DPP Standards für den digitalen Produktpass

Quelle: Pressemitteilung Fraunhofer IPK 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Auf der internationalen Fachkonferenz DPP4EU 2026 wurden die kürzlich veröffentlichten europäischen technischen Standards für den digitalen Produktpass einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Ziel ist ein vernetztes Datenökosystem für transparente und effiziente Produktlebenszyklen.

Die Einführung des digitalen Produktpasses erfolgt schrittweise und wird durch regulatorische Vorgaben sowie branchenspezifische Initiativen begleitet.(Bild:  © Masque _ stock.adobe.com _ KI-generiert)
Die Einführung des digitalen Produktpasses erfolgt schrittweise und wird durch regulatorische Vorgaben sowie branchenspezifische Initiativen begleitet.
(Bild: © Masque _ stock.adobe.com _ KI-generiert)

Der Batteriepass hat 2023 mit der EU-Batterieverordnung den Auftakt gemacht, in den nächsten Jahren werden weitere Produktkategorien wie Textilien, Elektronikgeräte, Möbel und Baumaterialien folgen: Digitale Produktpässe sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern, Unternehmen und Behörden verlässliche Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zugänglich machen, von der Herstellung über die Nutzung bis zur Wiederverwertung. 

Damit das gelingt, müssen die zugrundeliegenden technischen Normen ein kohärentes Gesamtsystem bilden. Prof. Dr.-Ing. Thomas Knothe, Abteilungsleiter Geschäftsprozess- und Fabrikmanagement am Fraunhofer IPK, leitet als Chair das CEN CLC JTC 24, das Joint Technical Committee der beiden Europäischen Standardisierungsorganisationen CEN und CENELEC. Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK hat dazu im Vorfeld die interoperable Grundstruktur maßgeblich entwickelt, so dass die einzelnen technischen Standards technologieneutral und interoperabel ineinandergreifen.

Über den DPP 

Ein digitaler Produktpass (DPP) ist die technische Bereitstellung produktspezifischer Daten, die Informationen über die Bestandteile eines Produkts, wie Komponenten, Materialien und chemische Substanzen, enthalten. Ergänzend dazu kann der digitale Produktpass auch wichtige lebenszyklus- und nachhaltigkeitsrelevante Angaben umfassen, beispielsweise zur Reparierbarkeit, zu Ersatzteilen oder zur fachgerechten Entsorgung.

„Die grundlegenden technischen DPP-Standards sind da. Sie schaffen Transparenz für Verbraucher, Industrie und Behörden. Aber ein Standard allein verändert noch nichts. Jetzt kommt es darauf an, ihn mit Leben zu füllen: mit konkreten Implementierungen, offenen Werkzeugen und sektorspezifischen Referenzlösungen, die Unternehmen den Einstieg wirklich erleichtern. Genau das ist es, woran wir beim Fraunhofer IPK arbeiten“, sagt Thomas Knothe.

Open Source als Hebel für schnelle Umsetzung

Um die Einstiegshürde für Unternehmen zu senken, haben Knothe und sein Team am Fraunhofer IPK gemeinsam mit Partnern wie der GEFEG mbH und der Technischen Universität Berlin Open-Source-Testsysteme entwickelt, mit denen Organisationen ihre DPP-Implementierungen validieren können. Darüber hinaus entstanden sektorspezifische Referenzsysteme, unter anderem für den Bereich Batterien, die als gemeinsame Orientierung für Verbände und Unternehmen dienen. Die Erfahrungen bei der Anwendung dieser Referenzsysteme zeigen laut Knothe, dass ein Systemaufbau rund fünfmal schneller und einfacher gelingt als mit herkömmlichen Ansätzen.

Internationale Standardisierung für globale Interoperabilität

Ein DPP entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn er grenzüberschreitend funktioniert. Als Chair des CEN/CENELEC JTC 24 Digital Product Passport Framework and System engagiert sich Thomas Knothe auch im Aufbau der globalen Standardisierung unter dem Dach von ISO und IEC. Das Abschluss-Panel des ersten Konferenztages zur globalen Harmonisierung unterstrich diese Rolle: Nur wer die internationale Standardisierungslandschaft aktiv mitgestaltet, kann sicherstellen, dass europäische DPP-Lösungen weltweit anschlussfähig bleiben. Neben dem Fraunhofer-IPK-Experten diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von UN/CEFACT, DIN, DKE und BASF die Prinzipien der dafür erforderlichen Interoperabilität.

DPP als Hub für globale Produktdatenökosysteme

Das Fraunhofer IPK versteht den digitalen Produktpass nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt: Mittelfristig soll er sich zum Hub für globale Produktdatenökosysteme weiterentwickeln. Der konsequent offene Ansatz bei Test- und Referenzsystemen ist dabei eine bewusste strategische Entscheidung. Denn offene, interoperable Standards dienen letztendlich Unternehmen wie Verbraucherinnen und Verbrauchern. 

„Damit wird der DPP zu einem Effizienzinstrument und zu einem Business Enabler für Industrie und Handel“, so Thomas Knothe. Er und sein Team entwickeln zum Beispiel derzeit eine KI-basierte DPP-Lösung zur Sanierung von Elektroinstallationen in Gebäuden, mit der Handwerksunternehmen bereits im Vorfeld der Arbeiten einen effizienten, sicheren und gleichzeitig nachhaltigen Sanierungsansatz wählen können. Bei aktuell circa 14 Millionen in Deutschland energetisch zu sanierenden Häusern liegt der Bedarf auf der Hand.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung