Cyber-Physische Systeme

Der Milchbote für die Schaufensterfabrik

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Durch „Milkrun 4.0“ 30 Prozent weniger Aufwand

Die BIBA-Aufgaben in dem Verbundprojekt lagen unter anderem in der Entwicklung eines Cyber-Physischen Logistiksystems sowie in der Anpassung autonomer Steuerungsmethoden. Ein plastisches Beispiel für den Gewinn in der Produktionslogistik durch die neue Technologie ist der „Milkrun 4.0“, ein Versorgungsfahrzeug, das in der Fabrik von morgen für den bedarfsgerechten Nachschub an Material sorgt. Das BIBA entwickelte das Konzept, die Umsetzung lag bei Projektpartner aio IT for logistics, die erste Erprobung erfolgte im Kompetenz- und Transferzentrum des BIBA und der prototypische Test im realen Umfeld in der Schaufensterfabrik. Wie beim Milchboten, der nur dann eine neue Milchflasche vor der Tür abstellte, wenn dort ein leere Flasche stand, es also einen Bedarf an Nachschub gab, liefert der „Milkrun 4.0“ in der Fabrik zu berechneten, idealen Zeiten auf optimalen Touren das erforderliche Material. Die Digitalisierung des Materialflusses und die bessere Vernetzung der bestehenden IT-Systeme, so zeigte es die Simulation, reduziert den Aufwand gegenüber herkömmlichen Systemen um bis zu 30 Prozent. Der Schwerpunkt in diesem Projektbeitrag lag in der Vernetzung intelligenter Systeme. Dazu Prof. Dr.-Ing. Michael Freitag, Leiter des BIBA-Bereiches Intelligente Produktions- und Logistiksysteme (IPS): “Die im Projekt implementierte Materialversorgung ‚Milkrun 4.0‘ zeigt, wie bereits mit Industrie-4.0-Basistechnologien logistische Prozesse transparenter und effizienter gestaltet werden können.“

Mit 4.0 Materialflussketten autonom steuern

Ein weiterer CyProS-Beitrag des BIBA ist der „Semantische Mediator“, ein Softwaretool, das verschiedenste Datenquellen miteinander verbindet und dabei auch die Semantik der Daten übermittelt. Es erspart aufwendige Schnittstellenprogrammierungen. Die theoretischen Grundlagen für diese Entwicklung schaffte das BIBA bereits vor Jahren im DFG-Sonderforschungsbereich „Selbststeuerung logistischer Prozesse“ (SFB 637). Mit CyProS wurden sie jetzt die Praxis transferiert. „CyProS und die Schaufensterfabrik zeigen sehr gut, dass die lückenlose Digitalisierung im Rahmen von Industrie 4.0 voranschreitet. Es wird deutlich, wie sich logistische Objekte wie Ladungsträger oder Produkte in Zukunft selbstständig durch die Materialflussketten steuern können“, sagt Freitag und ergänzt: „Neben diesen vor allem technischen Ansätzen verfolgt das BIBA auch Möglichkeiten zur Nutzung von CPS zur Generierung neuer Geschäftsmodelle sowie für die Aus- und Weiterbildung des Menschen, der in seiner täglichen Arbeit durch CPS unterstützt werden soll und daher stets im Fokus unserer Forschungsarbeit steht.“

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