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Antriebstechnik Kübler erreicht Etappenziel im Innovationsmarathon

| Redakteur: Karin Pfeiffer

Als Marktführer einige wachstumsstarke Marktsegmente besetzen, dabei einen Innovationsmarathon hinlegen und die 100-Mio-Umsatzmarke erreichen: Kübler liegt über Plan und kommt seinen hoch gesteckten Zielen ein gutes Stück näher.

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Einige Jahre stand nicht so sehr die Renditeorientierung im Fokus der Brüder Lothar (l.) und Gebhard Kübler, sondern die Investitionen in die Innovationsfähigkeit. Jetzt erntet die Strategie Früchte.
Einige Jahre stand nicht so sehr die Renditeorientierung im Fokus der Brüder Lothar (l.) und Gebhard Kübler, sondern die Investitionen in die Innovationsfähigkeit. Jetzt erntet die Strategie Früchte.
(Bild: Karin Pfeiffer/elektrotechnik)

„Unsere Vision ist, in bestimmten Branchen-Segmenten jeweils Marktführer zu werden“, erklärte Gebhard Kübler gemeinsam mit seinem Bruder Lothar Kübler auf der Jahres-Pressekonferenz am Hauptsitz in Villingen-Schwenningen. Hinter dem erklärten Ziel steckt ein Innovationsmarathon, den die beiden Gesellschafter und Geschäftsführer der Kübler Gruppe vor einigen Jahren eingeleitet haben – und der inzwischen zu konkreten Erfolgen führt. So verzeichnet die Kübler Gruppe im aktuellen Geschäftsjahr über Budget liegende Umsatz- und Auftragseingangserfolge und wächst zweistellig.

Das Umsatzziel in der Gruppe von 66 Mio. Euro im Jahr 2018, davon 70 % im Ausland, sollte erreicht werden, kündigten die Geschäftsführer an. Als wesentliche Wachstumstreiber nannten die Kübler-Brüder neben Deutschland (+10 %) vor allem den EU-Raum (+14 %), China (+30 %), Indien (+25 %) und USA (+22 %). Für 2022 peilt Kübler ein Umsatzziel von 100 Mio. Euro an.

Weitere aktuelle Eckdaten: Die Kübler Gruppe beschäftigt mittlerweile knapp 480 Mitarbeiter weltweit, davon fast 380 in Deutschland. Kübler vertreibt seine Produkte über elf globale Gruppenmitglieder sowie über Partner und Vertretungen in über 50 Ländern. Dabei ist immer auch ein entsprechendes Applikations- und Serviceteam vor Ort, da viele Kunden heute global mit Kübler als OEM-Lieferant oder im Projektgeschäft zusammenarbeiten.

Zurzeit werden bei Kübler mehrere neue Marktsegmente mit innovativen sowie wachstumsstarken Produktinnovationen besetzt, was die Grundlage für ein nachhaltiges weiteres Wachstum festigen soll. Dafür hat das Unternehmen, das derzeit auf seine Standbeine der Positions- und Bewegungssensorik (lagerlose und gelagerte Drehgeber, lineare Sensorik), Schleifringen und Zähler- Prozesstechnik setzt, in den vergangenen Jahren seinen Anteil R&D-Mitarbeiter von 12 % auf 16% ausgebaut. Die Geschäftsführer erklärten, dass dies Teil des Kübler Innovationsmarathons sei. Es gehe darum, wachstumsstarke neue Marktsegmente mit Produktinnovationen zu besetzen, die Markenbotschaft über Drehgeber hinaus deutlich zu erweitern und den Fortschritt des Kunden in Projekten gemeinsam zu gestalten. „Als unabhängiges Unternehmen mit einem Eigenkapital von fast 80 Prozent können wir unsere eigenen Entscheidungen treffen und auch mal auf einige Prozentpunkte EBIT verzichten, um damit die Grundlagen für die Zukunft zu festigen“, so Gebhard Kübler.

R&D-Projekte treiben Geschäftsstrategie voran

Teil des Innovationmarathons sind große R&D-Projekte. Dazu gehört ein neues sicheres Aufzugspositioniersystem für die wachsende internationale Aufzugsindustrie, in der die neue DIN-81-20/50 Technologien für die sichere Schachtkopierung erforderlich macht.

Das Aufzugspositioniersystem soll Kübler zufolge klassische Magnetschalter komplett überflüssig machen und die Montage in einem Aufzugsschacht beschleunigen. Das Hauptinteresse lotet Kübler hier sowohl im großen chinesische Aufzugsmarkt als auch bei vielen Aufzugsherstellern in Europa und in Amerika aus.

Zum Innovationsmarathon zählt Kübler zudem Schleifringe für die Segmente Abfülltechnik, Verpackung, Mobile Maschinen und andere. Die neuen Schleifringe stammen aus einem Technologiebaukasten, können rasch in Kundenprojekten adaptiert werden und erlauben Ethernet-Übertragungen bis 100 MBit/s und hohe Ströme.

Ein weiterer Teil des Innovationsmarathons sind Motor Feedback Drehgeber für Servomotoren. Dabei setzt Kübler zum einen auf klassische Schnittschnellen, die am Markt etabliert sind, als auch auf neue offene Single Cable Schnittstellen, die Kübler gemeinsam mit Marktbegleitern ins Leben gerufen hat. Dazu zählen unter anderem SCS Open Link und Biss Line.

Zu den großen Investitionen in R&D gehören zudem neue smarte magnetische lagerlose Sensoren für die Antriebstechnik (Sensorintegration in smarte Motoren), Generatoren oder die Windindustrie. Für dieses neue Segment wurde eigens ein ganzes Team von Entwicklungsingenieuren in Berlin eingestellt, das eng mit dem Headquarter Kundenprojekte umsetzt und neue Katalogprodukte vorbereitet. Die lagerlosen Drehgeber messen nicht nur aktuelle Signale, sondern auch Zustände eines Antriebs z.B. hinsichtlich seiner Alterung, erlauben also Condition Monitoring. Das Interesse stuft Kübler weltweit als sehr hoch ein. Kübler investiert auch in entsprechende Magnetisierungstechnologien und fertigt zu einem erheblichen Teil die Wertschöpfungskette selbst. Die smarten Sensoren sorgen zudem dafür, dass Ungenauigkeiten bei der Magnetisierung oder bei der Welle durch intelligente FPGA-basierte Kompensation eliminiert werden und eine Signalgüte, ähnlich eines optischen Gebers, erzeugt werden kann.

Gefertigt wird am Stammsitz in Villingen-Schwenningen sowie an drei weiteren Standorten. Schleifringe werden in Otterfing nahe München gefertigt. Darüber hinaus gibt es ein Produktionswerk in Pune, Indien und ein Montagewerk in Charlotte, USA. Letzteres trägt deutlich zum derzeitigen Erfolg des Unternehmens in Nordamerika bei. Trotz des schwierigen politischen Umfeldes und des Protektionismus ist dies ein sehr wachstumsstarker Markt. Die lokale Fertigung werde von den Kunden sehr gut angenommen.

Damit die Ziele erreicht werden, setzen die beiden Unternehmer auf attraktive und sinnstiftende Arbeitsplätze sowie eine gezielte Mitarbeiterentwicklung und Weiterbildung. Im Unternehmen werde neben Werten wie Eigenverantwortung vor allem das Prozessdenken und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit verlangt und gefördert. Des sogenannten Kübler Produktionssystem und das darauf basierende Wertschöpfungssystem nach Kaizen-Prinzipien sorgen für Transparenz und kurze Durchlaufzeiten, ein Grundziel der bei Kübler gelebten Kaizen-Kultur.

Vor Kurzem hat das Unternehmen eine spezielle Kübler-App namens „MyKübler“ eingeführt, über die die Mitarbeiter alle notwendigen Informationen erhalten. Ebenso neu ist eine Kübler-Kreditkarte für jeden Mitarbeiter und eine firmenweite Berufsunfähigkeitsversicherung, die jeder Mitarbeiter ohne Gesundheitsprüfung erhält. Die Unternehmer freuen sich in diesem Zusammenhang auch über die inzwischen dritte Auszeichnung in Folge als TOP Arbeitgeber und der inzwischen auch zum zweiten Mal verliehene Auszeichnung zum TOP Innovator. „Dies gibt uns vor allem neuen Input für weitere Verbesserung und zeigt, dass Arbeitsplatzattraktivität nicht nur eine leere Floskel ist, sondern aktiv und strukturiert verfolgt wird“, so die Geschäftsführer.

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