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Aktoren Exo-Planeten im Visier

| Redakteur: Ute Drescher

Die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO) plant derzeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT). Rund 11.000 Piezoaktoren sollen in einer extrem genau arbeitenden adaptiven Optik (XAO) helfen, einen klaren und scharfen Blick ins Weltall zu ermöglichen.

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Physik Instrumente (PI) entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IOF ein neues Aktoren-Konzept für die adaptive Optik des European Extremely Large Telescope (E-ELT).
Physik Instrumente (PI) entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IOF ein neues Aktoren-Konzept für die adaptive Optik des European Extremely Large Telescope (E-ELT).
(Bild: ESO/L. Calçada/ACe Consortium)

Das E-ELT wird mit einem segmentierten Hauptspiegel von 39 m Durchmesser und einer Lichtsammelfläche von knapp 1000 m², das größte bodengebundene Teleskop für die wissenschaftliche Auswertung elektromagnetischer Strahlung im sichtbaren und nahen Infrarot-Wellenlängenbereich sein. Es soll 2024 auf dem 3.060 m hohen Cerro Amazones in der chilenischen Atacama-Wüste in Betrieb gehen.

„Eine der wichtigsten Aufgaben des Teleskops ist es, Erkenntnisse über Exo-Planeten zu liefern, d. h. von Planeten, die außerhalb unseres Sonnensystems liegen“, sagt Stefan Ströbele, Systemingenieur und Projektleiter der ESO. Für die Bildgebung und Analyse der atmosphärischen Zusammensetzung werden eine hochsensible Kamera und ein Spektrograph benötigt. Das XAO-Spiegel-System wird Bestandteil eines adaptiven Optiksystems sein, das Wellenfrontstörungen auszugleicht, die durch optische Turbulenzen in der Erdatmosphäre entstehen. Diese sogenannten Aberrationen sollen in Echtzeit gemessen, verarbeitet und in entsprechende Korrektursignale für die im deformierbaren Spiegel eingebauten Piezoaktoren umgerechnet werden.

Die korrigierten Bildinformationen erlauben eine Beobachtung von feinsten Details an lichtschwächeren Himmelsobjekten mit einer bisher nicht erreichten Auflösung im Vergleich zu aktuell betriebenen erdgebundenen Teleskopen.

Um die Anforderungen dieses Projekts an die einzelnen Komponenten zu erfüllen, das weit über den heutigen Stand der Technik hinaus geht, führt Physik Instrumente (PI) seine langjährige Erfahrung in der Piezotechnologie mit den Kompetenzen des Fraunhofer IOF in der Entwicklung adaptiver Optiken zusammen.

Unter Federführung des Jenaer Fraunhofer-Instituts soll ein Array aus bis zu 11.000 diskreten Piezoaktoren zu einem Gesamtsystem aufgebaut werden. Der Schwerpunkt der geplanten Arbeiten liegt in der erforderlichen Technologieentwicklung zum Aufbau des komplexen Systems.

PICMA-Multilayeraktoren sind Piezoaktoren, deren aktive Schichten aus dünnen keramischen Folien bestehen. Außerdem ist die aktive Piezokeramik von einer vollständig keramischen Isolierschicht umgeben, die die Aktoren vor Luftfeuchtigkeit und gegen Ausfälle durch erhöhten Leckstrom schützt. Der monolithische Piezokeramikblock eines PICMA-Aktors erreicht selbst unter extremen Umgebungsbedingungen eine besonders hohe Zuverlässigkeit und erhöht auf diese Weise die Lebensdauer um mehrere Größenordnungen. Diese Eigenschaften machen den Multilayeraktor zu einem idealen Bauteil, um die hohen Qualitätsansprüche der ESO im E-ELT Projekt zu gewährleisten. (ud)

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