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E-CAD-Software Ecscad zurücklizenziert, um Neues zu entwickeln

| Autor: Karin Pfeiffer

Vor Jahren gab Mensch und Maschine (MuM) Ecscad an Autodesk ab. Jetzt hat der E-CAD-Spezialist die Software wieder zurücklizenziert. Geschäftsführer Georg Reindl hat mit elektrotechnik über die Strategie hinter der Rücklizenzierung gesprochen.

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Vom oberbayerischen Wessling aus agiert Mensch und Maschine in aller Welt.
Vom oberbayerischen Wessling aus agiert Mensch und Maschine in aller Welt.
(Bild: Mensch und Maschine )

elektrotechnik: Vor Jahren an Autodesk abgegeben, jetzt haben Sie Ecscad zurück in die MuM-Familie geholt. Warum?

Georg Reindl: Das Thema Ecscad ist eine ganz amüsante Geschichte. Mensch und Maschine (MuM) hatte das Produkt vor rund sechs Jahren an Autodesk abgegeben, weil sie großes Interesse hatte, Elektrotechnik zu forcieren und ihr Portfolio damit zu erweitern. Autodesk ist ein Marktführer im Bereich CAD und seit langem unser Partner.

Als Geschäftsführer richtet Georg Reindl Mensch und Maschine strategisch auf die Anwenderbranchen aus.
Als Geschäftsführer richtet Georg Reindl Mensch und Maschine strategisch auf die Anwenderbranchen aus.
(Bild: Foto Sessner )

Ecscad basiert ja auch auf AutoCAD OEM, der CAD-Software, die der Nachwuchs schon an den Unis als Einstieg lernt. Derselbe Kernel, dasselbe Look & Feel – das hatte also gut gepasst. Nach der Übernahme des Produktes gab es kaum Weiterentwicklungen für den europäischen Markt. 2014 hat Autodesk die letzte Service Release angekündigt. Da sind die Bestandskunden an MuM herangetreten. Im Dialog ist schnell ein Vertrag zur Rücklizenzierung entstanden, um die Bestandskunden zu bedienen. Seitdem sorgen wir mit regelmäßigen Service-Releases wieder für ihre Planungssicherheit.

elektrotechnik: Eine Rücklizenzierung – reicht das Mensch und Maschine denn?

Georg Reindl: Nein, wir haben weit Größeres vor. Wir haben das klare Ziel, neben der Release-Pflege parallel ein modernes Produkt zu entwickeln, das wir in zwei, drei Jahren auf den Markt bringen wollen. Die großen Schritte werden also kommen. Wenn der Lizenz-Vertrag mit Autodesk ausläuft, wollen wir ein neues, eigenes Produkt haben. Die Entwicklungsabteilung bei Ulm, die sich seit rund 25 Jahre mit Ecscad beschäftigt hat, gehört wieder zu uns. Wir haben die Leute übernommen, die sich seit Jahren mit dem Produkt identifizieren. Das nutzen wir natürlich momentan, um die ganze Software auch strukturell zu überarbeiten.

elektrotechnik: Das klingt nach einer neuen Positionierung, macht Autodesk da überhaupt mit?

Georg Reindl: Der Autodesk sind unsere Pläne bewusst, sie profitiert ja selbst davon, weil wir AutoCAD weiterhin als Plattform nutzen, um darauf die vertikale Elektrotechnik-Lösung zu bauen. Wir kaufen praktisch für unsere Kunden in einem sogenannten OEM-Kern das AutoCAD ein. Wir bleiben damit Teil der AutoCAD-Welt, was für die Kunden die Investitionssicherheit noch weiter erhöht. Der inhaltliche Vorteil: Wir haben auf diese Weise ein vollwertiges AutoCAD und dazu Ecscad als Elektrotechnik-Modul. Und beide bringen wir zusammen, damit der Kunden mit einer einzigen Lösung sowohl in der mechanischen als auch elektrotechnischen Planung arbeiten und sich zwischen ihnen austauschen kann. Er braucht also nur eine Software statt zwei.

Das spiegelt auch den Wandel in den industriellen Prozessen wider. Elektrotechnik und Mechanik wachsen zusammen. Tools müssen künftig durchgängig werden. Wenn ich einen Schaltschrank elektrisch konstruiere, muss ich ja auch den Schrank bauen. Oder die Maschinensteuerung, da hab ich auch wieder Blech. Und darin liegt der eigentliche Charme auch für eine Weiterentwicklung, nämlich die Schnittstellen so zu bauen, dass jeder Blickwinkel passt.

Bislang arbeitet die eine Abteilung beim Kunden an die Planung einer Maschine, die andere dachte in Schaltschränken, Leitungen und Maschinensteuerungen. Das war mal. Wir versuchen deshalb nicht, Ecscad spitz in die Elektroplanung zu positionieren, sondern mit einem Mechatronik-Ansatz den Bogen Richtung Digital Transformation oder auch Industrie 4.0 zu spannen: mechanische und elektrotechnische Planung in einem Produkt.

Wir bewegen uns heute schwerpunktmäßig noch im Maschinenbau, mehr als im Anlagenbau. Neukunden kommen jedoch bereits aus dem Energiesektor, wir gehen verstärkt auf die Prozessebene und in die Gebäudeautomation.

Ob in der Automatisierung, Energieversorgung, dem Anlagen- und Maschinenbau, der Verfahrenstechnik, Hydraulik und Pneumatik oder der Audio- und Videotechnik – überall wo Schaltpläne erstellt werden, eigentlich überall wo Strom läuft, kann man die E-CAD Software Ecscad nutzen.

elektrotechnik: Und nun wird Ecscad erstmal aufgepäppelt? Was gibt es denn schon für Neuerungen?

Georg Reindl: Es war ja eine Weile nicht viel passiert, deshalb haben wir seit 2014 schon einiges Neues reinentwickelt. Wir haben beispielsweise R&I-Schemata für Rohrleitungen als Lösung für die Prozessindustrie hinzu programmiert, auch erweiterte Mehrstockklemmen-Funktionalität, Ortho-Methode bei Strecken, um ein paar zu nennen.

elektrotechnik: Mit welchen Kernthemen gehen Sie die Weiterentwicklung an, wo wollen Sie hin?

Georg Reindl: Wir dürfen nicht mehr nur in Features denken, die Kunden selbst konzipieren mit Performance. Geschwindigkeit, Cloud-Fähigkeit, Industrie 4.0 sind da wichtige Stichworte. Unsere Kernthemen sind die Standardisierung der Vielzahl von Formaten und auch die Usability.

Das ist auch langfristig unsere strategische Ausrichtung, in der wir dann das Produkt mit nützlichen und neuen Features ausbauen können, die die geeigneten Tools für die zusammenwachsenden Arbeitsbereiche liefern. Ein Beispiel: Wir haben auch die Möglichkeit die Integration in Inventor Richtung 3D zu verfolgen. Elektrotechniker planen klassischerweise in 2D, ein neues Feature kann für die Mechanik-Kollegen in 3D transferieren. Der Kunde bekommt eine Durchgängigkeit, die nicht an der Abteilungstür haltmacht.

Das Reengineering läuft im Moment noch im Hintergrund, darin stecken aber rund 70 bis 80 Prozent unserer Entwicklungskapazitäten. Insgesamt werden ins Reengineering, also in das neue Produkt 100 bis 120 Mannjahre fließen. Wer weiß, was ein Programmierer oder Ingenieur kostet, hat damit eine Hausnummer. Wir wollen ganz klar ausbauen, wir haben signifikante Wachstumspläne.

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin