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Safety – Arbeitsschutz Wiederkehrende Prüfung ist ein Muss

| Autor/ Redakteur: Pascal Staub-Lang* / Ines Stotz

Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, wird die sichere Funktion von Schutzeinrichtungen an gefährlichen Maschinen oft nicht ausreichend geprüft. TÜV SÜD kennt alle Anforderungen, Umfänge und Fristen der Prüfpflichten.

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Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen, für die Sicherheit ihrer Mit­arbeiter zu sorgen. Insbesondere Schutzeinrichtungen an gefährlichen Maschinen kommt eine große Bedeutung zu.
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen, für die Sicherheit ihrer Mit­arbeiter zu sorgen. Insbesondere Schutzeinrichtungen an gefährlichen Maschinen kommt eine große Bedeutung zu.
(Bild: © kerkezz – stock.adobe.com)

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen (BWS) wie Lichtvorhänge und Laserscanner halten gefahrbringende Maschinenzustände an, wenn Personen den Gefahrenbereich betreten oder hineingreifen und zwingen Maschinen, einen sicheren Zustand einzunehmen.

Hersteller und Betreiber in der Pflicht

Als elektronische Sicherheitsbauteile unterliegen BWS den Anforderungen der EG-Maschinenrichtlinie (MaschRL). Integriert in eine Maschine versichert der Maschinenhersteller über die Konformitätserklärung, dass seine Anlage inklusive Schutzeinrichtungen den Anforderungen entspricht. Die Vorgaben der MaschRL setzt in Deutschland das Produktsicherheitsgesetzt (ProdSG) um. Internationale und nationale Normen für Schutzeinrichtungen konkretisieren die Bestimmungen des ProdSG – in diesem Fall die DIN EN 61496-1.

Anwendertreff Maschinensicherheit

Die Maschinensicherheit ist ein wichtiges Thema: Die richtigen Normen müssen berücksichtigt und die Anforderungen der Maschinenrichtlinie müssen eingehalten werden. Der Anwendertreff Mascinensicherheit unterstützt Entwickler und Konstrukteure, die funktionale Sicherheit von Maschinen und Anlagen zu gewährleisten.

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Arbeitgeber als Nutzer dieser Maschinen müssen laut Arbeitsschutzgesetz die Sicherheit ihrer Anlagen erhalten. Die sichere Funktion einer Schutzeinrichtung muss zu jeder Zeit gegeben sein. Dies ist in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) festgeschrieben. Vor der ersten Verwendung eines Arbeitsmittels, zu denen auch Maschinen zählen, nimmt der Betreiber eine Gefährdungsbeurteilung (§ 3, Abs. 3) vor: Dazu gehört eine Analyse der Gefahrensituation und bei Bedarf die Einleitung weiterer Schutzmaßnahmen.

Arbeitsmittel, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängt, sind ebenfalls im Vorfeld zu prüfen (§ 14). Hierzu gehört die Kontrolle der vorschriftsmäßigen Montage und Installation der Schutzeinrichtung, deren sichere Funktion und ordnungsgemäße Verwendung (§ 6). Besonderes Augenmerk gilt hier dem Sicherheitsabstand der BWS zur gefahrbringenden Bewegung (DIN EN ISO 13855:2010).

Eventuelle Schäden müssen dokumentiert und die Wirksamkeit der sicherheitstechnischen Maßnahmen bestätigt werden. Bei jeder Änderung an der Maschine ist diese Prüfung zu wiederholen. Das wird oft vernachlässigt.

Regelmäßige Funktionstests & wiederkehrenden Prüfung

Hersteller von BWS fordern üblicherweise regelmäßige Funktionstests. Frequenz, Umfang und Ablauf gibt der Hersteller vor – unter Umständen müssen die Tests sogar täglich erfolgen. Einfache Sicht- und Funktionsprüfungen ermöglichen es Betreibern, sich davon zu überzeugen, dass die BWS rund um die Uhr ihre Aufgabe des Personenschutzes erfüllt. Diese Prüfungen kann jede unterwiesene Person durchführen.

Aber Achtung: Sie ersetzen nicht die gesetzlich vorgeschriebene wiederkehrende Prüfung, bei der die gesamte Einbausituation, der Auslösevorgang und der Nachlauf des Systems detailliert untersucht und vermessen werden. Mit Hilfe der Technischen Regeln zur Betriebssicherheit (TRBS 1201) lassen sich unter anderem Prüfart, Prüfumfang und Prüffristen festlegen.

Bei der wiederkehrenden Prüfung muss der Betreiber folgende Fragen beantworten:

  • Erfolgten Veränderungen oder liegt eine Manipulation vor?
  • Stört die Schutzeinrichtung den Arbeitsablauf?
  • Ist die BWS in der festgelegten Position sicher montiert?
  • Gibt es eine Wiederanlaufsperre bei Personen im Gefahrenbereich?
  • Ist nach der Überführung in den sicheren Zustand eine Wiederaufnahme des Betriebs möglich?
  • Reicht der Nachlauf (vom Maschinen-Hersteller ermittelte Zeit vom Anhalten bis zum tatsächlichen Stillstand der Maschine)?
  • Ist der Sicherheitsabstand bei maximaler Nachlaufzeit groß genug?
  • Kann man den Gefahrenbereich aus einer nicht abgesicherten Richtung betreten?

Typische Fehler bei der Prüfung

Bei der Prüfung können sich schnell Fehler bei Kennzeichnung und Protokollierung ergeben, wenn man nicht über die entsprechende Erfahrung und Expertise verfügt. Zum Beispiel wird bei Erstprüfungen oft vergessen anzugeben, auf welche gefahrbringende Bewegung der Maschine sich die Messung bezieht. Häufig fehlen Vorgaben für eine einheitliche Dokumentation der Prüf- und Messergebnisse (Protokolle, Hinweisschilder, Aufkleber usw.), ältere Protokolle sind nicht mehr auffindbar oder Herstellerhinweise werden übersehen.

Kritisch wird es, wenn sich auf Hinweisschildern unterschiedliche Angaben zum Sicherheitsabstand finden. Auch einem betriebseigenen Siegel sollte man nicht blind vertrauen. So kommt es mitunter vor, dass das Prüfzeichen an einer Maschine auf die BWS angewandt wird, die nicht Bestandteil der Prüfung war.

Interessante Alternativen

Die wiederkehrende Prüfung von BWS können prinzipiell befähigte Personen durchführen (TRBS 1203). Allerdings ist die Qualifizierung von eigenen Mitarbeitern oftmals aufwendig und kostenintensiv. Deshalb beauftragen viele Unternehmen die Systemhersteller, weil die ihre Produkte gut kennen und über alle notwendigen Prüfmittel verfügen.

Eine Alternative zu eigenen befähigten Personen bieten unabhängige, qualifizierte Dienstleister wie TÜV SÜD. Die spezialisierte Prüfgesellschaft unterstützt ihre Kunden bei allen Fragen rund um die notwendigen Prüfungen und Funktionstests von berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen.

* Pascal Staub-Lang, TÜV SÜD Industrie Service

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