Nexans Schutz vor Flammen — die Mischung machts

Autor / Redakteur: Uwe Taeger / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Neben den elektrischen Eigenschaften einer Leitung ist die Schutzfunktion des Kabelmantels gegen mechanische, chemische und thermische Einwirkungen ein wichtiges Merkmal. Je nach Einsatzgebiet spielt auch die Sicherheit im Brandfall eine herausragende Rolle. Genau dafür haben die Kabelexperten von Nexans ein neues flammwidriges Mantelmaterial entwickelt.

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PUR-Medoxprotect-S von Nexans ist ein neues Mantelmaterial, das schwerer zu entflammen und selbstverlöschend ist
PUR-Medoxprotect-S von Nexans ist ein neues Mantelmaterial, das schwerer zu entflammen und selbstverlöschend ist
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Brandfall zählt jede Sekunde: je geringer die Energie- und Rauchentwicklung, desto größer sind die Rettungschancen. Deshalb haben die Kabelexperten von Nexans ein Mantelmaterial entwickelt, das den herkömmlichen Produkten in den mechanischen und chemischen Qualitäten ebenbürtig und bei der Flammwidrigkeit sogar deutlich überlegen ist. Das Mantelmaterial PUR-Medoxprotect-S ist halogenfrei und im Vergleich zu den gängigen Materialien schwerer zu entflammen und selbstverlöschend. Die REACH- und RoHS-konformen Leitungen aus dem neuen Material bestehen auch den sehr anspruchsvollen Cable-Flame-Test nach UL1581 (Underwriters Laboratories/USA – Zertifizierungsunternehmen für Produktsicherheit).

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Halogenfreies Mantelmaterial

Im Gegensatz zu konventionellen PVC-Kabeln enthält das neue Nexans-Kabel keines der unerwünschten Elemente Chlor oder Brom und Fluor. Dies bietet im Brandfall zahlreiche Vorteile, da bei halogenfreien Materialien deutlich weniger Rauch entsteht. Auch werden keine korrosiven Gase wie etwa bei brennenden PVC-Kabeln freigesetzt, die für Menschen und Gebäude schädlich sind. Dabei setzt PVC gefährlichen Chlorwasserstoff frei, der Augen und Atemwege reizt. Das freigesetzte Gas verbindet sich mit Feuchtigkeit oder Löschwasser zu Salzsäure und verursacht Korrosionsschäden an Maschinen, Industrierobotern, Gebäuden und elektrischen Einrichtungen.

Entwicklung, Herstellung und Erprobung: Das Nexans Research Center

Im Elektronenrastermikroskop: Die Oberfläche von PUR-Medoxprotect-S in 5000facher Vergrößerung (Archiv: Vogel Business Media)

Die vorerst für den Einsatz im Maschinenbau und für Fertigungseinrichtungen konzipierte Mantelmischung wurde im Nexans Research-Center Nürnberg entwickelt und hergestellt. In umfangreichen Prüfserien wurde die Beständigkeit des Materials gegenüber Ölen und Chemikalien, extremen Temperaturen und starker mechanischer Dauerbeanspruchung ermittelt, um es so für starke Beanspruchungen, wie sie etwa in Schleppketten auftreten, zu qualifizieren. Erster Einsatz findet im Werk Nürnberg statt. Dort ist man auf Leitungen für den Einsatz in der Industrieautomation, im Schienenverkehr und im Automobil spezialisiert.

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Geprüft auf Biegen, Strecken, Dehnen und Brennen

Unter der Projektleitung von Anette Lipp, Projektverantwortliche des Nexans Forschungslabors, entwickelten die Experten in Nürnberg nicht nur die neuartige Mantelmischung, sondern unterzogen sie auch den erforderlichen Festigkeits-, Dehnungs-, Alterungs- und Temperaturtests. Egal ob in der Rollbiegeprüfung oder in der Schleppkette – die Mantelmischung steht den herkömmlichen Materialien in nichts nach.

Eine Besonderheit: Neben gleichartigem Gleitverhalten und Medienbeständigkeit zeichnet sie sich auch durch deutlich verbesserte Eigenschaften bei Minusgraden gegenüber verbesserten konventionellen Polyurethan-Mischungen aus. Im Kälteschlag erreicht das Produkt -35 statt -30°C.

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