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Edge-Cloud-Lösung Das Minirechnenzentrum in der eigenen Fabrikhalle

| Autor / Redakteur: Ines Stotz / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Dem industriellen Mittelstand die Vernetzung erleichtern – das hat sich die Friedhelm Loh Group auf die Fahnen geschrieben und öffnet mit einer „All In One Edge“-Lösung die Tür zu Datensouveränität und KI-basierter Fertigung.

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Mit der Edge-Technologie wird es ermöglicht, Daten in vernetzten Fabriken schnell, zuverlässig, sicher und einfach für digitale Prozesse wertschöpfend nutzbar zu machen und dabei die volle Datensouveränität zu erhalten.
Mit der Edge-Technologie wird es ermöglicht, Daten in vernetzten Fabriken schnell, zuverlässig, sicher und einfach für digitale Prozesse wertschöpfend nutzbar zu machen und dabei die volle Datensouveränität zu erhalten.
(Bild: ©beebright - stock.adobe.com)

Oncite heißt das erste KI-basierte, echtzeitfähige und datensouveräne Edge-Rechenzentrum zur zukünftigen industriellen Datenverarbeitung, mit dem Rittal neues Terrain betritt. Gemeinsam hat das Unternehmen mit den Startups German Edge Cloud und IoTOS – jüngste Unternehmen der Friedhelm Loh Group – sowie mit Bosch Connected Industry das neue Produkt auf der vergangenen Fachmesse SPS vorgestellt.

Für die Inbetriebnahme eines neuen, komplett digital integrierten Produktionswerkes für Klein- und Kompaktgehäuse in Haiger suchte Rittal, Systemanbieter für Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung, IT-Infrastruktur sowie Software und Service, nach IoT-Lösungen, die es bis dato noch nicht gab. Mit Hilfe intelligenter Daten-Analyse-Mechanismen und hierfür benötigten Algorithmen, wie z. B. der Mustererkennung, sollten die Prozesse kontinuierlich verbessert werden.

Souverän mit einer Cloud in der eigenen Halle

Die „All In One Edge“-Lösung Oncite steht direkt vor Ort in den Fabriken und damit dort, wo die Daten entstehen. Sie öffnet die Tür zu Datensouveränität und KI-basierter Fertigung.
Die „All In One Edge“-Lösung Oncite steht direkt vor Ort in den Fabriken und damit dort, wo die Daten entstehen. Sie öffnet die Tür zu Datensouveränität und KI-basierter Fertigung.
(Bild: Rittal)

Positioniert wird Oncite als Teil der digitalen Infrastruktur Gaia-X, mit der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Cloud-Anbietern aus den USA wie Amazon und Microsoft verringern will. Denn wer Cloud-Lösungen von Drittanbietern nutzt, gibt ein Stück weit die Kontrolle über seine Unternehmensdaten ab. So ermöglicht etwa der US-amerikanische Cloud-Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data) den Zugriff von US-Behörden auf Daten in der Cloud, sogar wenn lokale Gesetze am Ort des Datenspeichers dies verbieten. Somit wird der selbstbestimmte Umgang mit Daten zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor.

Hier setzt Oncite an: Es verarbeitet die Daten aus der Produktion direkt in der Fabrik– nahe der Produktionsstraße und speichert diese zunächst in einem kleinen Rechenzentrum vor Ort. Der Anwender entscheidet dann, wo seine Daten bleiben. Also ob und wie er die verarbeiteten Daten an die verschiedenen digitalen Produktionsplattformen übermittelt.

Ergänzendes zum Thema
3 Fragen an Christina Bienek, IoTOS
Produktionsdaten auf Knopfdruck harmonisieren

Frau Bienek, mit ‚Oncite‘ haben Rittal und Partner auf der vergangenen Messe SPS für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Was soll mit der ‚Cloud in der eigenen Halle‘ ermöglicht werden?

Christina Bienek, Business Development Management, IoTOS (Tochter der Friedhelm Loh Group): „Oncite ist kein Ersatz für bestehende Cloud-Lösungen, sondern eine damit kompatible sinnvolle Ergänzung.“
Christina Bienek, Business Development Management, IoTOS (Tochter der Friedhelm Loh Group): „Oncite ist kein Ersatz für bestehende Cloud-Lösungen, sondern eine damit kompatible sinnvolle Ergänzung.“
( Bild: IoTOS )

Mit Oncite können produzierende Unternehmen ihre Prozesse für mehr Wertschöpfung digitalisieren und gleichzeitig die Datensouveränität und Finanzierbarkeit sicherstellen. Es handelt sich dabei um eine offene IIoT-Plattform, integriert in einem fabrikinternen Edge Cloud-Rechenzentrum. Oncite wird mit skalierbarer IT-Infrastruktur, vorkonfigurierten IIoT-Applikationen und Full-Service angeboten. Unternehmen können mit dieser ‚Plug and Produce‘-Lösung förmlich auf Knopfdruck ihre Produktionsdaten harmonisieren und KI-basierte Analysen durchführen, um damit ihre Produktion zu optimieren und die Produktqualität zu verbessern.

Wird es mit Oncite auch sicherer?

Das Prinzip von Oncite ist eine sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur. Oncite ermöglicht es durch die eingesetzte Edge-Technologie, Daten in vernetzten Fabriken schnell, zuverlässig, sicher und einfach für digitale Prozesse wertschöpfend nutzbar zu machen; zum Beispiel industrielle KI, Supply Chain Track & Trace und dabei die volle Datensouveränität zu erhalten. Die Lösung sammelt, speichert und verarbeitet Daten direkt dort, wo sie anfallen. Sie ist kein Ersatz für bestehende Cloud-Lösungen, sondern eine damit kompatible sinnvolle Ergänzung – mit den Vorteilen der vollständigen Datensouveränität und Echtzeitfähigkeit.

Mit welchem Ziel hat sich die Friedhelm Loh Group zudem für das Gaia-X Programm, einen neuen Datenraum für Europa zu schaffen, stark gemacht?

Beim Digital-Gipfel der Bundesregierung mit hochrangigen Vertretern aus Politik und Industrie wie Prof. Friedhelm Loh ist die hohe Relevanz von Datensouveränität und europäischen Lösungen für digitale Infrastrukturen deutlich geworden. Ziel ist zunächst der Aufbau einer europäischen Cloud-Infrastruktur zur sicheren Digitalisierung und Vernetzung der Industrie. Oncite gilt als die ‚Keimzelle‘ für die industrielle Gaia-X und ist perspektivisch nicht nur für die deutsche Industriewelt interessant, sondern auch für andere Branchen, deren immense Datenmengen sicher bewahrt, selektiert und wertschöpfend verarbeitet werden müssen. Hier ergeben sich auch beispielsweise im Gesundheitsbereich oder Smart Living zahlreiche Einsatzgebiete.

Einfache Digitalisierungslösung und Datensouveränität

Oncite ist also eine schlüsselfertige Komplettlösung für die Verarbeitung und Analyse von Industriedaten am eigenen Produktionsstandort. Als fabrikinternes Edge-Rechenzentrum ermöglicht sie die Digitalisierung der Fabrik und gleichzeitig die Adaption auf diverse digitale Produktionsplattformen.

Damit beantwortet Oncite eine zentrale Frage, die sich derzeit die Automobilzulieferer stellen: Was geschieht mit den eigenen Fertigungsdaten, wenn Zulieferer diese künftig an die neuen digitalen Produktionsplattformen von Automobilherstellern übertragen müssen? Denn VW schafft derzeit mit der „Industrial Cloud/Digital Production Platform (DPP)“ und BMW mit der „Open Manufacturing Platform“ die Basis für einen Supply Chain-übergreifenden Datenaustausch von Produktionsdaten von über 100.000 Fabriken. Ziel ist die Produktivitätssteigerung von bis zu 30 % für die gesamte Lieferkette.

Mit der Edge-Technologie wird es ermöglicht, Daten in vernetzten Fabriken schnell, zuverlässig, sicher und einfach für digitale Prozesse wertschöpfend nutzbar zu machen (z. B. industrielle KI, Supply Chain Track & Trace) und dabei die volle Datensouveränität zu erhalten. Die Lösung sammelt, speichert und verarbeitet Daten direkt dort, wo sie anfallen.

„Allerdings ist sie kein Ersatz für bestehende Cloud-Lösungen, sondern eine damit kompatible sinnvolle Ergänzung – mit den Vorteilen der vollständigen Datensouveränität und Echtzeitfähigkeit“, erklärt Dr. Sebastian Ritz, Geschäftsführer der German Edge Cloud, und fährt fort: „Oncite ist nicht nur für die deutsche Industriewelt interessant, sondern auch für andere Branchen, deren immense Datenmengen sicher bewahrt, selektiert und wertschöpfend verarbeitet werden müssen.“

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