Bevor der TÜV kommt, Teil 4

Die häufigsten Schwierigkeiten – Erfahrungswerte des TÜV Rheinland

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Komplexe Lösungen

Das Bewerten der Maßnahmen zur Fehlerbeherrschung erfolgt durch die Bestimmung der sicherheitstechnischen Verfügbarkeit für jede definierte Sicherheitsfunktion. Diese wird in EN 62061 und IEC 61508 durch die gefährliche Versagenswahrscheinlichkeit PFD und die gefährliche Versagensrate PFH ausgedrückt. Weitere zu bestimmende Kenngrößen sind: Hardware Fehler Toleranz (HFT) und Anteil der ungefährlichen Fehler (Safe Failure Fraction – SFF).

Das Ermitteln all dieser Kenngrößen basiert entweder auf Markov Modellen oder auf einem Zuverlässigkeits-Blockdiagramm (Reliability Block Diagram). Beide Methoden liefern mehr oder weniger komplexe Lösungsansätze, für die nur von geschulten Mitarbeitern beherrscht werden können. Größere Unternehmen haben Mitarbeiter, die ausschließlich die Quantifizierung von Sicherheitsprodukten verantworten. Der wichtige erste Schritt zum Qualifizieren dieser Mitarbeiter ist die Verinnerlichung der probabilistischen Betrachtungsweise als Erweiterung des deterministischen Ansatzes aus der alten Norm EN 954-1. Die vermehrte Nachfrage an Schulungen im Bereich „Quantifizierung“ lässt erkennen, dass viele Hersteller das Ziel haben, die Berechnungen eigenständig durchzuführen und nur die Ergebnisse vom Prüfinstitut verifizieren zu lassen. Kleine Firmen hingegen lassen meistens den TÜV Rheinland quantifizieren.

Schnelle und erfolgreiche Typprüfung

Die Erfahrungen beim Prüfen von Sicherheitsbauteilen der TÜV Rheinland Group zeigen, dass oft die gleichen Probleme während der Entwicklung und Prüfung eines Produktes auftreten. So ist es sinnvoll, das Prüfinstitut möglichst früh einzuschalten, um diese Schwierigkeiten in erfolgreicher Zusammenarbeit zeitnah zu lösen oder um sie von vornherein zu vermeiden. Herstellern mit grundlegenden sicherheitstechnischen Vorkenntnissen aus der alten EN 954-1 oder der EN ISO 13849 ist dies anzuraten, weil die Anwendung immer komplexerer Technologien im Bereich „Sicherheit von Maschinen“ die Entwickler beim normenkonformen Umsetzen der Anforderungen (insbesondere von EN 62061 und IEC 61508) herausfordern.

* * Dipl.-Ing Thomas Steffens und Dr.-Ing. David Schepers sind Fachreferenten des TÜV Rheinland Functional Safety Program des Bereiches Automation, Funktionale Sicherheit bei der TÜV Rheinland Industrie Service GmbH, Köln

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