Suchen

Interview mit Hy-Line

Von der Idee bis hin zum finalen Produkt: Ein Distributor strukturiert um

| Autor/ Redakteur: Ines Stotz / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Hy-Line entwickelt sich vom Distributor zum Anbieter kompletter Systemlösungen. Produktionsmanager Jochen Schwob berichtet über die damit verbundenen Herausforderungen die ein Produktionsprozess mit sich bringt und darüber, was die Kunden davon haben.

Firmen zum Thema

Eine reibungslose Zusammenarbeit aller involvierten Fertigungspartner und Lieferanten ist der Schlüssel zum Erfolg.
Eine reibungslose Zusammenarbeit aller involvierten Fertigungspartner und Lieferanten ist der Schlüssel zum Erfolg.
(Bild: Hy-Line)

Um sowohl seine Strategie als Hersteller zu unterstreichen, als auch gleichzeitig sein Systemgeschäft weiter auszubauen, wurde mit Jochen Schwob ein Produktionsmanager installiert, der sich für die Qualifizierung und Bewertung neuer Partner in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen Projektmanagement, Business Development, Engineering sowie Environment & Compliance verantwortet. Im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG berichtet er über die damit verbundenen Herausforderungen.

Bildergalerie

elektrotechnik AUTOMATISIERUNG: Herr Schwob, Hy-Line entwickelt sich seit geraumer Zeit vom reinen Komponentendistributor zum Anbieter von kompletten Systemlösungen für die Industrie. Welche sind das und was bedeutet die Neuausrichtung für Sie und Ihre Kunden?

Jochen Schwob, Produktionsmanager, Hy-Line: „Wir unterstützen unsere Kunden nun vom einfachen Bauteil bis zum komplexen System vollständig.“
Jochen Schwob, Produktionsmanager, Hy-Line: „Wir unterstützen unsere Kunden nun vom einfachen Bauteil bis zum komplexen System vollständig.“
(Bild: Hy-Line)

Jochen Schwob: Unsere Neuausrichtung ist ein kontinuierlich voranschreitender Prozess, der sich über die letzten acht Jahre aus den Marktanforderungen ergeben hat. Mit Einführung der PCAP-Touch-Technologie im Zuge der i-Phone Touch Revolution sind hierbei die ersten Schritte gemacht worden, da auch hier Hy-Line bereits zu über 90 Prozent kundenspezifische Lösungen anbietet. Die gewonnenen Erfahrungen, die bei PCAP-Lösungen mit den Peripheriekomponenten zu beachten sind, haben zu einem umfassenden und weitreichenden Verständnis geführt, welches für ein finales Komplettsystem essentiell ist. Somit waren wir bereits in der Vergangenheit beratend und unterstützend in der Auswahl aller betreffenden Bauteile für ein funktionierendes System tätig.

Durch die gesteigerten Anforderungen und Erwartungen des Marktes ist nun ein vermehrter Bedarf zu verzeichnen, Lösungen vollständig aus einer Hand zu bekommen. Gerade wenn es darum geht in komplexen Anwendungen Fehlerquellen durch verschiedene Partner zu vermeiden, sind viele unserer Kunden auf der Suche nach einer One-Stop-Shopping Lösung, welche wir anbieten. Unsere Expertise aus der Bauteildistribution kommt uns hier nun doppelt zu Gute. Die gezielte Verstärkung der Hy-Line mit erfahrenen Kollegen aus den Bereichen Konstruktion, Projektmanagement und Systemdesign haben die letzten offenen Punkte geschlossen.

Somit unterstützen wir unsere Kunden nun vom einfachen Bauteil bis zum komplexen System vollständig. Sei es bei der Auswahl des für die Kundenapplikation geeigneten Displays, Touchscreen, Embedded Board oder Komponente aus dem Bereich Signalmanagement über vollständigen Box-PCs, Fronteinheiten für HMIs hin zu vollständigen Stand-alone-Geräten zum Beispiel aus dem Bereich der Kassensysteme.

Sie verantworten diese neue Strategie als neuer Produktionsmanager. Was sind Ihre Aufgaben und was ist Ihr Anspruch?

Die Strategie hierzu wird durch das gesamte Team der Hy-Line getragen und entwickelt. Meine Aufgabe hierbei ist die Kommunikation mit den verschiedenen Abteilungen und Fertigungs-Partnern. Der Vorteil eines Fabless-Herstellers wie Hy-Line ist die große Flexibilität. Sowohl im technologischen Bereich wie auch bei Fertigungslosgrößen können wir hier individuell auf die Anforderungen unserer Kunden und die jeweiligen Projekte eingehen.

Eine reibungslose Zusammenarbeit aller involvierten Fertigungspartner und Lieferanten ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Unser Anspruch hierbei ist es, die zuvor für das Projekt definierten Qualitätsrichtlinien, technischen Anforderungen, Lieferzeiten und Produkteigenschaften über die gesamte Liefer-/ Produktionskette sicherzustellen. Hieraus ergibt sich für mich die Aufgabe, die jeweiligen Prozesse und Abläufe, in Kombination mit den jeweiligen Fachabteilungen in unserem Haus, zu definieren, zu koordinieren und sicherzustellen. Auch stehe ich, in enger Zusammenarbeit mit meinen Vertriebskollegen, den Kunden zur Seite wenn es zum Beispiel um Produktionsanpassungen, weiterführende Dienstleistungen oder Lieferzeitoptimierungen geht.

Sie bieten im Systemgeschäft Ihren Kunden also von der Idee bis zur (Serien-)Fertigung alles aus einer Hand. Was umfasst das und wie sieht solch eine Fertigungsplanung konkret aus?

Richtig, unser Anspruch ist es, den Kunden von der Produktidee bis hin zum finalen Produkt zu unterstützen. Unser Service beginnt hier bereits durch die Kollegen im Außendienst. Durch die gemeinsame Ermittlung des Anwendungsfalls, des Einsatzgebietes und der technischen Möglichkeiten werden im Vorfeld etwaige Herausforderungen und Besonderheiten eruiert. Dies beginnt beispielsweise bei der Definition der technischen Werte wie Helligkeit, LED-Lifetime und Blickwinkel eines Displays oder der Zusammenstellung der geeigneten und kompatiblen Komponenten in einem Embedded System.

Die Erfahrungswerte aus den bisherigen Projekten und die damit verbundenen Lösungsansätze werden in regelmäßigen Schulungen und Meetings firmenweit geteilt. Somit profitieren alle unsere Kunden von einem weitreichenden Erfahrungsschatz.

Nach Erstellung der Lasten-/Pflichtenhefte, Konstruktionszeichnungen, Produktionsunterlagen und den entsprechenden Freigaben starten wir mit einem Musteraufbau. Dieser dient gleichzeitig dazu, eventuell nötige Optimierungen in den jeweiligen Fertigungsschritten einfließen zu lassen. Durch die vorgelagerte FMEA-Analyse sind dies meist nur Kleinigkeiten um den Produktionsablauf zu verbessern.

Auch ist die Definition der jeweiligen Prüfschritte und Mittel bei den unterschiedlichen Fertigungspartnern und Vorlieferanten essentiell. Ziel ist es, unter wirtschaftlichen Aspekten die Qualität innerhalb der Wertschöpfungskette sicherzustellen.

Was ist das Besondere, mit dem sich Hy-Line neben den ‚Großen‘ der Branche behaupten kann?

Die hohe Flexibilität einer nicht standortgebundenen Produktion verschafft uns hier Vorteile. Durch die Spezialisierung der jeweiligen Partner sind wir zum Beispiel in der Lage, unterschiedliche Fertigungsqualitäten anzubieten, etwa nach Medizinstandard, ohne die damit verbundenen Kosten auf alle Projekte umlegen zu müssen.

Ebenso verhält es sich bei den Projektgrößen. Je nach Anforderung, können wir hier von einigen Hundert bis zu mehreren Hunderttausend Stück im Jahr unsere Kunden bedienen. Die Anschaffung von eventuell nötigen Produktionsanlagen oder Prüfmitteln für ein gesondertes Projekt ist durch die entsprechende Vorauswahl der Lieferanten ebenfalls minimiert.

Auch können wir durch unser Partnernetzwerk unterschiedlichste Anforderungen erfüllen. Einige Kunden sind etwa rein auf Software spezialisiert, möchten aber zukünftig ein vollständiges eigenes Produkt anbieten können. Durch Design, Konstruktion, Metallbau, PCB-Fertigung, Kabelkonfektionierung, Prüflabore usw. können wir den Kunden soweit wie gewünscht unterstützen ohne hier eigene extra Ressourcen zu binden oder sogar erst schaffen zu müssen.

Auch wenn der Kunde sein Produkt erweitern möchte, Stichwort Industrie 4.0, kann er sich weiter auf sein Kerngeschäft konzentrieren und profitiert zeitgleich von unseren langjährigen Erfahrungen ohne hier erst eine eigene Lernkurve durchlaufen zu müssen.

Industrial Usability DayMaschinen müssen einfach zu verstehen und bedienen sein – aber wie werden sie benutzerfreundlicher? Und was bringt die Usability? Auf dem Industrial Usability Day erfahren Anwender, wie sie die optimale Mensch-Maschine-Interaktion gestalten.
Mehr Infos: Industrial Usability Day

Wie stellen Sie die Qualität in der Fertigung sicher bzw. wie vermeiden Sie dabei Serien- und produktionsbedingte Fehler?

Qualitätssicherungsvereinbarungen und projektbezogene Sondervereinbarungen sind hier ein sehr wichtiger Punkt. Im Rahmen der FMEA-Analyse werden an den kritischen Produktionsschritten die Prüfschritte und Prüfmittel im Vorfeld definiert. Gemeinsam mit der Abteilung Qualitätssicherung sind hierzu teils vollautomatische Prüfdokumentationen eingesteuert. Gerade bei neu anlaufenden Projekten ist es zu Beginn besonders wichtig, die jeweiligen Schritte zu überprüfen und auch die Wirksamkeit der Prüfungen zu ermitteln. Entsprechende Anpassungen an die Prüfzyklen, -quoten und -methoden werden dann im laufenden Projekt vorgenommen, um hier die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Darüber hinaus gewährleisten wir durch unser anspruchsvolles Qualifizierungs- und Auswahlverfahren eine sichere Qualität.

Welche Branchen sprechen Sie an?

Durch die weitreichende Fertigungstiefe sprechen wir mittlerweile nahezu alle Branchen an. In der Vergangenheit kamen unsere Kunden zu über 2/3 aus dem industriellen Bereich. Die übrigen Kunden haben sich aus der Medizin-, Bahn- und Digital Signage Branche zusammengesetzt. Seit unserer Erweiterung auf das vollständige Systemgeschäft sind wir nun auch für andere Kundenkreise interessant geworden, für solche für die Hardware bisher nur Mittel zum Zweck war. Diese sind zum Beispiel aus dem Bereich der Home Automation, IoT, Weiße-Ware, POS-Systeme bis hin zu Drilling- und Miningapplikationen im EX-Schutzbereich.

Für Kunden wird es immer wichtiger, zuverlässige Produkte schnell auf den Markt zu bringen. Wie unterstützen Sie?

Die schnellen Time-to-Market Anforderungen sind auch für uns ein wichtiger Punkt. Gerade in Zeiten der schnellen Produktinnovationen sind die klassischen Entwicklungszeiten von 24 bis 36 Monate nicht mehr attraktiv. Um hier gegenzusteuern, greifen wir auf bereits bestehende Produkte und Komponenten zurück und passen diese für die jeweiligen Kundenprojekte an. Gerade unsere Konstruktion- und Designabteilung hat hier häufig Lösungen die den Kundenanforderungen gerecht werden und ein überzeugendes Ergebnis ermöglichen. Aber auch wenn es um eine vollständige Neuentwicklung geht ist die Vorarbeit der Lieferanten- und Bauteilqualifizierung hilfreich, um die Entwicklungszeiten kurz zu halten.

Wie ist aktuell das Verhältnis Ihres Geschäftes mit reiner Distribution zu Entwicklungs-Dienstleistungen?

Die Distribution ist unser Ursprung und hat somit die Basis geschaffen für unsere Weiterentwicklung bis hin zum Systemhersteller.

Eine konkrete Aussage zum aktuellen Verhältnis der Distribution zum Systemgeschäft ist schwer zu beziffern da die Grenzen hier fließend sind. Das Entwicklungs-/ Dienstleistungsgeschäft wächst allerdings deutlich an. Auch die personelle Entwicklung innerhalb der Hy-Line zielt 100 Prozent auf diesen Geschäftsbereich ab und wird uns hier weitere Möglichkeiten bieten um die Kunden noch umfassender zu unterstützen.

SEMINARTIPPImmer mehr Ingenieure aus Konstruktion, Entwicklung, dem Projektmanagement oder anderen technischen Bereichen wechseln in den technischen Vertrieb. Das Seminar „Vertriebsstrategien für Ingenieure“ hilft Einsteigern wie Fortgeschirttenen, in den neuen Aufgaben erfolgreich zu sein.
WeitereInformationen

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46135731)