Acht Täuschungs-Effekte Selbstkenntnis ist der Schlüssel zur Menschenkenntnis

Autor / Redakteur: Kurt-Georg Scheible / Sariana Kunze

Der Buchautor Kurt-Georg Scheible gibt Tipps zur besseren Menschenkenntnis und vorallem zur Selbstkenntnis. Er zeigt auf warum menschliche Entscheidungen nicht immer, wie angenommen, rational sind.

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Kennen Sie folgende Situation? Sie sind in einem Kaufhaus. Eigentlich suchen Sie Weihnachtsgeschenke für Ihre Liebsten. Doch ehe Sie sich versehen, stehen sie vor dem Sockenständer und denken sich „Socken kann man immer gebrauchen“ und schon laufen Sie mit drei Paar zur Kasse. Zuhause angekommen, wurmt Sie der Spontankauf. Denn Socken haben Sie eigentlich genug.

Was veranlasst Sie zum Sockenkauf? Rationale Überlegungen waren es offensichtlich nicht. Also veranlasste Sie etwas anderes dazu, zu den Socken zu greifen. Etwa Ihr Frust darüber, dass Sie die gesuchten Weihnachtsgeschenke nicht fanden. Oder das gelbe Schild mit der Aufschrift „Sonderangebot“ am Ständer?

Wir handeln nicht immer rational

Immer wieder tun wir im Alltag Dinge „einfach so“ - scheinbar ohne Grund. Faktisch stellt unser Tun jedoch meist eine Reaktion auf einen oder mehrere Reize von außen dar. Hierfür ein weiteres Beispiel. Nehmen wir an, Sie stehen in einer U-Bahn und Ihr Nachbar tritt Ihnen voll auf die Zehen. Am liebsten würden Sie lospoltern „Können Sie nicht aufpassen...“. Doch dann blicken sie der Person ins Gesicht und finden es sympathisch - ja, sogar attraktiv. Und plötzlich sind Sie nicht mehr sauer. Im Gegenteil! Sie lächeln die Person an und beginnen ein freundliches Gespräch.

Solche Situtationen zeigen: Wir verhalten uns oft nicht so logisch-rational wie gedacht. Im Gegenteil! Wenn wir Dinge wahrnehmen, als zum Beispiel sehen, hören oder fühlen, dann löst dies in unserem Unterbewusstsein stets Emotionen aus. Und diese Emotionen lösen ihrerseits wiederum gewisse „Effekte“, also Verhaltensmuster, in uns aus.

Effekte steuern Verhalten

Wenn wir wissen, dass Effekte und welche Effekte unser Verhalten mitbestimmen, profitieren wir davon beruflich und privat. Denn dann können wir unser Verhalten steuern und ermitteln. auf welche Reize wir besonders sensibel reagieren. Dann fällt es uns leichter, uns - wenn nötig - rational zu entscheiden und ein Verhalten zu zeigen, das der Situation angemessen ist.

Diese Selbstkenntnis erleichtert es uns aber auch, das Verhalten anderer Menschen zu verstehen - und dieses eventuell sogar zu beeinflussen. Deshalb seien hier die wichtigsten Effekte beschrieben; des Weiteren, wie wir uns dagegen wehren können, dass sie unser Verhalten bestimmen.

Der Herden-Effekt

An welchem Wochentag wird bei Ihnen die Mülltonne geleert? Wissen Sie es? Oder stellen Sie ihre Tonne einfach auch vor die Tür, wenn dies die Nachbarn tun? Das Verhalten anderer Menschen ist für uns eine wichtige Orientierungshilfe. Wenn die Leute etwas tun, dann ist dies für uns ein Indiz dafür: Das ist richtig!

Der Herden-Effekt hat jedoch zwei Gesichter. Mal kann er Leben retten. Etwa, wenn es darum geht, vor Gefahren zu flüchten. Dann lässt uns dieser Impuls einfach mit der Masse rennen - oft ohne zu wissen, warum. Manchmal lässt er uns mit den anderen aber auch ins Verderben „rennen“. Zum Beispiel, wenn wir an der Börse in faule Wertpapiere investieren, weil dies „alle tun“.

Der Herden-Effekt macht uns anfällig für Manipulationen. Hierfür ein Beispiel. Viele Menschen ziehen Verkaufsstände magisch an, an denen viel Betrieb herrscht. Dabei können gewiefte Verkäufer auf Märkten und Messen recht einfach dafür sorgen, dass stets einige „Interessenten“ an ihrem Stand sind - und seien es nur Kollegen.

Wie Sie sich wehren

Der Herden-Effekt ist vergleichbar mit einem Navigationssystem, das uns durchs Leben führt. Wie sicher dies geschieht, hängt von der Qualität der eingegebenen Daten ab. Wer schon einmal von einem Navigationsgerät völlig in die Irre geleitet wurde, überprüft dessen Aufforderungen mit seinem gesunden Menschenverstand - und schaltet das Gerät im Zweifelsfall einfach ab.

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