Suchen

Verkehrssensoren

So entschärfen Anwesenheitssensoren das Moskauer Verkehrschaos

| Redakteur: Sariana Kunze

In Moskau sind die Straßen verstopft. Die Stadt nimmt weltweit bei einer Staurangliste die Poleposition ein. Ein intelligentes Verkehrsüberwachungssystem soll nun den Verkehrsfluss in der russischen Hauptstadt wieder in Gang bringen. Die Regierung will mit 3.000 Fahrzeug-Anwesenheitssensoren für einen effizienteren Betrieb der Ampelanlagen sorgen.

Firma zum Thema

Moskau will mehr Entspannung: Ein intelligentes Verkehrssystem soll das Autochaos der russischen Metropole entschärfen.
Moskau will mehr Entspannung: Ein intelligentes Verkehrssystem soll das Autochaos der russischen Metropole entschärfen.
(Sariana Kunze/elektrotechnik)

Moskau gehört zu den größten Ballungszentren in Europa, mit bis zu 16 Mio. Menschen tagsüber und einer Anzahl von bis zu sechs Mio. Fahrzeugen, die rapide zunimmt. Dies schlägt sich in einer sehr hohen Verkehrsdichte nieder. Vor kurzem wurde Moskau an erster Stelle in einer Staurangliste aller Großstädte rund um den Globus genannt. Und die Staus werden von Monat zu Monat immer länger. Das Verkehrsproblem zieht allerdings noch andere negative Aspekte nach sich. Pünktlichkeit ist bei den Moskauern zwangsläufig zur Seltenheit geworden.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Besserer Fluss mit 20 Prozent

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, haben die städtischen Behörden von Moskau das ITS Moskau gebildet. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Regierung und den Verantwortlichen der Stadt. Etwa 200 Mio. Euro sollen in das Projekt für ein intelligentes Verkehrssystem investiert werden. Die Umsetzung soll bereits bis 2015 abgeschlossen sein. Zu den Zielen von ITS Moskau gehört die Entwicklung und Instandhaltung intelligenter Verkehrssysteme, welche größere Transportprobleme und die Anzahl der Verkehrsstaus in Moskau reduzieren sollen. Die Behörden hoffen, dass das System den Verkehrsfluss in einer Größenordnung von über 20 Prozent verbessern wird.

750 Kreuzungen werden intelligent

Ein bedeutender Teil des Programms von ITS Moskau ist die Einrichtung so genannter intelligenter Kreuzungen, an denen intelligente Sensoren von Flir Systems den Verkehr in der Stadt überwachen. Über 3.000 Traficam X-Stream Fahrzeug-Anwesenheitssensoren werden an verschiedenen stark befahrenen Straßenkreuzungen installiert, die über Ampelanlagen gesteuert werden. Mit vier Sensoren pro Kreuzung soll die Technologie für einen effizienten Betrieb von mehr als 750 Kreuzungen sorgen. Durch die Erfassung sowohl von wartenden als auch sich nähernden Fahrzeugen werden diese intelligenten All-in-One-Kameras für eine optimierte Zeitsteuerung der Signalphasen bei Ampelanlagen eingesetzt. Die Sensoren von Flir sorgen dabei für kürzere Wartezeiten an Ampelanlagen.

„Auf Grundlage der von den Traficam X-Stream Sensoren gelieferten Daten kann dieses System die Länge der Ampelphasen in Echtzeit modifizieren, um sich an die ändernden Verkehrsbedingungen anzupassen”, erläutert Artem Kryvobok, International Business Development Manager bei Flir Systems. „Wenn alle projektierten Anlagen in Betrieb sind, gehen wir davon aus, dass die Gesamtzahl der Flir-Sensoren die Wartezeiten an den Ampeln in Moskau deutlich verkürzen wird.”

Ergänzendes zum Thema
Nebenbei bemerkt

Sariana Kunze ist Redakteurin bei elektrotechnik AUTOMATISIERUNG.
Sariana Kunze ist Redakteurin bei elektrotechnik AUTOMATISIERUNG.
( Vogel Business Media )

„Moskau, fremd und geheimnisvoll, Türme aus rotem Gold, kalt wie das Eis ...“ – die Band Dschinghis Khan ehrt in ihrem Kult-Song „Moskau“ die russische Hauptstadt und lässt so manchen vom Zarengold träumen. Doch die Metropole an der Moskwa hat weitaus mehr zu bieten als Wodka, Kaviar und Kreml. Als ich im Juni die russische Hauptstadt für zwei Tage besuchte, entdeckte ich prunkhafte Metrostationen, starke Militärpräsenz und aber Dutzende Brautpaare in doppelstöckigen Hummer-Stretchlimousinen. Eben eine Großstadt der Gegensätze! Das Verkehrschaos war jedoch bei all dem Trubel kaum zu übersehen, denn die riesigen Limousinen konnte ich nur selten in fahrendem Zustand bestaunen. Obwohl die Installation der 3.000 Fahrzeug-Anwesenheitssensoren in Moskau noch nicht abgeschlossen ist, habe ich mich trotzdem irgendwie beobachtet gefühlt. Denn um ein Visum für Russland zu bekommen, müssen sogar normale Touristen ihr monatliches Einkommen offenlegen. Big Putin is watching you!

Dynamische Grünphasen passen sich dem Verkehr an

Der Fahrzeug- Anwesenheitssensor vereint eine CMOS- Kamera und einen Videodetektor in einem Gerät. Der integrierte Sensor ist eine preisgünstige Lösung zur Erkennung und Überwachung fahrender und haltender Fahrzeuge an ampelgesteuerten Kreuzungen. Über Erkennungsausgänge oder IP-Protokoll werden Informationen zur Anwesenheit von Fahrzeugen an die Ampelsteuerung übertragen, um so die Grünphasen dynamisch an die Verkehrslage anpassen zu können. Dadurch verkürzen sich die Wartezeiten für Fahrzeuge an Ampeln, und der Verkehrsfluss wird optimiert. Die intelligenten Sensoren stellen eine Alternative zu Induktionsschleifen dar. Mit der Flir Traficam Serie können Verkehrsleiter die Zonen für die Fahrzeuganwesenheitserfassung exakt positionieren und überprüfen. Da diese Zonen auf einem Videobild angezeigt werden, lassen sie sich bei sich ändernden Verkehrssituationen problemlos neu ausrichten.

Schlechte Luft ist kein Problem

„Ein Pilotprojekt mit Traficam X-Stream Sensoren von Flir Systems wurde bereits 2012 in den Straßen von Moskau durchgeführt,” erläutert Artem Kryvobok. „Nach einer umfassenden Bewertung durch die Projektbehörden wurden Traficam X-Stream als technologisch beste Lösung eingestuft. Der Sensor hat bei der Anwesenheitserfassung überzeugende Ergebnisse geliefert, sogar bei der hohen Luftverschmutzung, die in Moskau an der Tagesordnung ist. Durch die starken Fahrzeugemissionen kann das Objektiv der Verkehrskameras verschmutzen, was die Erfassung gefährdet. Glücklicherweise hat Traficam X-Stream damit keine Probleme.”

Zudem können die Videostreams der Kamera in der Verkehrsleitwarte visualisiert werden. Die Verkehrskameras sind IP-adressierbar und liefern MPEG-4 oder H.264 Video-Streaming in Farbe mit voller Bildwiederholfrequenz an die Leitwarte, wo diese Daten für die allgemeine Überwachung der Kreuzungsanlagen eingesetzt werden können. Durch die Web-Schnittstelle sind die Mitarbeiter der Leitstelle in der Lage, ihre Videoquellen online zu verwalten.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42912301)