Weidmüller

Vom patentierten Druckknopf bis zu Industrie 4.0

| Redakteur: Ines Stotz

1978: Die ersten Reihenklemmen mit Federanschlusstechnik von Weidmüller.
1978: Die ersten Reihenklemmen mit Federanschlusstechnik von Weidmüller. (Bild: Weidmüller)

Weidmüller Reihenklemmen erobern die Welt. Das Unternehmen steht für innovative Komponenten und Lösungen für den Schaltschrankbau sowie die Automatisierung und Digitalisierung der Industrie 4.0.

Ob Automobilherstellung, Stromerzeugung oder Wasseraufbereitung – kaum eine Branche kommt heute ohne Elektronik und elektrische Verbindungstechnik aus. Gleichzeitig nimmt in einer internationalisierten, vom technologischen Wandel geprägten Welt die Komplexität der Anforderungen durch neue Märkte rasant zu. Verbindungen, sei es von Energie, Signalen und Daten, von Anforderung und Lösung oder von Theorie und Praxis, sind der Schlüssel – und eine der Kernkompetenzen von Weidmüller. Mit über 50 000 Produkten für den Schaltschrank, auf der Feld- und Geräteebene sowie in der Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik bezeichnet sich Weidmüller als Marktführer in der Industrial Connectivity.

Start in die elektrische Verbindungstechnik

Gegründet wurde das Unternehmen 1850 von Carl August Weidmüller in der Nähe von Chemnitz. Zunächst stellte die Firma Textilien her, in den kommenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt auf Verbindungstechnik der anderen Art: patentierte Druckknöpfe. Nach dem Erwerb einer Fabrik in Böhmen wird der bisherige Prokurist Moritz Wächtler alleiniger Geschäftsführer. 1931 zahlt Wächtler die Nachkommen von C. A. Weidmüller aus und nimmt seinen Enkel Gottfried Gläsel als Teilhaber in die Firmenleitung auf. Als sich der Senior zur Ruhe setzt, übergibt er die Verantwortung komplett an Gottfried Gläsel, der somit 1937 alleiniger Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens wird. Weidmüller ändert seine Produktpalette und produziert, zusammen mit AEG und dem Ingenieur Wilhelm Staffel, die erste Staffel-Anreihklemme (SAK). Dieses ist der Start in die elektrische Verbindungstechnik.

Am 5. Februar 1948 gründet Gottfried Gläsel in Detmold die C. A. Weidmüller KG. Anstelle bruchanfälliger Porzellankonstruktionen werden nun die ersten kunststoffisolierten Anreihklemmen mit Zugbügelanschluss-System hergestellt. Sie und weitere Innovationen und Patente bilden die Basis für den fortwährenden Unternehmenserfolg. Konsequente Weiterentwicklungen der Reihenklemme mit den Anschlussarten Zugbügel-(Schraube-), Zugfeder- und Push In- Anschlusstechnik folgten. Der milliardenfach bewährte Zugbügel-(Schraubanschluss) bildete die Grundlage für die Reihenklemmenreihen SAK und W-Reihe. Die SAK-Reihe wurde 1952 erstmalig vorgestellt und gehört weltweit mit zur meist eingesetzten und kopierten Reihenklemme.

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Start ins Ausland und weitere Produktlinien

Weidmüller weitet die Produktpalette aus und errichtet ein Vertriebsnetz in Deutschland. Im Jahr 1959 wird mit Weidmüller Klippon Electricals Ltd. das erste ausländische Gruppenunternehmen in Großbritannien gegründet. 1971 war das Jahr weiterer Veränderungen, jetzt übernimmt Peter Gläsel, Neffe von Gottfried, die Geschäfte. Unter seiner Ägide wird eine Elektronik-Produktline auf den Markt gebracht sowie die Serienproduktion von Handwerkzeugen ins Leben gerufen.

Aktiv in Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Früh beginnt das Unternehmen, sich über die großen Themen der Gegenwart wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz Gedanken zu machen – und setzt sich aktiv ein. Bereits in den 1980er-Jahren recycelt Weidmüller Kunststoffabfälle, um sie wieder zu verwenden. Bis heute ist die Verantwortung für Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft, Mitarbeiter und die nachfolgenden Generationen konstitutiver Bestandteil des unternehmerischen Selbstverständnisses.

Die Reihenklemmen entwickeln sich

Im Kerngeschäft, den Reihenklemmen, präsentierte das Unternehmen im Jahr 1983 erneut eine Produktfamilie – die W-Reihe. Bei ihr verwendete man für den Klemmenkörper erstmalig den Isolierstoff WEMID, anstelle des bisherigen Polyamid PA 66. WEMID ist ein Spezial-Thermoplast von Weidmüller, der gegenüber Polyamid PA 66 eine erhöhte Dauergebrauchstemperatur bei verbesserter Brandresistenz aufweist. Damit reagiert Weidmüller auf ablaufende Schutzrechte der SAK-Reihe nach 25 Jahren.

Der Markt entwickelte sich weiter, die Kunden stellten neue Anforderungen an die Anschlusstechnik. Daraus entstand im Jahr 1978 der erste schraubenlose Anschluss für Reihenklemmen in Form einer Feder. Die DS-Anschlusstechnik (DS steht für Direktstecktechnik) kam in der Reihenklemme vom Typ DSK 1,5 zum Einsatz. Die Federanschluss-Technik kam beim Kunden gut an, deshalb brachte man 1986 die TOP-DS-Anschlusstechnik heraus. Dieser Federanschluss wurde geöffnet ausgeliefert, das heißt der Kunde brauchte nur noch den Leiter in die Klemmstelle einstecken, die sich danach schloss. Das Öffnen der geschlossenen Klemmstelle geschah mit einem „Federstecher“ (Schraubendreher). Wettbewerber stellten parallel dazu mit der Käfigzufeder ein weiteres Anschlusssystem vor. Dieses musste der Kunde erst mit einem „Federstecher“ öffnen, bevor er den Leiter in die Klemmstelle einführen konnte.

Das Käfigzugfedersystem fand immer mehr Verbreitung, so dass Weidmüller parallel dazu das Zugfederanschlusssystem mit gleicher Handhabung – Klemmstelle öffnen, Leiter einführen, Federstecher herausziehen – entwickelte. Es kam erstmalig 1993 in der in Rekordzeit entwickelten Z-Reihe zum Einsatz. Die Schutzrechte der Käfigzufeder liefen aus, so dass weitere Wettbewerber ebenfalls Reihenklemmen mit Zugfederanschlusssystem herausbrachten.

Die Entwicklung der Anschlusssysteme nahm seinen Lauf. Im Sommer 2005 stellt Weidmüller als neuste Innovation seine P-Reihenklemmen mit Push-In-Anschlusstechnik vor. Bei diesen Klemmen können abisolierte massive oder feindrähtige Leiter mit Aderendhülsen ohne Werkzeug einfach in die Klemmstelle gesteckt werden. Die Verdrahtungszeit wird auf ein Minimum reduziert.

Ganzheitliche Konzepte für den Schaltschrankbau gefragt

Seit jeher steht Weidmüller im engen Dialog mit seinen Kunden. Daraus entstand die Anforderung nach ganzheitlichen Lösungen und Konzepten für den Schaltschrankbau. Weidmüller’s aktuelle Antwort: Klippon Connect. – Verbindungstechnik zum effizienten Planen, Installieren und Betreiben. Die neuen Reihenklemmen und prozessunterstützenden Services sind konsequent daran ausgerichtet, in allen Phasen des Schaltschrankbaus einen Mehrwert zu erzielen – von der Planung über die Installation bis zum laufenden Betrieb. Als passgenaue Lösung stehen zwei Reihenklemmen-Programme bereit: ein Applikations- und ein Universalprogramm. Welches Angebot die geeignete Wahl ist, entscheiden die jeweiligen Anforderungen. Das gleiche gilt auch für die Anschlusstechnologien – ob Schraub- oder Federanschluss. Der Schraubanschluss ist als Zugbügel- oder als Bolzen-Anschluss ausgeführt, der Federanschluss in Push-In- oder Zugfeder-Technologie. Mit dem Weidmüller Configurator (WMC) steht eine Software bereit, die die Auswahl, Projektierung und Bestellung von Tragschienenkomponenten bis hin zu einbaufertigen Klemmenleisten stark beschleunigt und somit die gesamte Effizienz im Engineeringprozess steigert. Klippon Connect ist eine weitere Pionierleistung von Weidmüller in der industriellen Verbindungstechnik.

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Konsequente Internationalisierung

Weidmüller setzte schon früh auf Internationalisierung, diese Entwicklung wird in den 2000er-Jahren konsequent vorangetrieben. Im Jahr 2003 wird in China eine Produktionsgesellschaft gegründet, 2011 der langjährige Partner Conexel in Brasilien übernommen. In den letzten Jahren erfolgten Gründungen von Gruppenunternehmen in Dänemark und Finnland. Die starke internationale Präsenz unterstreichen 27 Vertriebsgesellschaften und 60 exklusive Vertretungen. Die Exportquote liegt bei ca. 75 Prozent.

Digitalisierung bringt neue Aufgaben

Auch auf dem heimischen Markt expandieren die Verbindungsprofis. Schon früh beschäftigten sie sich mit dem Themenfeld Industrie 4.0, engagierten sich dazu in zahlreichen Gremien, Verbänden sowie Forschungsnetzwerken und entwickelten neue Lösungen für die Automatisierung und Digitalisierung.

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Die digitale Transformation plattformunabhängig vorantreiben – dieses Ziel verfolgt Weidmüller mit dem offenen, individuell skalierbaren Automatisierungsbaukasten U-mation, der von Beginn an Industrie-4.0-fähig gestaltet worden ist. Die Anbindung an Cloud-Systeme ist hier ebenso selbstverständlich wie die Möglichkeiten zur Echtzeitkommunikation und Datenanalyse, durchgängig vom Daten erfassenden Sensor bis zur Cloud. Damit steht eine umfassende Toolbox für Industrie 4.0 zur Verfügung. Bestandteil darin ist auch Industrial Analytics, eine Analyse-Software für die vorausschauende Wartung im Maschinen- und Anlagenbau. Die leistungsstarke Software wertet Datenmuster aus, erkennt so Fehler und kritische Abweichungen der technologischen Parameter frühzeitig. So können im laufenden Betrieb Vorhersagen über einen zukünftig anstehenden Wartungsbedarf getroffen und Serviceeinsätze optimal geplant werden.

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Fazit: Ob Textilindustrie, elektrische Verbindungstechnik oder die digitale Transformation bis hin zur Analysesoftware – stets zeichnete sich Weidmüller durch innovative Produkte und Lösungen aus, so dass ein international agierendes Unternehmen mit Weltruf entstand. Der Name Weidmüller steht heute für ein erfolgreiches Familienunternehmen und ist zugleich auch zu einem Synonym für Innovationen auf höchstem Niveau und einem Vorreiter im Bereich Industrie 4.0 geworden.

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