Cyber-Crime BKA warnt: IoT-Geräte öffnen Hackern Tür und Tor
Wer IoT-Geräte in sein Netzwerk bringt, ahnt womöglich nicht, welche Türen er damit alles öffnet. Cyber-Crime-Experten berichten von millionenschweren Geschäftsmodellen der Bösen - und speziell auch vor der Gefahr für Industrieanlagen.
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Vor Attacken aus dem Netz wie mit WannaCry hatten auf dem diesjährigen Industrial Communication Congress von Phoenix Contact bereits Cyber-Crime-Experte Jens Wiesner und Ex-BKA-Chef Jörg Ziercke eindringlich gewarnt. Laut Wiesner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist dieses Frühjahr bereits die erste Ransomware speziell für Industrieanlagen entdeckt worden. Erpressungstrojaner ähnlich wie WannaCry und Petya also, die jüngst bekanntlich die Daten von vielen Firmen, Krankenhäusern und Organisationen im Griff hatten.
Wiesner und Ziercke war vor allem daran gelegen, die Vertreter der Industrie für das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren. „Wir erleben heute schwerwiegende IT-Sicherheitslücken, eine asymmetrische Bedrohungslage, die sich deutlich zuspitzt, weil wir es mit hochentwickelten Werkzeugen professioneller Angreifer zu tun haben“, warnte Ziercke die Kongress-Teilnehmer mit deutlichen Worten.
Doch nicht mal Software-Updates spielen Hersteller und Lieferanten offenbar regelmäßig auf. Und wer denkt schon an den digitalen Wasserkocher oder die Kaffeemaschine mit Chip, die munter Betriebsdaten senden können? An offene Kommunikationsschnittstellen in Überwachungskameras oder andere mögliche Schwachstellen im Air Gap, dem Prozess, der zwei IT-Systeme voneinander trennt, aber dennoch die Übertragung von Nutzdaten zulässt?
„Wenn Sie IoT-Geräte bei sich ins Netzwerk bringen, machen Sie damit Türen auf, von denen Sie gar nicht wissen, dass sie existieren“, warnt BSI-Referatsleiter Wiesner und berichtet von unterschiedlichsten Fällen zwischen sogenannter digitalen Sorglosigkeit und krimineller Energie. Von den USB-Sticks mit Schadsoftware etwa, die ihren Weg ins Kernkraftwerk Gundremmingen in den Protokollrechner der Lademaschine für die Brennelemente gefunden hatten – erst nach Jahren entdeckt. Zum Glück in einem stark manuellen Prozess und offenbar kein gezielter Angriff.
Raubzug durch den Wartungszugang der Klimaanlage
Zufällig oder gezielt, füge man der Gelegenheit noch ein Motiv hinzu, habe man ein Geschäftsmodell, so Wiesner, wie mit der Erpressungssoftware. Bekannt der Bankraub der Carbanak-Bande in Russland, die es wohl nicht geschafft hatten, ins Banknetz einzudringen, aber Überwachungskameras hacken konnten und den Leuten anschließend bei der Passwort-Eingabe zuschauten. Der Coup mit der Container-Verwaltung im Hafen von Antwerpen: Ein Virus ließ über Jahre Container nicht physisch, aber im System verschwinden und damit etwa für Drogenschmuggel einsetzen. Nachdem eine Antivirus-Software installiert war, hatten die Kriminellen einfach zusätzlich Hardware zum Funken und für Tastatureingaben angebracht. Das funktioniert auch in der Industrie. „Wer schaut schon ständig, ob da noch ein zusätzlicher kleiner schwarzer Kasten ist?“ Das Eindringen ins Firmennetzwerk der US-Supermarktkette Target mit Raub von zig Millionen Kreditkartendaten über den Wartungszugang der Klimaanlage. Wer kennt alle seine Wartungsverträge und Zertifizierungen? Bei Saudi Aramco wiederum, dem wohl größten Ölproduzenten der Welt, hat ein Cyber-Angriff dem Experten zufolge 35.000 Festplatten gelöscht.
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