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Im Interview: WEG "Getriebesparte ausbauen und Märkte erobern"

Autor: Karin Pfeiffer

WEG investiert kräftig in den europäischen Markt, integriert seine Akquisitionen und baut hier auch Produktion und Entwicklung aus. Mit dem neuen Getriebeprogramm WG20 steigt der brasilianische Konzern zudem ins Seriengeschäft ein und will mit klarer Ansage in den Verdrängungswettbewerb. Wir von elektrotechnik haben mit Klaus Sirrenberg, Geschäftsführer der Getriebesparte der WEG Gruppe in Europa, über Strategie und angepeilte Ziele gesprochen.

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Klaus Sirrenberg hat im Herbst 2016 die Geschäftsführung der Getriebesparte der WEG Gruppe in Europa übernommen.
Klaus Sirrenberg hat im Herbst 2016 die Geschäftsführung der Getriebesparte der WEG Gruppe in Europa übernommen.
(Bild: WEG)

WEG gilt als ein weltweit führender Hersteller elektrischer Komponenten und Systeme. Wie sieht es in Europa aus?

Beim reinen Motorengeschäft zählen wir weltweit und auch in Europa zu den Top 3. Und auch mit dem Automatisierungsgeschäft sind wir seit langem einer der Marktführer in Nord- und Südamerika, in Europa ist das aber sicherlich noch ausbaufähig. Ein klarer Fokus von uns ist, in Europa stark zu wachsen.

In welche Richtung will WEG seine Geschäftsfelder ausbauen und sich auf welchen Märkten positionieren?

Der Markt der Antriebstechnik entwickelt sich weg von einzelnen Produkten hin zu Systemlösungen. Und hier stellen wir uns gerade sehr stabil für die Zukunft auf, beispielsweise auch mit Akquisitionen wie der des spanischen Schaltschrankbauers Autrial. Da können wir künftig den Schaltschrank mit unseren Komponenten, Motoren oder auch Getriebemotoren zu einer Komplettlösung verbinden – zu einem Rundumpaket für den realen Anwendungsfall. Letzte Akquisition im Motorengeschäft war etwa Antriebstechnik KATT Hessen (AKH), ein Spezialist für schnelllaufende Antriebe. Wir wollen nicht nur als Komplettanbieter fürs Massengeschäft auftreten, sondern auch die Nischen besetzen. Das ist die Zielsetzung unserer Akquisitionen in Europa.

Stichwort Akquisitionen: WEG hat kräftig in der Getriebesparte dazugekauft, die Sie in Europa seit 2016 als Geschäftsführer bündeln. Was steckt strategisch dahinter?

WEG will das Geschäftsfeld Getriebe ganz gezielt auf- und ausbauen und hat deshalb 2011 den österreichischen Getriebespezialisten Watt Drive aufgekauft, etwas später dann die Württembergische Elektromotoren GmbH in Balingen, die das Produktprogramm von Watt Drive mit kleineren Getrieben abrundet. WEG Balingen kreiert auch Sonderlösungen.

Meine Aufgabe ist es, die Synergien für die Getriebeaktivitäten herauszuarbeiten, Werke und Produktionen miteinander abzustimmen, die Menschen einzubinden. Wir integrieren derzeit die europäischen Getriebe-Spezialisten und Töchter weltweit in die WEG-Organisation und das Distributorennetz. Das ist für sich schon ein spannendes Projekt, aber nur ein flankierendes. Die Zusammenführung von Technologien und Know-how, mit der wir auch Synergien zur brasilianischen Akquisition Cestari nutzen, mündet bereits ganz konkret in dem neuen Getriebeprogramm WG20.

Will WEG mit dem WG20 künftig in die Serienfertigung?

Ja, mit einem klaren Schwerpunkt in Europa. WG20 wird federführend in Österreich entwickelt und gefertigt – ein Novum für den brasilianischen Konzern WEG, der am Standort Markt Piesting alleine mehrere Millionen Euro in neue Druckguss- und Bearbeitungsmaschinen und Manpower investiert. Wir bauen für die WG20-Baureihe auch Montagezellen in Österreich, Südostasien, Mexiko und USA auf.

Können Sie WG20 kurz skizzieren?

WG20 umfasst eine Range aus Stirnrad-, Flach- und Kegelstirnradgetrieben mit robusten Aluminium-Druckguss- bzw. Graugussgehäusen und neuem Ritzel-Konzept mit kleinen Umfangsgeschwindigkeiten in der Eintriebsstufe. Das sorgt nicht nur für eine präzise Kraftübertragung, WG20-Getriebemotoren können auch einen großen Übersetzungsbereich zweistufig abdecken.

2016 haben wir schon Lösungen für Nennmomente bis 600 Nm vorgestellt. Bis Ende dieses Jahr soll WG20 bis 18.000 Nm verfügbar sein, und zwar weltweit. Es handelt sich also um eine wichtige strategische Investition von WEG, mit der sich auch Strukturen verändern und neue Geschäftsfelder auftun.

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Über den Autor

 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin