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Elektrische Verbindungssysteme für die Bahnindustrie

Schwerlastlok mit Leitungen von Lapp

| Redakteur: Ines Stotz

Lokomotiven von Softronic schleppen am Polarkreis schwerste Lasten. Beim Bremsen speisen sie elektrische Energie zurück ins Netz. Voraussetzung ist eine verlässliche Elektrik. Die Kabel dafür kommen von Lapp.

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Kraft für 3000 Tonnen: Die Transmontana-Lokomotive von Softronic wird bald Eisenerz am Polarkreis in Schweden schleppen – mit Verbindungssystemen von Lapp.
Kraft für 3000 Tonnen: Die Transmontana-Lokomotive von Softronic wird bald Eisenerz am Polarkreis in Schweden schleppen – mit Verbindungssystemen von Lapp.
(Bild: Lapp)

3000 Tonnen – selbst für große Güterzuglokomotiven ist diese Anhängelast eine Herausforderung, normalerweise ziehen Loks etwa die Hälfte. Das hohe Gewicht kommt aber schnell zusammen, wenn Waggons mit Eisenerz beladen werden. Dann sind die stärksten Lokomotiven gefragt – wie die Transmontana von Softronic. Der Hersteller von Schienenfahrzeugen in Craiova, Rumänien, baut diesen Lok-Typ seit 2010. Mit einer Motorleistung von 6 MW, das entspricht etwa 8150 PS, zieht sie ab diesem Jahr Erzzüge des schwedischen Eisenbahnunternehmens Green Cargo.

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Lok mit Hybridantrieb unterwegs in Schweden

Was bei Automobilen langsam den Markt erobert, nämlich Hybridantriebe, hat die Transmontana bereits an Bord. Beim Bremsen gewinnt sie einen Teil der Energie zurück und speist diese in die Oberleitung zurück. Dabei handelt es sich um das einzige System seiner Art in Osteuropa. „Die Transmontana Lokomotive ist, was die Konzeption und die Schaltpläne angeht, auf dem allerhöchsten Niveau“, sagt Softronic-Projektleiter Catalin Iosub.

Ein gutes Konzept für die Elektrik ist die Basis, ebenso notwendig sind Komponenten allerhöchster Qualität. Denn die beiden Lokomotiven für Green Cargo sollen nahe des Polarkreises in Eiseskälte zum Einsatz kommen. Die Lokomotiven haben modernste Ausstattung: eine neue Metallkonstruktion für den Lokomotivkasten, Asynchronfahrmotoren, Rekuperationsbremse, IGBT-Traktionsstromrichter, leistungsfähige Zugsteuerungs- und Zugsicherungseinrichtungen, LED-Scheinwerfer und vieles mehr.

150 verschiedene Artikel von Lapp

Eine neuralgische Stelle beim Einsatz in harten klimatischen Bedingungen sind die Kabel – nicht jedoch bei der Transmontana. Lapp Kabel Romania hat durch die Ausstattung der Lokomotiven mit Lapp-Produkten zum Erfolg des Projekts beigetragen und rund 150 Artikel miteinander kombiniert, um die technischen Bedingungen und Anforderungen optimal zu erfüllen. Lapp sieht sich als Weltmarktführer für integrierte Verbindungslösungen und bekam bei der Auswahl des Lieferanten den Zuschlag, weil dieser auch für die Bahnbranche ein einheitliches Produktsystem anbietet.

Die Lapp Gruppe hat in den letzten Jahren ein umfangreiches Programm von Produkten für alle elektrischen und elektronischen Systeme in Schienenfahrzeugen entwickelt, die den höchsten Anforderungen europäischer Normen genügen. Hierzu gehören Ölflex Train-Kabel, Unitronic Train Kabel für Datenbussysteme wie MVB und WTB, Etherline Train Kabel für Ethernet-Verkabelung bis zu Cat.7, Skintop Kabelverschraubungen, Silvyn Kabelschutzschläuche, Epic Industrie-Steckverbinder und Fleximark Kabelkennzeichnungssysteme.

Extreme Anforderungen verlangen nach robusten Komponenten

Für Schaltschränke wurden die Einzeladerleitungen aus der Familie Ölflex Train 331 verwendet. Trotz des Betriebs am Polarkreis kann es im Maschinenraum sehr heiß werden. Dort hat sich die Qualität der Silikon-Aderleitungen der Familie Ölflex Heat 180SiF bewährt. Ein Teil des Sensorsystems wurde mit Unitronic FD CP Plus-Datenleitungen verkabelt, die für ihre außergewöhnliche Flexibilität bekannt sind. Die in einer Lokomotive nicht zu vermeidenden Vibrationen erfordern für Energiekettenanwendungen die Verwendung von äußerst flexiblen Leitungen. Zudem halten der Polyurethan-Außenmantel und das Kupfergeflecht den harten klimatischen Bedingungen beim Einsatz am Polarkreis und den starken elektromagnetischen Störeinflüssen stand, die für die Leistungselektronik typisch sind. Für die Herstellung der elektrischen Verbindungen wurden Epic Industrie-Steckverbinder verwendet. Einige der Kabel sind mit Hilfe des Polyamid-Kabelschutzschlauch-Systems Silvyn RILL PA 6 und den entsprechenden Verriegelungsteilen geschützt. Alle Train-Produkte von Lapp erfüllen die Anforderungen der Norm für Bahnanwendungen EN45545-2 oder übertreffen diese sogar und sind in die Gefährdungsklassen HL1, HL2 sowie HL3 einzuordnen.

Vieles auf Lager für kurze Lieferzeiten

In der europäischen Bahnindustrie punktet Lapp mit einem neuen Konzept für die Logistik. Das Unternehmen hält die meisten Leitungen in seinem modernen Lager in Ludwigsburg bei Stuttgart auf Vorrat. Für die europäische Bahnindustrie bedeutet das: Die meisten Leitungen – darunter alle gängigen Typen wie Bus- und Koaxialkabel für die Datenübertragung sowie Leitungen für Steuersignale und Leistungsübertragung – werden innerhalb weniger Tage an jeden Ort Europas geliefert. Ordert der Kunde Spezialleitungen, die nicht auf Lager sind, werden diese im Werk in Seongnam in Südkorea gefertigt, wo sich auch das Kompetenzzentrum Train der Lapp Gruppe befindet. Selbst wenn Leitungen aus Südkorea geordert werden, sind sie auf dem Schiffsweg spätestens nach zehn Wochen beim Kunden und damit immer noch vier Wochen schneller als bei den heute üblichen Lieferzeiten anderer Lieferanten.

Keine Mindestbestellmengen bei den Leitungen

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, heißt es aus dem Unternehmen, gibt es bei den Mindestbestellmengen. Wie in anderen Branchen liefert das Traditionsunternehmen auch seine Leitungen für die Bahnindustrie ohne oder mit geringen Mindestbestellmengen. Wo andere Lieferanten Kabel nur trommelweise und in Kilometerlängen anbieten, liefert Lapp auch mal hundert Meter. Gerade bei den Schwerlast-Lokomotiven von Softronic, die für spezielle Einsatzzwecke nur in geringen Stückzahlen gefertigt werden, sind geringe Mindestbestellmengen ein wichtiges Kaufargument.

Dan Ionas, Vertriebs- und Marketingleiter von Lapp Kabel Romania, ist mit der Umsetzung des Projekts äußerst zufrieden. „Es war eine anspruchsvolle Aufgabe, aber durch unser hochwertiges Produktprogramm und unser kompetentes Expertenteam konnten wir die Anforderungen unseres Kunden vollständig erfüllen.“

Hannover Messe: Halle 11, Stand C03

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