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Energieaudit nach DIN EN 16247

Energieaudit erneut mit temporärer Messtechnik bestehen

| Autor/ Redakteur: Dr. Stephan Theis* / Sariana Kunze

Unternehmen, die nicht als Kleinstunternehmen oder KMU gelten, müssen seit Dezember 2015 ein Energieaudit nach DIN 16247 vorweisen. Da das Audit nicht älter als vier Jahre sein darf, ist noch 2019 das Wiederholungsaudit fällig. Was gibt es dabei zu beachten?

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Bei vielen Unternehmen steht noch 2019 die Wiederholung des Energieaudits nach DIN 16247 an. Temporäre Messtechnik kann dabei unterstützen das Energieaudit erneut zu bestehen.
Bei vielen Unternehmen steht noch 2019 die Wiederholung des Energieaudits nach DIN 16247 an. Temporäre Messtechnik kann dabei unterstützen das Energieaudit erneut zu bestehen.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Bei den meisten Unternehmen steht in diesem Jahr noch das Wiederholungsaudit nach DIN 16247 an. Ein wichtiger Unterschied zum ersten Energieaudit ist, dass der Auditbericht nun umfangreicher ist und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) es sich vorbehält, bei mangelhaften Audits ein weiteres Energieaudit durch einen anderen Auditor zu verlangen. Das kann auch Unternehmen treffen, die über eine relativ umfangreiche Mess-Infrastruktur verfügen. Denn häufig ist diese Infrastruktur – ebenso wie der Maschinenpark oder andere Systeme und Anlagen – über Jahre gewachsen und bildet nicht das ab, was im Unternehmen angenommen wird, so die Erfahrung von Energieaudit-Experten aus vielen Energiemanagement-Projekten.

Messwerte mit temporären Messungen verifizieren

Dies war beispielsweise auch der Fall bei einem Lebensmittelhersteller. Der Auditor hatte im Rahmen des Wiederholungsaudits die Messwerte der Untermessungen angezweifelt. Um die Messungen zu überprüfen, führte das Unternehmen für sieben Wochen zusätzlich zur festinstallierten Mess-Infrastruktur temporäre Messungen durch. Zudem nutzte der Lebensmittelhersteller die Gelegenheit, um die hohe Grundlast zu untersuchen, die sich am Stromlastgang gezeigt hatte. Zwar ist die Messtechnik für solche temporären Einsätze meist teurer als eine vergleichbare stationäre Lösung, dafür kann sie flexibel an unterschiedlichen Maschinen oder Anlagen genutzt werden. So lassen sich laut dem Energiedatenerfassungsspezialisten Econ Solutions hohe Investitionen an der falschen Stelle verhindern.

Elektrische Leistung, Energie, Ströme und Spannungen messen und analysieren, das macht das mobile Messsystem Econ Go inklusive Cloud-Anbindung möglich.
Elektrische Leistung, Energie, Ströme und Spannungen messen und analysieren, das macht das mobile Messsystem Econ Go inklusive Cloud-Anbindung möglich.
( Bild: Econ Solutions )

Der Lebensmittelproduzent konnte mit den temporären Messungen sofort beginnen, da das eingesetzte mobile Messsystem Econ Go vorkonfiguriert angeboten wird und alles beinhaltet, was zur Messung von Leistung und Energieverbrauch von Verbrauchern und Verteilungen notwendig ist. Dazu gehören zwei Econ Sens3 Energie- und Leistungsmessgeräte mit Rogowski-Spulensatz (400A oder 3000A), ein Spannungs-Kit zur Spannungsmessung und -versorgung sowie ein Mobilfunkrouter für die Datenübertragung. Die Messgeräte konnten in wenigen Minuten unterbrechungsfrei installiert werden und erfassten so detailliert die elektrische Leistung, Energie, Ströme und Spannungen, beschreibt der Anbieter.

Messergebnis nach sieben Wochen

Die temporären Messungen zeigten nach sieben Wochen, dass 40 % der Untermessungen falsch waren. Als Ursache stellten sich fehlerhafte Wandlerfaktoren heraus, beschreibt Econ Solutions. Um die zuvor erhobenen Lastgänge doch noch für das Energieaudit nutzen zu können, wurden die Messwerte des mobilen Messsystems denen des Lebensmittelherstellers gegenübergestellt, sodass daraus Korrekturfaktoren gewonnen werden konnten. Als Hauptverursacher der hohen Grundlast wurde die Klimakälteanlage für die Raumklimatisierung identifiziert. Bislang war der Lebensmittelhersteller davon ausgegangen, dass diese bereits in einer der Untermessungen erfasst worden wäre. Doch die temporären Messungen zeigten auf, dass dies nicht der Fall war. Die korrigierte Aufteilung des Stromverbrauchs wurde im Energieaudit entsprechend berichtigt und der Hersteller erhielt das neue Audit. Zudem wurden die Erkenntnisse genutzt, um Maßnahmen festzulegen, die die hohe Grundlast sowie den weiteren Energieverbrauch senken.

Ein Wiederholungsaudit kann sich lohnen

Eine ABC-Analyse zeigt die Hauptverbraucher auf einen Blick an.
Eine ABC-Analyse zeigt die Hauptverbraucher auf einen Blick an.
( Bild: Econ Solutions )

Auch wenn ein Audit problemlos verläuft, ziehen Unternehmen den größten Nutzen aus einem Energieaudit, wenn sie es nutzen, um ihre Energieeffizienz zu erhöhen. Denn Ziel des Energieaudits nach DIN EN 16247 ist es, durch eine systematische Betrachtung und Analyse des Energieeinsatzes sowie der Energieverwendung Einsparpotenziale in Unternehmen besser identifizieren und ausschöpfen zu können. Voraussetzung hierfür sind umfassende Messungen, angefangen bei den Haupt- und Unterverteilungen bis hin zu den Einzelverbrauchern. Für Unternehmen, die noch keine (ausreichende) Mess-Infrastruktur haben, bieten sich temporäre Messungen, sogenannte wandernde Messungen, zu Beginn an. Denn beim Aufbau eines Messsystems stellt sich die grundlegende Frage: Wo soll gemessen werden? Hierfür gilt: Das zu erwartende Einsparpotential sollte deutlich höher sein als die dafür erforderliche Messtechnik inklusive Installationsaufwand. Dabei ist es nicht sinnvoll, sich auf Vermutungen zu verlassen, sondern mit temporären Messungen eine faktenbasierte Grundlage zu schaffen. Laut Econ Solutions zeige die Praxis, dass Anlagen oder mobile Geräte wie Öfen oder Temperiergeräte, deren nominelle Leistungsaufnahme gemäß Typenschild gering ist, häufig unbeachtet bleiben. Werden jedoch auch ihre Laufzeiten einbezogen, ergibt sich ein anderes Bild: Als Dauerläufer bieten sie ein erhebliches Einsparpotential.

Die Messwerte alleine sind jedoch kaum aussagekräftig, weiß Econ Solutions, erst die Analysen übersetzen die Messwerte in Erkenntnisse. Deshalb überträgt das mobile Messsystem Econ Go die Messdaten über den eingebauten Mobilfunkrouter automatisch zur Auswertung in die cloudbasierten Energiemanagement-Software Econ3. Die Software gibt Auskunft über die Hauptverbraucher, den Verbrauch über die Zeit, Spitzenlastzeiten, Abhängigkeiten zweier Messgrößen und mehr. Durch eine intuitive Bedienbarkeit soll sie laut Anbieter kurzfristige Effizienzmaßnahmen ermöglichen.

* Dr. Stephan Theis, Geschäftsführer, Econ Solutions

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