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Robocup German Open Humanoide Roboter beweisen ihr Fußballtalent

| Redakteur: Katharina Juschkat

Roboterteams aus aller Welt spielten in Magdeburg auf der Robocup German Open um den Sieg – Bremen holt sich den Titel in der Standard Platform League zurück. Neue Regeln und bessere Roboter sorgten für spannende Spiele.

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Das Bremer Team B-Human holt sich bei der Robocup German Open den Titel in der Standard Platform League zurück.
Das Bremer Team B-Human holt sich bei der Robocup German Open den Titel in der Standard Platform League zurück.
(Bild: Shot on Goal / Shot on Goal / Jan Blumenkamp / CC BY-SA 4.0 / CC BY-SA 4.0)

In Magdeburg fand die zehnte Robocup German Open statt – die deutsche Meisterschaft im Roboterfußball. Unterteilt war der Wettkampf in verschiedene Junior und Major Ligen, über 40 internationale Teams von Hochschulen und Forschungseinrichtungen kämpften in sechs Major Ligen um den Sieg – am Start waren Fußball-, Service- und Rettungsroboter und Robotern für die Industrie in folgenden Major Ligen:

  • Standard Platform League
  • Humanoid Kid-Size League
  • Rescue Robot League
  • Robocup@Home
  • Logistics League
  • Robocup@Work

Gleiche Hardware, unterschiedliche Software

Bei der Major Liga „Standard Platform League“ besteht die Besonderheit darin, dass Fußball mit einer standardisierten Roboterplattform gespielt wird – eine Unterscheidung gibt es nur bei der verwendeten Software. Als Hardware kommt bei allen Teams der humaniode Roboter Nao von Softbank Robotics zum Einsatz.

Der Nao ist zwar nicht so flink wie ein echter Fußballspieler, eignet sich aber dennoch gut zum Kicken: Er verfügt über 25 angetriebene Gelenke, zwei Kameras im Kopf, um die Umgebung wahrzunehmen, Ultraschallsensoren in der Brust zum Entfernungsmessen und Gyroskope und Beschleunigungssensoren. Die Füße können mithilfe weiterer Sensoren den Boden- und Ballkontakt messen. Die Teams bestehen aus je fünf Naos, die auf einem 9 × 6 m² großen Spielfeld gegeneinander antreten und völlig autonom agieren. Untereinader können sich die Naos mit Wlan verständigen sowie die Schiedsrichterentscheidungen empfangen.

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Spannendes Finalspiel

Die Meisterschaft in der Standard Platform League bestritt zum neunten Mal erfolgreich B-Human, das Team der Universität Bremen und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). In der Vorrunde traf B-Human auf altbekannte und erfahrene Gegner, wie Berlin United von der Humboldt-Universität zu Berlin, die Nao Devils von der TU Dortmund sowie die Bembelbots von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Bremer Team konnte alle Spiele ohne Gegentor für sich entscheiden und mit einem Torverhältnis von 19:0 souverän ins Halbfinale einziehen.

Dort traf B-Human auf Runswift von der University of New South Wales in Sydney. In einem abwechslungsreichen Spiel mit Torwartparaden und Zweikämpfen zeigten beide Teams ihre Stärken. Doch auch wenn Runswift mit sehr präzisen Schüssen und einem schnellen Spiel brillierte, musste es sich am Ende mit einem 5:0 gegen B-Human geschlagen geben.

Im Finale spielte B-Human gegen den derzeit amtierenden Weltmeister, das Nao-Team der HTWK aus Leipzig. Die Bremer legten einen guten Start vor und gingen zur Halbzeit mit einem 2:0 in Führung. Aber die Leipziger blieben dran und konnten dank ihrer Stärke im Dribbeln nach längerem Rückstand sogar zum 3:3 ausgleichen. Erst 14 Sekunden vor Schluss, erzielte B-Human den entscheidenden Siegtreffer zum 4:3.

Das komplette Finalspiel:

Neue Regeln: Eckstöße, Freistöße und Torwartabstöße

Um sich den Regeln des menschlichen Fußballs weiter anzunähern, warteten auch in diesem Wettbewerb neue Herausforderungen auf die teilnehmenden Mannschaften. Nachdem im letzten Jahr Freistöße und Torwartabstöße eingeführt wurden, gehören jetzt auch Eckstöße zu den Standardsituationen in der Liga. Nach einem Schuss über die Seitenlinie erhält das gegnerische Team nun zudem einen „Einwurf“, bei dem es sich allerdings nicht um einen Wurf, sondern um einen Schuss, einen sogenannten „Kick-In“ handelt. Die neuen Regeln haben sich in Magdeburg erfolgreich etabliert. Etwaige Befürchtungen, dass diese das Spiel verlangsamen könnten – zuvor wurde der Ball einfach von den Schiedsrichtern wieder ins Feld zurückgelegt – bewahrheiteten sich nicht.

Mittlerweile haben sich die Fähigkeiten der Spitzenteams in vielen Bereichen nahezu angeglichen: Die Roboter laufen mit ähnlich hohen Geschwindigkeiten, erkennen den Ball zuverlässig über weite Strecken und berechnen ihre Positionen auf dem Feld mit großer Präzision. Das Besondere am Spiel von B-Human ist jedoch das komplexe und facettenreiche Zusammenspiel der Roboter. Mithilfe der neu entwickelten Software, welche die taktischen Ideen der Entwickler umsetzt, gelang es den Bremern auch dieses Mal wieder, den anderen Teams voraus zu sein. Der Sieg bei den Robocup German Open lässt die Mannschaft optimistisch auf die anstehende Weltmeisterschaft in Sydney blicken, die am 4. Juli angepfiffen wird. Bis dahin verfolgt das Team B-Human noch einige Forschungsziele, unter anderem im Bereich der Bildverarbeitung mit Hilfe von Methoden des Deep Learning.

Weitere Ergebnisse der anderen Ligen lassen sich auf der Seite der Robocup German Open einsehen.

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