Saia-Burgess Controls Neue EU-Richtlinie vereinfacht Zertifizierung von Messinstrumenten

Redakteur: Ines Stotz

Die MID ist eine vom Europäischen Parlament herausgegebene Richtlinie, die grundlegende sowie messgerätespezifische Anforderungen für bestimmte Gerätegruppen spezifiziert und dem Hersteller die Verantwortung für das erstmalige Inverkehrbringen der Messgeräte zuweist. Damit wird die Ersteichung in staatlich anerkannten Prüfstellen durch Konformitätserklärungen des Herstellers ersetzt. Frank Braunroth, Marketing bei Saia-Burgess Controls — einer der ersten Hersteller, der nach der neuen Richtlinie fertigt — beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Herr Braunroth, welche Änderungen bringt die neue Measurement-Instrument-Directive-Richtlinie, kurz MID?

Bisher war das Eichrecht national geregelt. So durfte in der Regel ein eichpflichtiges Gerät erst dann in Verkehr gebracht werden, nachdem das Baumuster die nationale Zulassung erhalten hat. In Deutschland beispielsweise durch die PTB — Physikalisch-Technische-Bundesanstalt. Die Eichung erfolgte durch die Eichbehörden der Bundesländer oder in einer staatlich anerkannten Prüfstelle. Die Geräte wurden mit einer Eichmarke versehen und konnten nun zu Abrechnungszwecken eingesetzt werden. Die MID verfolgt die Grundsätze der EU, in welcher der grenzüberschreitende Handel mit der Harmonisierung der Anforderung und gegenseitige Anerkennung der Konformitätsbescheinigung eine grundsätzliche Erleichterung darstellt. Das Konzept der MID ist das Regeln des Inverkehrbringens bis zur Inbetriebnahme von Messgeräten. Ein MID-konformes Gerät lässt sich nun in jedem EU-Land einsetzen.

Wie läuft die Prüfung der Geräte ab?

Die Konformitätsbewertung eines Messgerätes erfolgt nach einem vom Hersteller gewählten Verfahren. Die Bewertungskriterien sind unterteilt in Entwicklungsstufen, Art der Bewertung und der bewerteten Stelle. Für Wirkleistungs-Elektro-Energiezähler können die Hersteller zwischen den Modulen B + F, B + D oder Modul H1 wählen. Saia-Burgess beispielsweise hat die Module B + D - Modul B= Baumusterprüfung; Modul D= Qualitätsabsicherung für die Produktion - gewählt. Die benannte Stelle für die Durchführung der Konformitätsprüfung ist METAS, das Schweizerische Bundesamt für Metrologie.

Was heißt das für die Baumusterprüfung?

Die Baumusterprüfung ist Teil eines Konformitäts-Bewertungsverfahrens beim Modul B. Die benannte Stelle prüft den technischen Entwurf des Messgerätes, stellt sicher und erklärt, dass der technische Entwurf den entsprechenden Anforderungen der MID-Richtlinie, die für das Messgerät gelten, entspricht. Mit der ‚Erklärung der Konformität mit der Bauart auf der Grundlage der Qualitätssicherung für die Produktion’ beim Modul D verpflichtet sich der Hersteller und stellt sicher, dass die Messgeräte der in der EG-Baumusterprüfbescheinigung beschriebenen Bauart entsprechen und die Anforderungen dieser Richtlinie erfüllt werden. Die Geräte können dann ohne eine zusätzliche Ersteichung in den Verkehr gebracht werden und entsprechen einer geeichten Ausführung.

Wie sind die Geräte gekennzeichnet?

Bisher konnte man anhand der Eichmarke einen geeichten Zähler erkennen. MID-konforme Geräte müssen mit CE gekennzeichnet sein. Zusätzlich ist der Buchstabe M mit den letzten beiden Ziffern des Herstellungsjahres in einem Rechteck eingerahmt und anschließend die Nummer der zuständigen Stelle für die Konformitätsprüfung anzubringen. Zudem müssen die Genauigkeitsklasse und die Messeinheit sowie die Seriennummer klar ersichtlich sein. Weitere Kennzeichnungen sind die technischen Angaben, Schema, Nummer der Prüfbescheinigung und bei elektronischen Zählern die Software. Zusätzlich ist bei jeder Lieferung von Energiezählern die Konformitätserklärung für das entsprechende EU-Land mitzuliefern. Bei Saia-Burgess ist die Konformitätserklärung in allen 23 EU-Sprachen in der Bedien- und Montageanleitung integriert.

Ist eine zusätzliche Eichung erforderlich?

Leider wird dies irrtümlich immer wieder behauptet. MID bedeutet, die Ersteichung entfällt! Eine zusätzliche Eichung beziehungsweise eine Eichmarke ist nicht mehr erforderlich.

Und wie wird dann die Nacheichung gehandhabt?

Die MID regelt nicht den Umgang der gesetzlichen Kontrolle, die Anforderungen nach dem Inverkehrbringen, wie zum Beispiel Nacheichung, und die Eichgültigkeitsdauer. Diese bleibt, wie bisher, bestehen. Für elektronische Zähler muss nach acht Jahren die Nacheichung durch eine Eichbehörde der Bundesländer oder eine staatlich anerkannte Prüfstelle erfolgen.

Haben sich auch Normen verändert?

Im Zusammenhang mit der MID wurden auch die Normen für die Energiezähler neu definiert. Hierbei ging es darum, die notwendigen EN-Normen so nahe wie möglich an die bestehenden IEC-Normen zu erstellen. Neu nach MID sind die Genauigkeitsklassen nach EN 50 470 mit Klasse A, Klasse B und Klasse C. Bisher waren das Genauigkeitsklassen nach IEC 62 053 mit Klasse 2, Klasse 1 und Klasse 0,5. Energiezähler von Saia-Burgess haben beispielsweise die Genauigkeitsklasse B, entspricht der Klasse 1 nach IEC. Auch die Terminologie für die Strombereiche und deren Fehlergrenze sind neu definiert worden. Für eine detaillierte Aufklärung stehen wir natürlich jederzeit zur Verfügung.

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