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Biogas Wie viel Energie in Schokolade steckt

| Redakteur: Carina Schipper

After Eight, Kit Kat oder Smarties - zu Ostern auch in Hasen- oder Kükenform - kennt jedes Kind. Süßwaren von Nestle stehen auf der ganzen Welt in den Supermarktregalen. Der Lebensmittelkonzern zeigt, wie sich aus Schokoriegeln und Co. Energie für die Produktion gewinnen lässt.

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Schokolade zaubert vielen Kindern ein Lächeln ins Gesicht und liefert Energie für die Produktion.
Schokolade zaubert vielen Kindern ein Lächeln ins Gesicht und liefert Energie für die Produktion.
(Bild: Conor Luddy, CC BY 2.0, flickr.com)

Bei der Produktion von Süßwaren fallen immer wieder Reste und Abfälle an, die der Hersteller weder wiederverwenden noch verkaufen kann. In der Schokoladen-Fabrik im englischen Newcastle-upon-Tyne nutzt Nestle den Süßwaren-Ausschuss zur Energiegewinnung und Wasseraufbereitung. Dahinter steht ein Prinzip, das sich Nestle aus der Natur abgeschaut hat: der Fäulnisprozess. Die Briten zerkleinern den Abfall und gießen ihn mit gebrauchtem Wasser aus der Produktion und deren Reinigung zu einer Art „Schokoladen-Suppe“ auf. Diese Brühe füllen sie in einen luftdichten Tank. Im sauerstoffleeren Raum zersetzen Bakterien das organische Material. Dabei entstehen eine Reihe nützlicher Nebenprodukte. Bei der Aufspaltung der Schokoladen-Suppe fällt auch Energie an. Ähnliche dem Verfahren in Biomasse-Kraftwerken verwendet Nestle diese, um einen Teil des Energiebedarfs des Werks zu decken. „Das System erlaubt uns, härtere Reste wie stärke-basierte Mischungen dem Prozess hinzuzufügen, zusammen mit Ausschuss-Produkten und anderen Materialien.“, erklärt Inder Poonaji, der Nachhaltigkeitsbeauftragte von Nestle UK und Irland. „Solange das Material biologisch abbaubar ist, kann die anaerobe Umwandlung stattfinden. Der Müll, den wir umwandeln würde ansonsten extern entsorgt werden.“

Biogas übernimmt 10 % des Energiebedarfs

Unter allen Nebenprodukten beim Abbau organischen Materials nimmt Biogas den größten Anteil ein. Das erneuerbare Gas besteht hauptsächlich aus Methan und Kohlendioxid. Bei der Verbrennung des Biogases entsteht genug Wärme und Strom, um 10 % des gesamten Energieverbrauchs am Standort zu übernehmen. Neben grüner Energie trägt die „Schokoladen-Suppe“ auch zu sauberem Abwasser bei. Sie verbessert die Qualität des gebrauchten Wassers der Fabrik. Mit der jährlichen Menge ließen sich 41 Olympia-Schwimmbecken füllen, heißt es aus Fawdon.

Bis Nestle das volle Potential der Schokoladenverwertung ausschöpfen konnte, brauchte es Zeit und Geld. In einem dreimonatigen Pilotprojekt erprobte der Süßwarenfabrikant das Verfahren. „Es gab viele Faktoren zu berücksichtigen,“ berichtet Inder Poonaji. „Die Entscheidung welche Bakterien zum Einsatz kommen, forderte beachtliche Forschung und Tests. Wir mussten in einem kleinen Maßstab beginnen, bevor wir weitermachen konnten.“ Mit einem Investitionsvolumen von 4,7 Millionen Schweizer Franken ist das englische System nicht gerade billig. Ein Grund, warum andere vor der Einführung einer solchen Anlage, zurückschrecken könnten, so Nestle. Im Verhältnis zu den Einsparungen erwartet das Unternehmen eine Amortisationszeit von etwa vier Jahren. Heute findet der Faulprozess ein einem großen Tank mit natürlich auftretenden Bakterien statt. Darin bauen diese am Tag circa 4 t Süßwarenabfall und 200.000 l Abwasser ab. Damit bleibt kein Müll am Standort mehr übrig. Das Unternehmen strebt an das auch in anderen seiner Fabriken zu erreichen. Eine Kaffeefabrik im schweizerischen Orbe beispielsweise hat das Biomasse-Verfahren ebenfalls installiert und weitere Standorte werden folgen. Der Konzern plant bis 2020 den Großteil seiner fast 150 Fabriken in Europa mit einem passenden System auszustatten und die Abfallproduktion so auf null zu senken.

Bild: Conor Luddy, CC BY 2.0, flickr.com

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