Energiezuführungen und Leitungen Auf hoher See - So einfach wie über die Straße gehen

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Um auf dem offenen Meer von einem Schiff auf ein Windrad oder etwa eine Bohrplattform zu gelangen, werden traditionell normale Gangways oder sogar Hubschrauber eingesetzt – bei schlechtem Wetter ein schwieriges Unterfangen. Eine niederländische Firma hat eine hydraulisch angetriebene Plattform entwickelt, über die Personen jetzt sicher und bequem wechseln können.

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Der Ampelmann ermöglicht den sicheren Personentransfer auf hoher See bei Wellenhöhen bis zu drei Metern.
Der Ampelmann ermöglicht den sicheren Personentransfer auf hoher See bei Wellenhöhen bis zu drei Metern.
(Bild: Ampelmann Operations B.V., Delft)

Gerade bei starkem Seegang und Wind erfordert der Übergang besondere Umsicht und nicht selten kommt es zu Unfällen oder Verletzungen. Häufig ist der Personentransfer gar nicht möglich, damit sind Wartungsarbeiten oder der Austausch von Personal und Gütern unmöglich. So wartet man oft bessere Wetterbedingungen ab, was den Fortgang der Arbeiten aufhält und damit Kosten verursacht. Die Entwicklung des „Ampelmann“ im Jahr 2008 änderte das.

Energiezuführungen und Leitungen trotzen der rauen See

Das niederländische Unternehmen gleichen Namens hat eine hydraulisch angetriebene entwickelt, über die Personen sicher und komfortabel auf dem offenen Meer vom Schiff auf eine Bohrplattform oder ein Offshore-Windrad und zurück wechseln können. Damit wird, getreu dem Motto des Unternehmens „As easy as crossing the street“, der Transfer so einfach, wie die Überquerung einer Straße.

Mittlerweile hat das Unternehmen weltweit mehr als 20 Systeme in Betrieb, der Aufbau ist auf den meisten Schiffen oder nach dem „Plug-and-Play“-Prinzip möglich.

In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Systemintegrator JB Systems wurden für den „Ampelmann“ Energiezuführungen und Chainflex-Leitungen von Igus ausgewählt, die unter den rauen Hochseebedingungen die Versorgung der Plattform mit Energie, Signalen und Medien zuverlässig gewährleisten.

Hochschulprojekt mit Wurzeln in der Luftfahrt

Das System hat eine Gruppe von Studenten der Technischen Universität Delft entwickelt. Sein Grundprinzip kommt aus der Flugsimulatoren-Technik: Die Plattform ist an sechs Hydraulikzylindern, einem sogenannten Hexapod, montiert. Daran ist eine ein- und ausfahrbare Gangway angebracht. Die konstante Messung der Bewegungen des Schiffes und die daraus resultierenden Steuersignale erlauben es, die Zylinder unterhalb der Plattform so zu steuern, dass der Ampelmann die Bewegungen des Schiffs vollständig kompensiert.

Stabile Plattform – wie auf dem Festland

Auf diese Weise bleiben Gangway und Plattform so stabil, als wären sie auf dem Festland montiert und ermöglichen Personen damit einen vollkommen sicheren Übergang. Außerdem kann der Bediener der Plattform dank mehrerer Kameras die ausfahrbare Gangway genau positionieren und sich jederzeit des Wohlbefindens der überquerenden Personen versichern.

Mehrere redundante Systeme sorgen bei Ausfall oder Schäden für eine zuverlässige Funktion. Da die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems bei der Entwicklung besonders im Fokus stand, waren gerade bei den Energiezuführungen und Leitungen sichere Lösungen gefragt, die die Bewegungen und Umgebungsbedingungen dauerhaft verkraften.

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