Lapp Kabel Im Schulterschluss mit den Erneuerbaren auf der Sonnenseite

Redakteur: Wolfgang Leppert

Mit hoch spezialisierten Produkten und Serviceleistungen hat sich die Stuttgarter Lapp-Gruppe am Markt der erneuerbaren Energien ein hohes Renommee erworben. So wurde auch die größte europäische Bioerdgasanlage im oberpfälzerischen Schwandorf fast ausschließlich mit Lapp-Produkten verkabelt. Und mit entsprechend hohen Entwicklungsaktivitäten will das Unternehmen auch weiterhin am Aufschwung dieser Zukunftsbranche teilhaben.

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Rund 10 Megawatt Produktionsleistung erbringt Europas größte Bioerdgasanlage im bayerischen Schwandorf
Rund 10 Megawatt Produktionsleistung erbringt Europas größte Bioerdgasanlage im bayerischen Schwandorf
( Archiv: Vogel Business Media )

Erneuerbare Energien haben ihren Steigflug gerade erst begonnen. Allein in Deutschland summierte sich ihr Umsatzvolumen 2008 auf stolze 28,7 Mrd. Euro (vgl. Chart in der Bildergalerie), was die CO2-Emissionen um 112 Mio. Tonnen verringerte — macht etwa 14 Prozent der Gesamtemissionen. Ihr Anteil am Stromverbrauch erhöhte sich um fast 15 Prozent und am gesamten Endenergieverbrauch (Strom, Wärme und Kraftstoffe) um fast zehn Prozent; beide Werte will die Bundesregierung bis 2020 verdoppelt wissen. Dabei liegt das eigentliche Potenzial der erneuerbaren Energien in ihrer Bandbreite und Vielfalt, weiß Dr. Ludger Eltrop vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart (IER). Und ihre Zukunft sei geprägt durch eher kleinere, dezentrale und vernetzte Anlagen sowie die Kombination verschiedener Anlagen und Energieträger.

Auch Biomasse liefert hier einen wichtigen Beitrag für die Energieversorgung, mit einem „nachhaltigen Potenzial“ von etwa 20 Prozent, so Dr. Eltrop — wobei die gasförmigen Energieträger, also Biogas und thermochemisch erzeugtes Gas technologisch am interessantesten wären: „Sie sind flexibel einsetzbar und können in Kraftwerken effizient und umweltschonend genutzt werden.“ Die größte Bioerdgasanlage Europas wiederum arbeitet in Schwandorf in der Oberpfalz und gehört Schmack Biogas. Der Erbauer und Betreiber der im Februar 2008 eröffneten Anlage reinigt dort das Rohbiogas so auf, dass es mit gleicher Qualität wie Erdgas ins Erdgasnetz von E.ON Bayern eingespeist werden kann. Pro Jahr verarbeitet die Anlage gut 80.000 Tonnen Mais, Gras und andere Zwischenfrüchte von über 200 örtlichen Landwirten zu etwa 16 Mio. Kubikmetern Biogas. Das reicht zur Energieversorgung von zirka 5000 Haushalten.

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Ein komplettes Kabel-Portfolio für unterschiedlichste Aufgaben aus einer Hand

Ein für die Funktion der Anlage ganz zentrales Element ist die Verkabelung. In Schwandorf wurden hierfür fast ausschließlich Produkte der Stuttgarter Lapp-Gruppe verwendet, wobei man insgesamt rund zehn Kilometer Leitungen verbaut hat. „Um fehleranfällige Klemmstellen zu vermeiden, haben wir die Kabel in einer Länge verlegt und dabei durch unterschiedliche Bereiche gezogen“, erklärt Josef Bleyer, Elektromeister bei Schmack Biogas. „Deshalb muss der Außenmantel entsprechend der verschiedenen Verhältnisse hohen Anforderungen entsprechen.“ Die Steuer-, Leistungs- und Versorgungskabel wurden getrennt in einem Kabelgraben in der Erde zum Technikraum und zum Schaltschrank verlegt. Bei den Rührwerken und Messstellen liegen die Leitungen dagegen offen und müssen Witterungsbedingungen wie Eis und Schnee sowie UV-Einstrahlung standhalten.

Josef Bleyer, Schmack Biogas: „Wir haben die Kabelvielfalt weitgehend reduziert, benötigen zwar unterschiedliche Kabelarten, verwenden aber fast nur noch einen Kabeltyp.“ (Archiv: Vogel Business Media)

Zwischen den einzelnen Anlagenteilen wurden die Leitungen in getrennten Kabelrinnen verlegt. Für diese feste Verlegung — auch für direkte Erdverlegung — kommt der Typ Ölflex Classic 110 Black zum Einsatz; er ist flammwidrig sowie UV- und witterungsbeständig. Den gleichen Typ verwendete man auch am Beschicker, der sich beim Befüllen und Entleeren bewegt, am Separator, der betriebsbedingt vibriert sowie in Bereichen, wo durch möglichen Gasaustritt eine chemische Beständigkeit erforderlich ist. Im Güllebehälter selbst wiederum bewegen ganz spezielle Leitungen des Typs Ölflex Robust das Tauchmotorrührwerk. Sie sind mechanisch und chemisch besonders beständig — gerade auch gegen Öle, Fette, Wachse auf pflanzlicher, tierischer oder synthetischer Basis oder deren Emulsionen sowie bei Temperaturen im Güllebehälter von rund 40 Grad.

Für die Verkabelung der Schalter, Steckdosen und Lampen verwendete Schmack NYM-Leitungen sowie NYY-Erdkabel für die Versorgungsleitungen im oberen Querschnittbereich (120 bis 240 mm²). Bei der Datenübertragung wurden dagegen die Profibusleitungen Unitronic Bus L2/Yv und die Datenleitung Unitronic Li2YCYv (TP) bevorzugt.

Eine emanzipierte Wachstumsbranche mit ganz speziellen Bedürfnissen

Insgesamt offeriert Lapp nun seit 2001 ein spezielles Produktprogramm für den Markt der erneuerbaren Energien, der Umsatzanteil stieg seither auf inzwischen über zehn Prozent. Das Erfolgsrezept dabei klingt eigentlich ganz einfach: „Die Erwartungen der Anwender müssen erfüllt werden.“ Geschäftsführer Armin Heß weiß aber auch wie diffizil es sein kann, die unterschiedlichen Wünsche etwa von Monteuren, Technikern und Kaufleuten unter einen Hut zu bringen. Und: „Erneuerbare Energien sind heute eine emanzipierte Branche, die ihre besonderen Erwartungen auch formuliert und fordert.“ Diese seinen zudem von Sparte zu Sparte sehr unterschiedlich.

Lapp-Geschäftsführer Armin Heß: „Erneuerbare Energien befinden sich in einer Aufschwungphase mit steigenden Auftragsbeständen und zunehmender Produktion.“ (Archiv: Vogel Business Media)

Dem folgend gibt es beispielsweise für die Windenergie mit Ölflex Fortis ein neues, absolut witterungsbeständiges Kabel für Temperaturen zwischen —55 und +105°C. Die Wind-Leitung ist UL/CSA-gelistet, erfüllt bereits die neue UL 6140 Outline, ist zudem erhöht ölbeständig, hoch flammwidrig, torsionsbeständig und eignet sich für die freie Verlegung. Damit reicht ein einziges Kabel für Windenergie-Anwendungen bei unterschiedlichsten Bedingungen auf der ganzen Welt. Eine Neuentwicklung für die Photovoltaik ist die elektronenstrahlvernetzte Ölflex Solar XLR. Bei dieser aus der Raumfahrt stammenden Technologie werden die Copolymer-Moleküle dazu gebracht, sich untereinander zu vernetzen, was dem Material eine hohe thermische und mechanische Belastbarkeit gibt.

Schweizer Tüftler sorgen für sprechende Produkte

Innovationen dieser und anderer Art haben letztlich ihren Ursprung bei Lapp Engineering im schweizerischen Cham am Zugersee. Dort hat das Unternehmen seit 2004 das Patentmanagement sowie seit gut einem Jahr auch die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten konzentriert. Den Schweizer Forschern ist es u.a. gelungen, winzige, intelligente RFID-Tags in Kabel oder Steckverbinder einzupflanzen, die mit entsprechender Sensorik wichtige Anwendungsinformationen wie etwa Feuchtigkeit, Druck oder Temperatur liefern. „Wir sind heute als weltweit einziger Anbieter in der Lage, unsere Produkte genau nach Kundenwunsch zum Sprechen zu bringen“, berichtet Vorstand Siegbert Lapp. Rund 25 Mio. Euro investieren die Stuttgarter in ihre F&E-Aktivitäten, etwa 200 Mitarbeiter sind weltweit damit beschäftigt.

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