Suchen

Sensorik

Sick-Sensoren: So bekamen Maschinen dank Erwin Sick ihre Sehkraft

| Redakteur: Sariana Kunze

Als sich Dr. Erwin Sick das Ziel setzte, den ursprünglichen menschlichen Sehsinn auch für die Überwachung von Maschinen und Emissionen nutzbar zu machen, hatte er keine Vorstellung davon, dass Sensortechnologie von Sick einmal weltweit Menschen und Umwelt schützen würde.

Firmen zum Thema

Erfindung von 1967: Der Optikkopf CLK1 mit Auswerteeinheit CLE1 diente zur optoelektrischen Identifizierung eines am Codeleser vorbeigeführten Körpers, auf dem entsprechende Identifizierungsmarken angebracht waren.
Erfindung von 1967: Der Optikkopf CLK1 mit Auswerteeinheit CLE1 diente zur optoelektrischen Identifizierung eines am Codeleser vorbeigeführten Körpers, auf dem entsprechende Identifizierungsmarken angebracht waren.
( Bild: Sick )

Alles begann 1946 bei null, in einer kleinen Baracke, aber mit großem Mut und vielen Ideen. Dr. Erwin Sick, der am 26. September 1946 in München von der amerikanischen Militärverwaltung die Erlaubnis für die Gründung eines eigenen Unternehmens erhielt, wollte sich nie mit dem technischen Status quo zufriedengeben. Die Produkte, mit denen das junge Unternehmen damals den Durchbruch erzielte, waren von Beginn an innovativ, robust und effizient. Es waren komplexe Sensoren, die nicht nur einfache Detektionsaufgaben lösen konnten. Sehr früh legte sich das Unternehmen nicht nur auf eine Branche und eine Technologie fest – die Ausdifferenzierung der technischen Möglichkeiten führte schon bald zum Einsatz in einer Vielzahl von Anwendungen. Neben der Nutzung optischer Technologie zur Automatisierung galt das besondere Augenmerk von Dr. Erwin Sick vor allem der Sicherheitstechnik zum Schutz des Menschen vor Maschinen. Entsprechend entwickelte er mit dem ersten Lichtvorhang nicht nur die Technologie, sondern engagierte sich auch in der Erarbeitung der sicherheitstechnischen Normen und Grundlagen. Ebenso machte er seine Erfindungen in Anwendungen zum Schutz der Umwelt nutzbar. Noch weit vor dem Aufkommen der Umweltschutzbewegung bemühte sich Sick um eine Reduzierung der Kraftwerksemissionen durch ihre Überwachung direkt im Schornstein.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Der Sensor: Reize aufnehmen und melden

Die Neurowissenschaft unterscheidet sechs verschiedene Sinne: Sehen, Hören, Gleichgewicht, Fühlen, Schmecken und Riechen. Angesprochen werden die Sinnesorgane durch chemische, mechanische und optische Reize. Ein Sensor – ob als Nervenzelle des Menschen oder als Detektor in der Maschine – dient dazu, diese Reize aufzunehmen und zu melden. Erwin Sick hatte sich als ausgebildeter Optiker und Feinmechaniker sowie als angestellter Konstrukteur mit optischen Themen über viele Jahre befasst. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, den ursprünglich menschlichen Sehsinn auch für die Überwachung von Maschinen und Emissionen nutzbar zu machen. Mit dem „Lichtvorhang nach Patent Sick“ akquirierte er 1952 Aufträge bei der aufstrebenden deutschen Automobilindustrie und legte die erste Geräteserie auf. Vier Jahre später stellte er das erste optischelektronische Messgerät zur Bestimmung der Rußkonzentration von Abgasen vor. Beide Sensorerfindungen verhalfen dem Unternehmen zum Durchbruch – wirtschaftlich wie technologisch. Denn die Philosophie von Erwin Sick ging auf. Seine Sensoren waren kein „Massenmurks“, wie er es drastisch ausdrückte, sondern zeichneten sich von Beginn an durch moderne Technik, hohe Robustheit und besonderen Kundennutzen aus. Es ging zwar zunächst immer darum, einer Maschine oder einem Prozess „Sehkraft“ zu verleihen und das, was der Sensor sieht, an eine Steuerung zu melden. Die Entwicklung von optoelektronischen Sensoren in den folgenden Jahren – seien es Lichttaster und Lichtschranken, Barcodelesegeräte, Sicherheits-Lichtvorhänge, Flächenscanner, Gasmessgeräte oder Distanzsensoren, um nur einige zu nennen – fokussierte sich jedoch nicht alleine auf eine einfache Detektionsfunktion, sondern bot immer einen zusätzlichen Mehrwert.

Von Anfang an lösten Sensoren von Sick komplexere Aufgabenstellungen, die ihrerseits der industriellen Automatisierung neue Wege aufzeigten. Diese Entwicklung – inzwischen erweitert auf alle anderen physikalischen Wirkprinzipien – hält bis heute an. Lange bevor sich Industrie 4.0 zum Megatrend entwickelte, hatte Sick bereits im Jahr 2004 die Sensorik zur Sensorintelligenz erweitert und u. a. mit der Entwicklung digitaler Kommunikationssysteme zwischen Sensoren, Aktoren und Automatisierungssystemen den technologischen Wandel des Markts mit beeinflusst.

Intelligente Systemtechnik für komplexe Aufgaben

Automobil- und Fahrzeugbau, Handhabungs- und Verpackungstechnik, Lager- und Fördertechnik, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Umwelt- und Verfahrenstechnik, Chemie- und Pharmaindustrie, Maschinenbau, Elektronik und Solar – in nahezu allen industriellen Kernbranchen weltweit kommen heute Sensorlösungen von Sick zum Einsatz. Mit intelligenter Systemtechnik setzt Sick die immer komplexeren Anforderungen des Marktes um. Das Geschäftsmodell basiert darauf, Seriengeräte, Systeme und Services als Komplettlösung anzubieten. Es geht nicht mehr nur um Detektieren und Melden, sondern auch um Steuern, Regeln, Auswerten und Vernetzen. Das Erkennen von Objekt und Umgebung durch einen Sensor, die Nutzung dieser Information für gezieltes Handeln durch die Maschine und die Möglichkeit zur objektiven Beurteilung von Sensordaten durch eine Steuerung im Rahmen einer solchen Systemlösung ermöglichen es, selbst sehr komplexe Anforderungen zu erfüllen. Das gilt für die automatischen Check-in-Systeme für Fluggepäck ebenso wie für Security-Systeme zur Absicherung von Gebäuden und Freiflächen, Fahrerassistenzsysteme für industrielle Transportfahrzeuge oder Profiling-Systeme, die die Einfahrten von Straßentunneln überwachen.

Ergänzendes zum Thema

Ohne Sensorik keine Daten-Auswertung

2004 hat sich Sick mit dem Unternehmensclaim „Sensor Intelligence.“ auf Veränderungen in der Automatisierungswelt ausgerichtet. Damit will das Unternehmen die Fokussierung auf die technische Intelligenz weit über die reine Sensortechnik hinaus deutlich machen. Denn die Möglichkeiten, durch eine Vielzahl an Daten effizienter, flexibler, ressourcenschonender und mit höherer Qualität produzieren und liefern zu können, hängen von der Zuverlässigkeit und der Robustheit der Daten ab, die den Input vieler Prozessketten bilden. Dies ist der Ausgangspunkt, damit komplexe Systeme autonome Entscheidungen treffen können. „Ohne Sensorik keine transparente Auswertung der Daten“, könnte hierfür eine Kurzformel sein. Mit neuen, intelligenten Sensoren will Sick auch zukünftig Maßstäbe in der Sensorik setzen und die Erfolgsgeschichte fortschreiben.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45337414)