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Arbeitszeit Doodlen für den Schichtplan

| Redakteur: Carina Schipper

Produkte von der Stange sind Vergangenheit. Heute designen Kunden selbst. Das stellt die Industrie vor Herausforderungen. Losgrößen schrumpfen, die Flexibilität der Maschinen wächst. Die Personalplanung muss reagieren, weiß Dr. Stefan Gerlach vom Fraunhofer IAO.

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Die Mitarbeiter besitzen die Möglichkeit, sich für Zusatzschichten, beispielsweise am Wochende, einzutragen.
Die Mitarbeiter besitzen die Möglichkeit, sich für Zusatzschichten, beispielsweise am Wochende, einzutragen.
(Bild: Sebastian Schlund, Fraunhofer IAO)

Als 2009 die Wirtschaftskrise um sich griff, bedienten sich viele Unternehmen der Kurzarbeit. Sie gehört zu den vier Formen des flexiblen Arbeitens. Millionen Angestellten dürfte das sehr gut im Gedächtnis geblieben sein, schließlich blieben ihre Arbeitsplätze trotz der Krise erhalten. „Aber das war eine teure Sache für die Gemeinschaft“, erklärt Dr. Stefan Gerlach vom Fraunhofer Instituts für für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Die Mitarbeiter verdienen weniger, die öffentliche Hand muss Geld zuschießen. Auch der Betrieb zahlt am Ende drauf. Das liege an den sogenannten Remanenzkosten, die vertraglich vereinbart sind. Darunter fallen beispielsweise Weihnachtsgeld oder andere Bonifikationen. Der Stundenlohn in einer Kurzarbeitsphase kann höher liegen als während der Vollbeschäftigung. Stefan Gerlach schlägt eine andere Lösung vor. Er bezeichnet den Ansatz als XXL-Flexi-Konten.

Überstundenvorrat aufbauen

Dahinter steht das Projekt Kapaflex-Cy des Fraunhofer IAO. Es löse die übliche pauschale Personalflexibilität ab, so die Stuttgarter. Vereinfacht lässt sich das Prinzip mit einem Gleitzeitkonzept vergleichen. Das Personal nutzt ein Zeiterfassungssystem und sammelt kontinuierlich Arbeitsstunden auf einem Zeitkonto an. Allerdings dehnt sich der Umfang dieses Kontos viel weiter als üblich aus. Der Modellentwickler spricht von ungefähr 600 bis 700 Stunden. Das funktioniert natürlich nicht innerhalb eines kurzen Zeitfensters. In wirtschaftlich starken Perioden müssen die Angestellten ihre Konten auffüllen – über Jahre. Einige Unternehmen arbeiteten bereits mit solchen großen Sparkonten. Der Forscher berichtet von Anwendern, deren Mitarbeiter bereits 400 und mehr Stunden angespart hätten. In Krisenzeiten und bei kurzfristigen Schwankungen lässt sich die Überzeit wieder abbauen und federt den Einbruch ab. „Der Mitarbeiter hat dem Unternehmen über Jahre einen Kredit gegeben. Dafür erhält er später Arbeitsplatzsicherheit und seinen vollen Lohn“, fasst Gerlach zusammen. Von den Angestellten bekommt er immer wieder die selbe Frage gestellt: Was passiert, wenn am Ende in der Krise alles nichts nützt und der Betrieb schließen muss? Für diesen Fall müssten sich die Arbeitnehmer keine Sorgen machen, versichert der Schwabe. Natürlich seien die Unternehmen in der Pflicht parallel zum Stundenaufbau Rücklagen zu bilden. Verschiedene Verfahren zur betriebswirtschaftlichen Umsetzung der XXL-Flexi-Konten helfen solche finanziellen Polster in die Bilanzierung miteinzubeziehen.