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Ratgeber Wie aus Flüchtlingen Fachkräfte werden

| Redakteur: Katharina Juschkat

Über eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Die Integration der Neuankömmlinge ist eine enorme Aufgabe. Viele Unternehmen wagen sich noch nicht an konkrete Angebote heran. Die Friedhelm Loh Group gibt jetzt in einem Ratgeber praxisnahe Tipps, wie Unternehmen aus Flüchtlingen gute Fachkräfte machen können.

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Das Azubi-Patenmodell hat sich bei Rittal bewährt. Gleichaltrige Azubis stehen den Flüchtlingen zur Seite, sind Ansprechpartner und Helfer bei schulischen, beruflichen und persönlichen Herausforderungen.
Das Azubi-Patenmodell hat sich bei Rittal bewährt. Gleichaltrige Azubis stehen den Flüchtlingen zur Seite, sind Ansprechpartner und Helfer bei schulischen, beruflichen und persönlichen Herausforderungen.
(Bild: Rittal GmbH & Co. KG)

Ein Jahr ist es jetzt her, seit Khaibar Fatehzada zum ersten Mal an einer Werkbank stand und an einer Tischlampe schraubte. Nach seiner Flucht aus Afghanistan war das Praktikum beim mittelhessischen Schaltschrank- und Systemanbieter Rittal sein Hoffnungsschimmer auf ein neues Leben in einer neuen Heimat. Als ehrgeizig, fleißig und zuverlässig beschrieben die Ausbilder den damals 26-Jährigen, als er mit sieben weiteren Flüchtlingen die Grundkenntnisse in den Bereichen Elektrotechnik und Mechatronik erlernte. Als dankbar und glücklich beschrieb er sich selbst, als er die Nachricht erhielt, in eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer beim Familienunternehmen starten zu können.

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„Vor einem Jahr hätte ich nicht geglaubt, dass ich heute hier stehen würde“, sagt Fatehzada und schaut sich mit einem breiten Lächeln in seiner Arbeitsumgebung um. „Der Kontakt zu den Kollegen, die abwechslungsreiche Arbeit, die Möglichkeit auf eigenen Beinen zu stehen – für mich hat diese Ausbildungsstelle einfach alles verändert.“

Das Berufsleben als beste Möglichkeit zur gesellschaftlichen Integration

Über eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 25 Jahren – im besten Alter für die Integration durch eine Berufsausbildung oder Qualifizierung. Viele Unternehmen wagen sich noch nicht an konkrete Angebote heran. Zu hoch scheint der Aufwand, zu unsicher der Erfolg, zu groß die Vielzahl an gesetzlichen Vorgaben. Das Projekt der Friedhelm Loh Group galt bereits 2015 als Vorzeigeprojekt im Bereich der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Heute haben vier Flüchtlinge eine Ausbildungsstelle bei Rittal, der größten Tochtergesellschaft der Friedhelm Loh Group. Zukünftig soll die Quote der Flüchtlinge unter den gewerblich-technischen Auszubildenden im Unternehmen bei 10 % liegen, erklärt Inhaber und Vorstandsvorsitzender Dr. Friedhelm Loh: „Das Berufsleben bietet die beste Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Arbeit ist wesentlicher Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens. Dadurch können Menschen ihr Wissen unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.“

Aufgrund des großen Erfolgs und der vielen positiven Erfahrungen auf beiden Seiten hat das Unternehmen jetzt einen Ratgeber herausgebracht, damit noch mehr Ausbildungsbetriebe Projekte zur Integration starten und den gesellschaftlichen Fortschritt aktiv mitgestalten. Der praxisnahe Ratgeber zeigt konkrete Lösungswege zur beruflichen Qualifizierung von Flüchtlingen auf, gibt Tipps und Hilfestellung, listet Anlaufstellen und motiviert zum Nachahmen.

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