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Interview Im Markt bewegen– und zwar mit System

| Autor: Karin Pfeiffer

Automatisierung ohne Antriebstechnik? Wohl kaum. Patrick Stöber, Geschäftsführer von Stöber Antriebstechnik skizziert Markttrends und technologische Entwicklungen.

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Kooperationen sind für Patrick Stöber, Geschäftsführer von Stöber Antriebstechnik, ein Weg, neue Technologien und Produktentwicklungen zu realisieren.
Kooperationen sind für Patrick Stöber, Geschäftsführer von Stöber Antriebstechnik, ein Weg, neue Technologien und Produktentwicklungen zu realisieren.
(Bild: Karin Pfeiffer)

Industrie 4.0, IoT, Smart Factory – welche Trends kristallisieren sich hier für Sie in der Antriebstechnik heraus?

Was den Markt in den vergangenen Jahren stark geprägt hat, sind die steigende Komplexität der Produkte und der Fachkräftemangel. Ein Maschinenbauer hat also immer weniger Personal, um sich um die ureigenen Themen wirklich selbst im Detail zu kümmern. Ein mittelständischer Maschinenbauer hat vielleicht eine tolle Idee für eine Maschine, aber inhouse keinen, der die komplette Bewegung darstellen kann.

Der Trend geht bei unseren Kunden – und übrigens auch bei uns – dahin, nicht mehr alles alleine zu machen. Und das verändert die Automatisierungsbranche in mehrerlei Hinsicht. Denn damit bilden sich neue Strukturen, die auch auf technologische Entwicklungen wirken.

Das klingt nach einem frischen Blick auf den Markt, mündet Ihre Offenheit für Kooperationen schon in konkreten Lösungen?

Unsere Zusammenarbeit mit Pilz ist ein gutes Beispiel für eine solche Vernetzung von Kapazitäten und Know-how. Wir haben den Antriebsregler SD6 entwickelt und mit Pilz gemeinsam das Sicherheitsmodul SE6 integriert. Pilz ist ein Synonym für Sicherheitstechnik, wir beherrschen die Antriebstechnik. Und unsere gebündelte Kompetenz steckt nun in unserem leistungsstarken Antriebsregler SD6, der eine große Vielfalt an Sicherheitsfunktionen bietet. Ich könnte mir auch vorstellen, mit Wettbewerbern zu kooperieren.

Und welche Themen bewegt die Antriebstechnik noch ganz „klassisch“ in der Automatisierung?

Energieeffizienz spielt ganz klar eine Rolle. Das zeigt sich in einem Wandel von Hydraulik hin zur elektrischen Antriebstechnik, die energieeffizienter handhabbar ist.

Technologisch galt früher immer: kleiner, leiser und kompakter. Und jetzt?

In der klassischen Industrie sehe ich „kleiner“ nicht mehr unbedingt. Mit dem Thema Energieeffizienz werden die Antriebe eher wieder größer. Sprich: Ich muss in einen Asynchronmotor mehr Kupfer reinbringen, um einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen. Deshalb geht der Trend hin zum Servomotor, der zwar noch etwas teurer ist, aber heute schon deutlich kleiner. Energieeffizienz ist ein Treiber in der Automatisierung. Höhere Wirkungsgrade wie bei Servomotoren sind einfach ressourcenschonender. Das halte ich für einen wichtigen Trend auch in der Automatisierung und speziell in der Antriebstechnik.

Wohin möchte sich Stöber mit der Antriebstechnik entwickeln?

Traditionell kommen wir bekanntlich aus der Getriebetechnik. Über die elektromechanische Antriebstechnik bis hin zu Steuerungslösungen und der gesamten Elektronik haben wir uns immer weiter in Richtung Bewegungssysteme entwickelt, wobei die Betonung auf Systeme liegt.

Wir beherrschen alle Komponenten einer Bewegung und positionieren uns nun, um komplette Bewegungslösungen von Maschinen und Anlagen zu realisieren. Keine einfachen Bewegungen. Bewegungen mit einer gewissen Präzision und Dynamik.

Bewegungslösung hört sich geschmeidig an. Gibt es da keine Einschränkungen? Etwas, das Sie technologisch vielleicht noch nicht können?

Ich sag immer: The sky is the limit. Eigentlich gibt’s keine Begrenzung. Was die Bewegung angeht, glaube ich, können wir technisch alles. Natürlich fehlt es uns noch etwas an Kapazitäten. Wir brauchen mehr Applikateure, die den Anspruch und die Beratung einer Bewegungslösung wirklich ganzheitlich umsetzen können. Ganzheitlich, darin steckt auch der Ansatz für Zukunftsthemen wie Predictive Maintenance oder Edge Computing in einer Smart Factory, wo jede Bewegung viele Daten digital liefern kann. Hier wollen wir mehr für die Prozessleitebene liefern, wo die Daten eine Rolle spielen und smarte Fabriken am Laufen gehalten werden.

Dabei können sich auch neue Geschäftsmodelle entwickeln. Hier greifen jedoch unterschiedlichste Technologien, da brauchen wir Kompetenzen, etwa auch im Bereich KI. Und da handeln wir, Stichwort Kooperationen.

Zielen Sie auf Geschäftsmodelle mit digitalen Daten?

Wir überlegen, wie und ob wir bei dem Datenthema überhaupt mitspielen können – und wollen. Aber klar, in den Daten stecken viele Möglichkeiten, schon jetzt, wie Condition Monitoring als ein Beispiel zeigt. Es liegt auch an uns, mit unserem Know-how Grundlagen zu schaffen.

Das ermöglicht erst smarte Applikationen. Das schafft Optionen für Mehrwert. Grundlage dafür bleibt aber unsere Kompetenz, Maschinenbewegungen ganzheitlich und passgenau bei kompromissloser Qualität zu realisieren.

Welche Vorstellungen haben Maschinen- und Anlagenbauer?

Noch erhalten wir relativ wenige Anforderungen rund um Daten-Modelle. Ich glaube aber, dass dies im Zuge der Digitalisierung ein großes Thema wird. Es geht immer mehr in die Richtung, dass man Dinge ausprobieren muss. Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen.

Sehen Sie Branchen, in denen mehr Dynamik drin ist auf dem Weg hin zur Smart Factory als in anderen?

Branchen weniger, eher regional. Unsere US-amerikanischen Kunden, die drücken wie verrückt bei dem Thema. Eins ist überall klar: In der Automatisierung brauche ich immer irgendeine Bewegung. Und dazu brauch ich die Antriebstechnik.

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin