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Roboter Einarmiger Tauchroboter geht dem Meer auf den Grund

| Redakteur: Sariana Kunze

Der Großteil der Tiefsee ist bislang noch unerforscht. Für die dort vorherrschenden Bedingungen ist der menschliche Körper einfach nicht gemacht. Mit autonom operierenden und ferngesteuerten Tauchfahrzeugen wollen Forscher Licht ins Dunkle bringen. So auch das Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum). Mit einem neuen Tauchroboter kann jetzt bis zu 2.000 m tief getaucht werden.

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Der Tauchroboter Marum-Squid kann mit ausgefahrener Elektronikröhre (rechts) bis zu 2.000 m tief tauchen.
Der Tauchroboter Marum-Squid kann mit ausgefahrener Elektronikröhre (rechts) bis zu 2.000 m tief tauchen.
(Volker Diekamp, Marum)

Vom Fähranleger in Rotterdam kommend liefert ein LKW den von einer britischen Firma gefertigten neuen Tauchroboter Marum-Squid für das Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an . Routiniert manövriert der Mitarbeiter Steffen Klar den Schwerlast-Gabelstapler Richtung LKW und hebt zunächst eine mehr als 1.045 kg schwere Holzkiste von der Ladefläche. Sie enthält Kabel, Kamerasysteme und weiteres Zubehör. Das knapp 1.200 kg schwere Tauchfahrzeug selbst verbirgt sich in einer zweiten Kiste. Während Projektleiter Dr. Nicolas Nowald mit Hilfe seiner Kollegen beginnt, die vielfach verschraubten Kisten zu öffnen, lädt Steffen Klar ein knallrotes Stahlgestell ab: der Rahmen für die Winde. 2.400 m Kabel sind dort aufgespult. Es enthält Kupferleitungen, die das Tauchfahrzeug mit Energie versorgen. Zudem Glasfaserleitungen, mit denen während der Tauchgänge Livevideos aus bis zu 2.000 m Meerestiefe an Bord des Forschungsschiffs übertragen werden. Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug soll zukünftig Kaltwasser-Korallensysteme, Gasaustritte am Meeresboden sowie schwarze und weiße Raucher, also die sog. Hydrothermalquellen in der Tiefsee erkunden. Hierfür wurde der Tauchroboter mit einer Foto- sowie einer hoch auflösenden HD-Videokamera ausgestattet. Ein hydraulisch angetriebener, aus Edelstahl gefertigter Multifunktionsgreifarm soll bis zu 68 kg schwere Proben am Meeresboden einsammeln können.

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Kaum eine halbe Stunde nach dem Abladen steht das Gerät ausgepackt auf dem Betriebshof: Kompakte 2,1 m lang, 1,17 mr hoch und 1,16 m breit. Projektleiter Nowald untersucht es zunächst auf etwaige Transportschäden. Bei einem Investitionsvolumen von gut 1,2 Mio. Euro, das je zur Hälfte vom Bund bzw. dem Land Bremen finanziert wurden, muss er natürlich sicher gehen, dass unterwegs nichts passiert ist.. „In den kommenden Wochen erledigen wir Restarbeiten. Zum Beispiel bekommt das Gerät noch ein Schubladenfach, in dem Messinstrumente oder Proben zwischen Meeresboden und Schiff transportiert werden. Abschließend werden wir das Tauchfahrzeug in unserem Tauchbecken auf Herz und Nieren testen“, sagt der Meerestechniker:

Mit 11 Propellern Canyon-tauglich

Das Chassis des Tauchroboters ist aus Edelstahl und Polypropylen gefertigt. An seiner Frontseite sorgen fünf leistungsstarke Scheinwerfer für hinreichend gute Sicht in der dunklen Tiefsee. Sie sollen besonders Energie sparend sein. Angetan sind die Marum-Techniker von den insgesamt 11 Propellern; 3 an der Oberseite, und jeweils 4 an Backbord und Steuerbord. „Kein Tauchroboter dieser Größe ist so kompakt und leistungsstark und dabei so mobil wie Squid“, sagt Nicolas Nowald. „Das Gerät erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 3,5 Knoten, also gut 6 km/h. Damit können wir Squid z.B. in untermeerischen Canyons einsetzen, wo wir einerseits erhöhte Strömungsgeschwindigkeiten registrieren, andererseits aber daran interessiert sind, die dort wachsenden Kaltwasser-Korallen zu erforschen“, sagt Nicolas Nowald. „Durch die hohe Antriebsleistung des Marum-Squid können wir nun auch in Gebieten forschen, die für uns bisher nur schwer zugängliche waren“, sagt Michael Schulz, Marum-Direktor. „Deswegen ist das Gerät eine sehr gute Ergänzung zu unserem Arbeitspferd, dem großen Tauchroboter Marum-Quest, der in Tiefen von bis zu 4.000 m eingesetzt wird.“ Der Tauchroboter wird Im Spätherbst nach Walvis Bay, dem wichtigsten Seehafen Namibias, verschifft. An Bord des deutschen Forschungsschiffs Meteor wollen Marum-Wissenschaftler im Januar 2016 Kaltwasserkorallen vor der Südwestküste des afrikanischen Kontinents untersuchen.

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