Steuerungs- und Fernwirktechnik

So lässt sich ein zuverlässiger Weiterbetrieb alter AEG-basierter Anlagen sicherstellen

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Geringerer Kosten- und Platzbedarf durch Austausch der SPS

In der Vergangenheit bildete eine Geadat 8U von AEG das Herzstück des Regenüberlaufbeckens. Die Steuerung fiel jedoch aufgrund ihrer langen Einsatzdauer aus, sodass keine Daten mehr übertragen wurden und das Regenüberlaufbecken nicht mehr vom Leitsystem angesteuert werden konnte. Vor diesem Hintergrund musste sie entweder repariert oder ersetzt werden.

Nach einer genauen Abwägung der Alternativen entschieden sich die SAB-Mitarbeiter für den Austausch der SPS. Die neue Lösung setzt sich aus einer Kleinsteuerung ILC 170 ETH 2TX in Verbindung mit dem Fernwirksystem Resy+ von Phoenix Contact zusammen.

Dieser Ansatz birgt sowohl für die Stadt als auch den Schaltanlagenbauer Vorteile: Einerseits liegen die Neuanschaffungs-Kosten erheblich unter dem finanziellen Aufwand, der sich aus der Reparatur der alten Komponenten ergeben hätte. Außerdem müssen die Mitarbeiter nicht mehr auf die über 25 Jahre alte AEG-Technik geschult werden.

Phoenix-Contact-Komponenten sparen Platz im Schaltschrank

Die neue Lösung basiert auf aktuellen Standards. Um die Kleinsteuerung mit den Funktionen der AEG-Anlage auszustatten, wurde sie durch I/O-Baugruppen aus dem Inline-Baukasten ergänzt. Die Stromversorgung übernimmt ein Gerät der Produktfamilie Mini Power von Phoenix Contact. Eine serielle Inline-Kommunikationsklemme IB IL RS UNI koppelt den ILC 170 ETH 2 TX an das FSK-Modem an. Durch diesen Aufbau spart der Betreiber viel Platz im Schaltschrank ein.

Die Verwendung der Funktionsbaustein-Bibliothek ResyNet1F, die Bestandteil der Fernwirklösung Resy+ ist, ermöglicht die Umsetzung der AEG-Funktionen gemäß der derzeit relevanten Norm IEC 61131-5. Die SAB-Mitarbeiter mussten sich nicht mit dem SEAB-1F-Protokoll auskennen, weil die verschiedenen Protokoll-Bibliotheken im gleichen Look-and-Feel konzipiert sind.

Kleinsteuerung bietet Millisekunden-genaues Zeitverhalten

Die alte 8U-Steuerung war über FSK-Modems und eine Standleitung an das Leitsystem angebunden. Seinerzeit wurde das zeitkritische Protokoll SEAB-1F zur Kommunikation genutzt. Die Abkürzung steht für „Serieller Anlagenbus für die Fernwirktechnik“. Damit die Daten über die für damalige Verhältnisse weiten Strecken übertragen werden konnten, setzten die Betreiber Modems ein, die das Frequency Shift Keying (FSK) als Modulationsverfahren verwendeten. Über diese Lösung tauscht das im Zentrum von Albstadt gelegene Regenüberlaufbecken ebenfalls Daten mit der Leitwarte aus. Im Leitsystem laufen dann sämtliche Standleitungen des Abwassernetzes über FSK-Modems zusammen. Dabei fragt das Leitsystem nacheinander jeden Teilnehmer ab, um eine Änderung der anliegenden Messwerte und Meldungen zu erhalten oder Befehle und Sollwerte an die Außenstationen zu senden.

Eine Besonderheit von SEAB-1F ist, dass das Protokoll keine Anfangs- und Endkennung nutzt, wie dies heute standardmäßig erfolgt. Das Leitsystem ruft vielmehr Daten von einer Außenstation ab, die innerhalb eines festen Zeitraums antworten muss. Meldet sich die Außenstation nur wenige Millisekunden zu früh oder zu spät, wird dies als Störung gewertet. Anschließend fragt das Leitsystem alle übrigen Gewerke ab, bis die vermeintlich gestörte Außenstation wieder antworten kann.

Die eingesetzte Steuerung muss also ein Millisekunden-genaues Zeitverhalten bieten – eine Anforderung, welche die Kleinsteuerung ILC 170 ETH 2TX erfüllt. Der Inline Controller überträgt die Daten zeitlich exakt über das SEAB-1F-Netz und verwendet dazu die vorhandenen Komponenten und die bestehende Infrastruktur. Auf diese Weise spart die Stadt Albstadt viel Geld ein, denn die Altanlage muss nicht repariert werden.

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