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Cybathlon

Schweizer Motoren bewegen Exoskelette weltweit

| Redakteur: Katharina Juschkat

74 Athleten aus 25 Ländern zeigen beim Cybathlon, wie ihnen Robotertechnik im Alltag hilft. Am ersten Cybathlon, dem bionische Kräftemessen in Zürich, präsentieren Forscher die weltweit besten Exoskelette, mit denen querschnittgelähmte Menschen wieder gehen können. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung haben Schweizer Motoren.

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Motoren von Maxon Motor helfen, Exoskelette, aber auch Arm- und Beinprothesen und elektrische Rollstühle anzutreiben und die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern.
Motoren von Maxon Motor helfen, Exoskelette, aber auch Arm- und Beinprothesen und elektrische Rollstühle anzutreiben und die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern.
(Bild: Maxon Motor )

Seit Monaten trainieren weltweit 74 Athleten aus 59 Teams intensiv, während die beteiligten Wissenschaftler und Unternehmen gemeinsam mit ihnen an den letzten Verfeinerungen der Technik feilen. Bis zum Wettkampf am 8. Oktober 2016 in der Swiss Arena Kloten in Zürich muss das Zusammenspiel von Technik und Anwender perfekt aufeinander abgestimmt sein. Im Gegensatz zu den paralympischen Spielen steht beim Cybathlon nicht die sportliche Höchstleistung, sondern die optimale Verbindung von alltagstauglichen robotischen Hilfsmittel und deren Anwender im Vordergrund.

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Entwickelt wird die Technik an einigen der weltweit renommiertesten technischen Hochschulen, wie dem Imperial College, der TU Delft oder dem Cybathlon-Veranstalter ETH Zürich, sowie von führenden kommerziellen Prothesenherstellern. Allein aus der Schweiz kommen sieben Teams.

Vom Mars-Rover ins Exoskelett

Roboteranzüge müssen kräftig und trotzdem sehr leicht sein. Denn ein zu hohes Gewicht leert die Batterie viel zu schnell. Das stellt für die Entwickler eine Herausforderung dar. Die meisten Motoren, die stark genug sind, um ein Exoskelett zu bewegen, sind groß und schwer. Deshalb wenden sich viele Ingenieure an das Schweizer Unternehmen, welches schon die Motoren für die Mars-Rover der NASA entwickelt hat: Maxon Motor. Die Antriebe von Maxon sind stark, leicht und energieeffizient, schonen also die Batterien. Und sie sind leise und langlebig.

„Über die Jahrzehnte haben wir unsere Motoren perfektioniert”, sagt der CEO von Maxon, Eugen Elmiger. Viel ist dafür in Forschung und Entwicklung investiert worden. Heute stecken die Motoren aus der Schweiz überall: in Robotern, Flugzeugen, Autos oder Medizingeräten. Und eben auch in Exoskeletten, Arm- und Beinprothese und elektrischen Rollstühlen.

Barrierefreie Zukunft durch Technik

Neben der Organisation eines spannenden internationalen Wettkampfes verfolgt die ETH Zürich mit dem Cybathlon zwei weitere Ziele. „Die Vorbereitungen zum Cybathlon haben uns allen die Augen für die Bedürfnisse von Menschen geöffnet, die körperlich eingeschränkt sind”, erläutert Initiator Robert Riener, Professor für Sensomotorische Systeme an der ETH Zürich und kommt zum Schluss: „Zu viele von uns wissen zu wenig über die ganz alltäglichen Probleme der Menschen mitten unter uns – das wollen wir ändern.”

Gleichzeitig möchte die ETH Zürich die Forschenden und Entwickler anspornen, an Technologien zu tüffteln, die ihren Anwendern im Alltag auch tatsächlich etwas nützen. So findet zum Auftakt des Cybathlons am 6. Oktober 2016 ein Symposium mit hochkarätigen Wissenschaftlern statt. Auch ist der Wettbewerb nicht als einmaliges Ereignis konzipiert. Künftige Cybathlons sollen weitere Themenfelder aufgreifen, beispielsweise wie ältere Menschen unterstützt werden können. Immer soll die Frage im Zentrum stehen, was Menschen mit körperlichen und sensorischen Einschränkungen wirklich bewegt.

Bei Paralympics verboten, beim Cybathlon ein Muss: der Einsatz modernster Technik

Bei den Cybathlon-Spielen treten die Teams aus der ganzen Welt mit ihren maschinenassistierten Piloten in sechs Disziplinen gegeneinander an: Beinprothesen, Armprothesen, Exoskelette, motorisierte Rollstühle, Fahrräder mit Muskelstimulation und virtuelle Rennen durch Gedankensteuerung. Was bei den Paralympics nicht erlaubt ist, ist beim Cybathlon sogar ein Muss: Der Einsatz modernster Technik. „Wir wollen mit dem Cybathlon Barrieren zwischen der Öffentlichkeit, Personen mit Behinderungen und der Wissenschaft abbauen”, sagt der Erfinder des Cybathlon Riener.

Der Schweizer Antriebspezialist Maxon Motor unterstützt den Cybathlon als Sponsor und Partner und wird vor Ort präsent sein – mit einer Werkstatt für die Teams und einer kleinen Ausstellung zur geschichtlichen Entwicklung von Prothesen. (kj)

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