Friedrichstadt-Palast

Ende einer technischen Ära – aufwändiger Umbau der riesigen Trafostation aus der DDR-Bauzeit

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VEB EAB errichtete die Elektroanlagen

Die Gesamtheit aller elektronischen Anlagen trug dem modernen Gesellschaftsbau der 1980er Jahre Rechnung. Als Errichter der elektronischen Anlage im Palast wurde dem VEB Elektroprojekt und Anlagenbau Berlin (VEB EAB) durch das Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung der DDR (ASMW) die höchste Qualitätsnote zuerkannt.

Die Basis dafür war die enge Zusammenarbeit mit der Aufbauleitung der Baudirektion Berlin, dem Ingenieurhochbau Berlin als GP, den Mitarbeitern des Friedrichstadt-Palastes, des VEB NARVA, des VEB Starkstrom-Anlagenbau Leipzig/Halle und den Kooperationspartnern des VEB EAB.

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Elektrotechnik im Schrank

Arbeiten unter Hochspannung: Der Energieverbrauch des Friedrichstadt-Palastes ist gewaltig. Glanz und Glamour brauchen Strom. Soviel Strom, dass das Hauseigene elektro-technische Versorgungsanlagen im Keller hat. Über 100 Kilometer Kabel wurden hier vor der feierlichen Eröffnung am 27. April 1984 verlegt und mehrere hundert Schaltertasten seitdem von speziell geschultem Fachpersonal bedient.

Der Schrank hat es in sich: In der sogenannten Niederspannungs-Innenraumschaltanlage ISA 2000 tummeln sich unzählige Kabel, Stecker und Sicherungen in diversen Farben. Der Inhalt des grauen Einbaus war nicht ungefährlich und durfte nur im spannungsfreien Zustand sowie mit Helm, Gesichtsschutz und Handschuhen bedient werden. Insgesamt 48 dieser Niederspannungsabgangsfelder versorgten den gesamten Palast mit Strom.

Stelltransformatoren regelten die Helligkeit der Lichtwände

Ach, wie gut, dass niemand weiß…: So schwer wie eine Grevyzebra-Kuh erinnern die drei kupferfarbenen Stelltransformatoren mit ihren jeweils 430 kg Gewicht an Rumpelstilzchens böse Spindel. Sie standen jedoch nicht der armen Müllerstochter beim Spinnen von „Stroh zu Gold” zur Seite, sondern sie regelten die Helligkeit früherer Lichtwände auf der Hauptbühne sowie in der kleinen Revue (heute: Quatsch Comedy Club) vor Zeiten der heutigen LED-Nachfolger.

Die bei der damaligen Anlieferung im Jahr 1983 falsch adressierten (richtig: Friedrichstraße 107), gewaltigen Kästen sind ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Zeit. Auch wenn viel Kraft und Aufwand für die Bewahrung der historischen Substanz aufgewendet wird, so muss diese ‚Industriegeschichte‘ nun doch neuester Technik weichen – zu groß ist die Bedeutung einer sicheren und effizienten Stromversorgung für die Existenz des Hauses. Auf der linken Seite erkennbar die Hochspannungsschaltanlage, welche sämtlichen Strom

einspeiste und an vier Transformatoren weiterverteilte.

700 bis 800 Kilowattstunden in Spitzenzeiten

Die sogenannte Niederspannungshauptverteilung (NSHV) verteilte drei Jahrzehnte zuverlässig den Strom ins Haus. In Spitzenzeiten waren dies 700 bis 800 Kilowattstunden pro Stunde. Die schwarzen Flachlasttrennschalter (FLTA) mussten nur im Notfall zur Abschaltung der silbernen Technikhöhle betätigt werden.

Konsequent ragen die sechs kupferfarbenden Hochspannungs-Leistungsschalter zur Kellerdecke. Die mit Öl befüllten Umhüllungen bestanden aus harzgetränktem Hartpapier zur optimalen Isolierung. Wären diese nicht vorhanden gewesen, könnte der entstehende Lichtbogen beim Ausschalten gegebenenfalls nicht mehr beherrscht werden. Die Hochspannungs-Leistungsschalter können die millionenfache Leistung einer üblichen Haushaltssicherung mühelos beherrschen und führten bis zu 10.000 Volt durch ihre Kontakte.

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