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Industrielle Markierung

Vor der realen kommt die digitale industrielle Markierung

| Autor/ Redakteur: Berni Lörwald* / Ines Stotz

Alle in der Industrie eingesetzten Komponenten müssen gekennzeichnet werden. Benötigt wird dazu ein Markierungsprogramm – bestehend aus Material, Drucksystemen sowie Planungs- und Markierungs-Software.

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Industrielle Markierung: intuitive und benutzerfreundliche Gesamtlösungen erleichtern die Arbeit – von der Planung bis zur fertigen Kennzeichnung.
Industrielle Markierung: intuitive und benutzerfreundliche Gesamtlösungen erleichtern die Arbeit – von der Planung bis zur fertigen Kennzeichnung.
(Bild: Phoenix Contact)

Markierungen sind nicht nur sinnvoll, sondern häufig durch Vorschriften geregelt. Will man sich dem Thema „Industrielle Markierung“ – Markierung steht dabei als Synonym für Kennzeichnung – systematisch nähern, betrachtet man drei Hauptaspekte: Warum, was und vor allem wie wird markiert? Zum „Wie“ gehört neben der richtigen Wahl der Markierungstechnik auch die digitale Instanz der Markierung in der Planungs- und Markierungs-Software. Die Software verbindet alles miteinander – schon bevor es ans eigentliche Markieren geht, spielt sie die entscheidende Rolle. Zunächst muss entschieden werden, welche Markierungstechnik für die gegebene Umgebung eingesetzt wird. Steht das Markierungssystem, kommt die Frage auf, wie effizient die Daten von übergeordneten Systemen zum Drucker fließen.

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Warum wird markiert – Vorschriften und Normen

In der industriellen Welt erfordert die – auch vor dem Hintergrund der Digitalen Transformation – zunehmende Komplexität und Vernetzung eine dauerhafte und eindeutige Kennzeichnung aller Komponenten. Viele Unternehmen werden für den technisch sicheren Betrieb und die einwandfreie Ablauforganisation zertifiziert. Eine detaillierte Dokumentation sämtlicher Anlagenteile ist zudem wichtige Voraussetzung für hohe Qualitätsstandards. Und das gilt nicht nur für die Planung und Errichtung der Anlagen, sondern auch für sämtliche Modifikationen und Erweiterungen. Viele Branchen – von der Chemischen Industrie bis zur Trinkwasserversorgung – sind zudem hochsensibel. Schon deshalb müssen Anlagentechniker gerade im Service-Fall jederzeit schnell und effizient auf alle Anlagenteile zugreifen können. Lange Wartungs- und Service-Zeiten würden zudem Verteilernetze lahmlegen.

Ein gutes Beispiel für die umfassende normgerechte Kennzeichnung und Dokumentation aller Anlagenteile und Betriebsmittel ist das KKS – das Kraftwerk-Kennzeichensystem. Gemäß KKS werden sämtliche Anlagen, Anlagenteile und Geräte aller Kraftwerksarten nach Aufgabe, Art und Ort gekennzeichnet. Anwenden müssen es die Fachbereiche für Planung, Genehmigung, Errichtung, Betrieb und Instandhaltung. Das KKS oder Teile davon lassen sich mit anderen Kennzeichensystemen kombinieren, um zusätzliche Kennzeichnungsanforderungen zu erfüllen. Das KKS steht in engem Zusammenhang zu den nationalen und internationalen Vorgaben für die Kennzeichnung von Kraftwerksanlagen – insbesondere DIN 6779 und IEC 81346.

Was wird markiert – die Komponenten

Markiert werden Anlagenteile, Betriebsmittel, Geräte, Klemmenleisten und Leiter, Steckverbinder und Kabel. Im Hinblick auf die Markierungen spielt der Einsatzort der Komponenten eine wichtige Rolle, da die Beständigkeit der Markierung durch die Umweltbedingungen stark beeinflusst wird: Sind die Komponenten im Schaltschrank verbaut, wo alles sauber und geschützt ist? Im Feld oder in der Fertigungshalle, wo es staubt, spritzt oder vibriert? Oder im Außenbereich, wo Licht, Witterung oder chemische Mittel und Dämpfe den Komponenten zusetzen?

Die zu markierenden Komponenten bestehen aus recht unterschiedlichen Materialien – meist sind es Kunststoffe oder Metalle. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob die zu markierenden Komponenten bereits eine Markierungsnut besitzen – als integraler Bestandteil zur späteren Anbringung der Markierungsschildchen. Elektronikgeräte hingegen bieten plane Flächen für Aufkleber. Kleben, Schrauben, Nieten und Verrasten sind Montagearten für Markierungen. Für alle diese Fälle gibt es unterschiedliche Markierungslösungen – womit wir beim nächsten Thema wären.

Wie wird markiert? Material und Verfahren

Material und Verfahren einer Markierung richten sich nach den Komponenten. Markierungen im Außenbereich benötigen andere Werkstoffe und Verfahren als die Kennzeichnung von Reihenklemmen im Schaltschrank. Auch Verarbeitungszeit und -kosten spielen eine Rolle. Werkstücke und Bauteile lassen sich individuell und anwendungsabhängig mit Daten in Form von Klartext, Symbolen und Barcodes bedrucken. In vielen Branchen erfolgen Kennzeichnung und Identifikation von Bauteilen, Baugruppen oder Betriebsmitteln auch mit Hilfe von RFID-Transpondern, die keine optische Lesbarkeit erfordern.

Eine hilfreiche Klassifizierung bieten die Kategorien Markierungsmaterial und -verfahren. Für die bedarfsgerechte Markierung kommen vielfältige Materialen und Formate zum Einsatz: Schilder und Etiketten aus Kunststoff, Edelstahl oder Aluminium. Zu den Formaten zählen Rollen ebenso wie Karten und Matten.

Erkennt der Drucker das ihm zugeführte Material automatisch, werden Fehldrucke vermieden. Hohe Lesbarkeit auf lange Zeit bieten Lasermarkierer, die – etwa bei farbigen Aluschildern – die obere Schicht des Materials abtragen. Für nahezu jede Markierungsanforderung gibt es ein passendes Markierungsverfahren mit dem dazugehörigen Gerät: Lasermarkierer, High-Speed-Drucker mit UV-LED-Technologie, Plotter- und Gravursysteme, Thermotransferdrucker – um die wichtigsten zu nennen. Vorteilhaft ist, wenn sich die Geräte von einer einheitlichen, benutzerfreundlichen Bedienoberfläche aus steuern lassen.

Interessant ist auch die Frage, wo die Markierungen erzeugt werden. Das kann im Büro sein, wo der Drucker steht, aber auch ganz in der Nähe der Anlage auf dem Desktop-Drucker. Sollen Aufgaben und Arbeitsabläufe noch flexibler gestaltet werden, kann auch ein Handheld-Drucker direkt vor Ort eingesetzt werden. Aber auch außerhalb des Unternehmens kann gedruckt werden – etwa per kundenspezifischem Druckservice: Phoenix Contact beschriftet Markierungsmaterial nach Kundenwunsch, die Beschriftungen werden online erstellt und am gleichen Tag noch verschickt.

Markierung 4.0 und die digitale Repräsentation

Das „Wie“ der Markierung hat noch eine andere Dimension – die Planungs- und Markierungs-Software. Nicht umsonst gibt es eine Software für Planung und Markierung – denn bevor der Drucker das erste Schildchen bedruckt, existiert häufig die vollständige Klemmenleiste bereits digital. Phoenix Contact bietet hier die Software „Project complete“ für den durchgängigen Datenfluss von der Planung bis in die Fertigung. Die Software bildet die Klammer, die alles zusammenhält und die Komplexität beherrschbar macht.

Project complete ist die derzeit innovativste Lösung für die einfache Planung von Klemmenleisten und die unkomplizierte Erstellung der dazugehörigen Markierungen. Dabei erfolgt die Projektierung intuitiv – über intelligente Funktionen und eine individualisierbare Benutzeroberfläche. Die Software sorgt also für die digitale Vernetzung aller Prozessschritte – angefangen bei der CAE-Projektierung bis hin zur Montage des fertigen Produkts.

Hier wird deutlich, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Schaltschrankproduktion von morgen nimmt. Die digitale Repräsentation eröffnet viele Möglichkeiten – etwa die automatisierte robotergestützte Klemmenleistenfertigung, wie sie schon heute als Vorzeige-Projekt zu Industrie 4.0 erfolgt.

Ergänzt wird die Software durch ein gut aufeinander abgestimmtes Markierungssystem, das sich leicht bedienen lässt. Anwender können mit nur einer Software mehrere und unterschiedliche Drucksysteme zentral ansteuern und über 3000 Markierungsmaterialien verarbeiten. Das Markierungs-System von Phoenix Contact zielt in seiner Vollständigkeit auf die Vereinfachung des Markierungsprozesses.

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Weitere Informationen

* Berni Lörwald, Corporate Communications, Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg

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