Mit dem neuen Humanoid Robots Experience Lab bietet das Fraunhofer IOSB an drei Standorten Zugang zu humanoider Robotik. Unternehmen und Organisationen können dort Einsatzszenarien erproben, technische Grenzen bewerten und Pilotanwendungen entwickeln.
Das Humanoid Robots Experience Lab des Fraunhofer IOSB ermöglicht Unternehmen und Organisationen die praxisnahe Erprobung humanoider Robotik.
(Bild: Fraunhofer IOSB)
Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB hat das Humanoid Robots Experience Lab an seinen Standorten in Karlsruhe, Lemgo und Ilmenau eröffnet. Anwender aus Industrie, kleinen und mittleren Unternehmen, Handwerk, Landwirtschaft, Kommunen sowie dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich können dort humanoide Roboter kennenlernen, mögliche Einsatzszenarien untersuchen und konkrete Anwendungsfälle entwickeln. Im Mittelpunkt stehen technische Potenziale und Grenzen, Sicherheitsfragen sowie die Übertragung in Pilotanwendungen.
Vom Anwendungsszenario zur Pilotanwendung
Humanoide Roboter stehen derzeit stark im Fokus. Sie könnten künftig dort eingesetzt werden, wo die vorhandene Infrastruktur auf Menschen ausgelegt ist und klassische Automatisierung an Grenzen stößt. Mögliche Anwendungsfelder sind variable Produktionsumgebungen, Inspektions- und Assistenzaufgaben, Landwirtschaft, kommunale Anwendungen sowie kritische Infrastrukturen und sicherheitsrelevante Einsatzbereiche. Ob und unter welchen Bedingungen daraus ein praktischer Mehrwert entsteht, lässt sich jedoch nur anhand konkreter Szenarien bewerten.
„Bei humanoiden Robotern geht es um mehr, als Maschinen auf zwei Beine zu stellen“, sagt Jürgen Beyerer, Institutsleiter des Fraunhofer IOSB. Entscheidend sei die Frage, wie Künstliche Intelligenz in nicht vollständig vorbereiteten Umgebungen handeln und mit Menschen zusammenarbeiten könne. Das Fraunhofer IOSB beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit vielen Jahren mit KI-basierter Robotik, Sensordatenauswertung, semantischem Umweltverständnis, Autonomie und Assistenz in komplexen Situationen. Das neue Lab soll diese Themen anwendungsnah erfahrbar und systematisch erprobbar machen.
Plattform für Erprobung und Technologietransfer
Das Lab dient als standortübergreifende Plattform für Erprobung, Demonstration und Technologietransfer. Interessierte Organisationen können humanoide Robotik anhand konkreter Demonstrationen kennenlernen, mögliche Einsatzszenarien diskutieren und gemeinsam mit Fachleuten aus Robotik, KI, Sensorik, Automatisierung und Mensch-Maschine-Interaktion erste Schritte in Richtung einer Pilotanwendung entwickeln.
Das Angebot reicht von der ersten Bewertung der Technologie über die Analyse von Machbarkeit, Sicherheitsanforderungen und Integrationsaufwand bis zur Entwicklung von Anwendungsfällen und Roadmaps. Das Fraunhofer IOSB verbindet dabei Kompetenzen in Robotik, künstlicher Intelligenz, Sensorik und Automatisierung mit Erfahrungen aus verschiedenen Anwendungsfeldern. Dazu zählen die industrielle Produktion, Agrartechnik, kommunale Daseinsvorsorge, zivile Sicherheit, kritische Infrastrukturen und Verteidigung.
Ein Schwerpunkt liegt auf der verlässlichen Autonomie humanoider Roboter. Die Systeme sollen ihre Umgebung erfassen, Situationen einordnen, Handlungsoptionen planen und mit Menschen sowie anderen Robotern zusammenarbeiten können. Auch bei unvollständigen Informationen und wechselnden Bedingungen müssen ihre Aktionen sicher, nachvollziehbar und beherrschbar bleiben. Das Lab bietet dafür eine Umgebung, in der entsprechende Fähigkeiten anwendungsnah untersucht und mit Partnern weiterentwickelt werden können.
Unterschiedliche Schwerpunkte an drei Standorten
In Karlsruhe stehen unstrukturierte, sicherheitskritische und menschenzentrierte Umgebungen im Mittelpunkt. Mögliche Einsatzfelder sind Verteidigung, zivile Sicherheit, Katastrophenschutz und Bauwesen. Untersucht werden unter anderem Erkundungs-, Aufklärungs-, Manipulations-, Inspektions- und Unterstützungsaufgaben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf heterogenen Roboterteams und ihrer Zusammenarbeit mit Menschen.
Die drei Standorte des Humanoid Robots Experience Lab setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Karlsruhe fokussiert sicherheitskritische Umgebungen, Lemgo industrielle Automation und Ilmenau Landwirtschaft, kommunale Anwendungen sowie kritische Infrastrukturen.
(Bild: Fraunhofer IOSB)
Am Standort Lemgo geht es um humanoide Robotik für die industrielle Automation. In produktionsnahen Umgebungen werden Manipulations- und Handlingaufgaben untersucht. Dabei können humanoide Roboter ihre Mobilität, Vielseitigkeit sowie ihre menschenähnlichen Interaktions- und Greiffähigkeiten nutzen. Zu den Schwerpunkten gehören Human-in-the-Loop-Ansätze und die Übertragung der Ergebnisse in die industrielle Praxis.
Das Lab in Ilmenau befasst sich mit Assistenz-, Inspektions- und Manipulationsaufgaben in komplexen realen Umgebungen. Im Fokus stehen Anwendungen in der Landwirtschaft, der kommunalen Daseinsvorsorge und bei kritischen Infrastrukturen. Dazu gehören die Vernetzung mit Sensor-, Infrastruktur- und Leitstellensystemen sowie simulationsgestützte Entwicklung und der Transfer von Simulationen in reale Anwendungen.
Stand: 08.12.2025
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Eigene Fragestellungen einbringen
Organisationen können eigene Fragestellungen einbringen und gemeinsam mit den Forschenden untersuchen. Dazu gehören mögliche Einsatzfelder, noch fehlende Fähigkeiten, Sicherheitsanforderungen und die Vorbereitung eines ersten Pilotversuchs. Auch die Rolle des Menschen bei der Zusammenarbeit mit humanoiden Robotern ist Teil der Betrachtung.
Das Lab wird im Rahmen geplanter Opening Events vorgestellt. Den Auftakt bildet Lemgo am 23. September 2026.