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Track & Trace Woher kam der Sprengstoff?

| Redakteur: Ines Stotz

Für eine effektive Terrorabwehr bedarf es nicht nur gut ausgebildeter Spezialeinheiten, sondern auch geeigneter Technik, die schon im Vorfeld hilft, etwa gestohlene Sprengsätze zu identifizieren. So wurde bei den Terroranschlägen auf Züge in Madrid 2004 gestohlener Sprengstoff genutzt. Track & Trace in der Sprengstoffindustrie soll das jetzt erschweren.

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Ab dem 5. April 2015 gilt verbindlich die eindeutige Markierung von Sprengstoff über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg.
Ab dem 5. April 2015 gilt verbindlich die eindeutige Markierung von Sprengstoff über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg.
(Bild: © fotogenix - Fotolia.com)

Die Sonne scheint, Spaziergänger genießen die Idylle im Stadtpark. Ein erstickter Schrei, die zu Tode erschrockenen Passanten werden blitzschnell von Sicherheitskräften, die bis an die Zähne bewaffnet sind, weggebracht. Eine Spezialeinheit der Polizei umstellt lautlos das anliegende Gebäude. Kurze Zeit später ist der Spuk vorbei, drei Männer werden abgeführt. Was die Ermittler dort vorfinden lässt sie schaudern: jede Menge einsatzbereiter Sprengstoff. Gerade noch einmal gutgegangen, die Terrorzelle rechtzeitig ausgehoben. Der entscheidende Hinweis kam aus der Sprengstoffindustrie.

Die lückenlose Lieferkette nach der EU-Kennzeichnungs-Richtlinie 2008/43/EG (Kennzeichnung und Rückverfolgung von Explosivstoffen für industrielle Zwecke) macht‘s möglich. Dadurch soll jederzeit nachvollziehbar sein, wer der Besitzer eines konkreten Sprengmittels ist und auf welchem Weg er dazu gelangt ist. Ziel ist eben u.a. die Terrorismus-Abwehr durch die eindeutige Markierung des Sprengstoffes über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg. Der Weg des Sprengstoffes kann somit lückenlos zurückverfolgt werden und die jeweiligen Daten aus der Sprengstoffindustrie stehen für Abfragen diverser Behörden zehn Jahre lang rund um die Uhr und transparent zur Verfügung.

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Gemeinsam mit seinen Projektpartnern erarbeitet Dynamic Systems bereits seit mehreren Jahren Lösungen für Track & Trace in der Sprengstoffindustrie und zur praxisnahen und erfolgreichen Umsetzung der EU-Richtlinie.

Frühzeitige Hardware- und Material-Sondierung

Bereits mit Beginn der ersten Überlegungen und Richtlinien-Definitionen seitens der EU-Kommission und der FEEM (Federation of European Explosives Manufacturers) im Jahr 2008, hat Dynamic Systems zahlreiche Hardwaretests (u.a. Drucker, Etiketten, Farbbänder, Scanner, Etikettiermaschinen) durchgeführt und aktiv bei der Auswahl und den Tests von Kennzeichnungsmaterialien sowie der Spezifikation der Datamatrix Codes, des Dateninhaltes und der Struktur innerhalb der Branche mitgewirkt. Zusammen mit dem Deutschen Sprengverband und dem IT-Partner TTE-Europe wurden darüber hinaus auch Schnittstellen für die verwendete Software definiert, sowie geeignete Inhalte und das Layout für die Etiketten erarbeitet.

Bei der Entwicklung wurde vor allem auf die Einhaltung der anspruchsvollen branchenspezifischen Sicherheitsvorschriften, eine robuste Ausführung, einen geringen Wartungsbedarf, die einfache Integration, den Preis und auch die Geschwindigkeit Wert gelegt.

Diese spezifisch für den jeweiligen Kunden entwickelten bzw. angepassten Lösungen für die automatische, halbautomatische oder auch manuelle Kennzeichnung von Sprengstoff sind bereits seit 2012 bei führenden Herstellern der Branche erfolgreich im Einsatz: z.B. Eurodyn Sprengmittel, Dyna Energetics, Sprewa Sprengmittel und LHS-Germany.

Sprengstoff-Etikettierung in der Praxis bewährt

1. Perforatoren-Etikettierung: Für Dyna Energetics wurde gemeinsam mit Produktionsleiter Martin Klein eine Lösung für die automatische Etikettierung bei Perforatoren an zwei Standorten in Deutschland und in den USA entwickelt. Die Aufgabenstellung bestand darin, Produkte mit einer extrem kleinen verfügbaren Fläche (max. 10 x 10 mm) mit einem Etikett von 8 x 8 mm inkl. eines EU-konformen Datamatrix-Codes in einer Roboterzelle zu kennzeichnen. Hierbei wurde vor allem auf eine möglichst hohe Geschwindigkeit und Genauigkeit bei der Kennzeichnung Wert gelegt, da der Durchsatz der Produktionsmaschinen nicht beeinträchtigt werden sollte.

Für einige Produkte, die nicht automatisch gekennzeichnet werden können, wurden zudem halbautomatische Anlagen entwickelt. Hier werden die Produkte manuell in die Maschine eingelegt und dann vom Automaten markiert.

2. Fahnen-Etiketten für Zünddrähte: Dyna Energetics ist nicht nur in der Produktion und Weiterverarbeitung von Sprengstoff tätig, sondern auch einer der führenden Hersteller von Zündern. Für diesen Anwendungsbereich wurde gemeinsam mit Dynamic Systems ein Halbautomat entwickelt, mit dem sich Fahnen-Etiketten auf den Zünddrähten anbringen lassen. Zur Kennzeichnung wird die Rolle mit vorgedruckten Etiketten in den Automaten eingelegt, zu den manuell eingebrachten Zündern befördert und das Etikett um den Zünddraht herum zu einer passgenauen Fahne gefaltet.

Auch hier wurde die Auswahl der Materialien in enger Kooperation beider Unternehmen mit getroffen und gründlich getestet, um den branchenspezifischen Anforderungen entsprechend der EU-Vorgaben mit Blick auf die Informationsvorschriften bei Sprengstoff gerecht zu werden.

„Die Projektierung und Realisierung zur Umsetzung der EU-Richtlinie ist zusammen mit Dynamic Systems erfolgreich, problemlos, schnell und zuverlässig verlaufen“, berichtet Martin Klein und ergänzt: „Die Kompetenz und das Engagement, insbesondere des Projektbetreuers Peter Michalski, haben uns zu exzellenten, praxisnahen, robusten und zudem auch preiswerten Lösungen verholfen.“

Kennzeichnungsmaterial und Druck aus einer Hand

Dynamic Systems produziert nicht nur die Etiketten. Der Systemanbieter für industrielle Kennzeichnung bedruckt diese im hauseigenen Druckcenter auch mit fortlaufenden Datamatrix-Codes nach Kundenvorgabe, prüft deren Inhalt per Scanner bzw. Kamera auf Richtigkeit und liefert die fertige Etiketten-Rollenware verarbeitungsfertig aus.

Softwarelösungen und umfassende Zusatzfunktionen für die Sprengstoffindustrie

In weiteren Schritten unterstützt das Unternehmen in diesem Projekt auch den Software-Partner TTE-Europe, um die vom Gesetzgeber ab 05.04.2015 aufgestellten Kennzeichnungsvorgaben auch für alle Händler, Speditionen und Endanwender als praktikable Track & Trace-Lösungen zu realisieren.

Die EU-Richtlinien-konforme Hardware und Software nach 2008/43/EG bietet bereits zahlreiche Zusatzfunktionen, die viele Abläufe im Unternehmen optimieren und vereinfachen, u.a. ein elektronisches Lagerbuch, XML-Dokumente für einen transparenten Lieferweg oder auch die Einbindung der vorhandenen Software mit Bereitstellung aller Daten für den internen Gebrauch (Lagerhaltung, Produktionsplanung, Stichproben, Rücklieferungen, Kommissionierungen, Inventur etc.) und vieles mehr.

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