der TÜV-Vorgaben wiederhergestellt und eine sichere Funkstrecke – zwischen Turm und Basis bzw. Auslegern und Schaltschrank – mit neuen Komponenten realisiert. Dabei sollten die hohen Kommunikationsanforderungen, d. h. räumlich variable Kommunikationsstrecken in funktional sicherer Applikation, berücksichtigt werden. Um aber die hohen Kommunikationsanforderungen dieser Anwendung optimal umsetzen zu können, holte Pilz den Berliner Spezialisten für kabellose Datenübertragung R3 Solutions ins Boot: Dessen selbstentwickelte Echoring-Wireless-Technologie gewährleistet eine sichere Funkübertragung der Daten aus dem Echtzeit-Ethernet Safetynet p von Pilz.
Beim Götterflug übernimmt die SPS-Steuerung PSSuniversal PLC des Automatisierungssystems PSS 4000 die Gesamtsteuerung des Flugkarussells, vom Schließen und Zuhalten der Sitzbügel, der Drehung des Turms bis hin zur Endlagenüberwachung der Ausleger. Zusätzlich sorgen codierte Sicherheitsschalter PSENcode für die Überwachung der Ausleger bei der Rückkehr zur Ausgangsposition bzw. Grundstellung. Drückt das Bedienpersonal des Götterfluges im Leitstand die Starttasten, wird ein definierter und hochgradig automatisierter Bewegungsablauf in Gang gesetzt. Wo jedoch programmierbare Software sämtliche Antriebe und Bewegungen steuert, muss im Hintergrund eine intelligente Sicherheitssteuerung darüber wachen, dass die vorgegebenen Bewegungen, Geschwindigkeiten und Zustände eingehalten werden und die beschleunigten Flugobjekte ihre Bahn halten.
Sicherheitsabfragen begleiten die gesamte Flugphase
PSS 4000 managt im zentralen Schaltschrank des Götterflugs alle steuerungstechnischen Aufgaben: Über die Überwachung sämtlicher Sensoren und dem daraus resultierenden Verhalten der Aktoren hinaus stellt das Automatisierungssystem dem Bedien- und Visualisierungsterminal aus der PMIvisu-v8-Serie, auch von Pilz, permanent Informationen mittels OPC-UA-Technik zur Verfügung. PSS 4000 entgeht weder eine sicherheitsrelevante Bewegung noch ein sicherheitsrelevanter Zustand am Götterflug. Dies beginnt gleich mit dem Start: Die Hubbewegung darf eine bestimmte Geschwindigkeit nicht übersteigen; die Gondeln dürfen erst in ihren vertikalen Flugzustand kippen, wenn sich die Ausleger in ihrer definierten Endlage befinden. Wie stark ist die Dehnung der Zugketten beim Hochfahren des Turmes? Bleibt dessen Drehgeschwindigkeit unter dem maximal zulässigen Wert? Liegt der Hydraulikdruck zwischen dem definierten Minimal- und Maximalwert? Diese und noch weit mehr Sicherheitsabfragen begleiten die gesamte Flugphase und vollziehen sich in Sekundenbruchteilen. Von alledem merkt der Fluggast freilich nichts.
Stand: 08.12.2025
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