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Geschäftsmodelle Trumpf will den Appstore der Blechfertigung

| Redakteur: Robert Weber

Der Maschinenbauer Trumpf will zur sicheren Cloud-Plattform für die Industrie werden. Peter Leibinger erklärte der Deutschen Presse-Agentur seine Pläne. Ein Appstore für die Blechfertigung wäre denkbar. Auch Siemens geht in diese Richtung.

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Peter Leibinger (auf einer Trumpf-Veranstaltung) könnte sich einen Appstore für die Blechfertigung vorstellen.
Peter Leibinger (auf einer Trumpf-Veranstaltung) könnte sich einen Appstore für die Blechfertigung vorstellen.
(Bild: Meister)

Das Cloudgeschäft will Leibinger nicht den IT-Unternehmen überlassen, heißt es. Leibinger will nicht als Hardware-Hersteller marginalisiert werden. „Es ist die Frage, ob der Winner-Takes-it-All-Mechanismus aus der IT-Branche auch in diesem Fall greift. Wir wissen es einfach nicht“, wird Leibinger zitiert. Fest steht: Trumpf will das Feld um Industrie 4.0 und die Maschinenkommunikation nicht kampflos amerikanischen IT-Unternehmen überlassen, die mit Macht auch in den deutschen Markt drängen.

Leibinger weiß was er will: Standards auch bei der IT und beim Datenaustausch. „Interessant wird es, wenn fabrikübergreifend gearbeitet werden kann. Es gibt in der Blechfertigung sogenannte Schachtelwerkzeuge zur optimalen Anordnung von Teilen auf einer Blechtafel. Wir bieten solche Programme zu deutlichen Kundenvorteilen führt. Wir können uns vorstellen, dass man eine offene Plattform benötigt, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen – zum Beispiel in Form von Apps“, erklärt der Unternehmer.

Leibinger sieht Trumpf als Garant für Datensicherheit. „Wenn wir Dienste anbieten, die zu einem Crash in einer Maschine führen, kostet das deutlich mehr, als wenn eine App ein Smartphone zum Absturz bringt. Zweitens muss ich sicher sein, dass mit meinen Daten nichts gemacht wird, was ich nicht weiß“, wird er von der DPA zitiert.

Ähnliche Ansätze verfolgen auch einige Automatisierungsunternehmen, die aber offiziell nicht darüber sprechen wollen. Eine Ausnahme bildet Siemens. Zusammen mit SAP wollen die Bayern aufholen. Grundlage für die datenbasierten Plant Cloud Services ist der Aufbau einer offenen Cloud-Plattform für Anwendungen in der Industrie.

Maschinenstundenverkauf als neues Geschäftsmodell?

Die von Siemens angebotene Plattform nutzt dabei die Hana-Technologie des Softwarespezialisten SAP. Die SAP Hana Cloud-Plattform basiert auf der in-memory-Technologie und ist eine offene Plattform für Kunden und Entwickler, um Apps in der Cloud zu entwickeln, zu erweitern und zu betreiben. Siemens setzt dabei auf den offenen Standard OPC, um Siemens und Wettbewerbsprodukte anzubinden. Für eigene Produkte soll ein Plug-and-Play ermöglicht werden. Der Kunde kann die Cloud-Infrastruktur selber konfigurieren. Er kann zwischen Public, Private oder On-Premise-Cloud wählen. Bezahlt wird über ein Pay-per-use-Preismodell, erklärt Klaus Helmrich, Vorstandsmitglied und verantwortlich für die digitale Fabrik im Konzern. Er und seine Kollegen können sich über die Cloud-Lösung beispielsweise ein Geschäftsmodell vorstellen, das es Unternehmen ermöglicht, Maschinenstunden anzubieten und diese zu verkaufen. Der Anwender teilt so seine Maschine. Für Siemens sieht Helmrich im Datengeschäft viel Potenzial. Siemens als Datentreuhänder ist sein Ansatz, den der Franke auf der Messe präsentierte. Dabei betreibt Siemens kein Rechenzentrum, sondern der Konzern ist in der Lage, Daten (Big Data) in Wissen (Smart Data) und in Geschäft (Geschäftsmodelle) zu wandeln, erfuhr elektrotechnik auf Nachfrage.

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