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Finanzierung Kurzfristiges Kapital für die Digitalisierung

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Im Baden-Württembergischen Wolfach liegt der Stammsitz der Leipold-Gruppe. Das Unternehmen blickt mittlerweile auf 100 Jahre Tradition und ist dennoch alles andere als von gestern: Mitten im Schwarzwald findet man ein modernes Familienunternehmen mit einem Geschäftsführer, der weiß, wie wichtig auch die Bereitschaft zur Weiterentwicklung ist.

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Zerspanungsexperte Leipold realisiert eine saisonbedingte Zwischenfinanzierung als auch eine Wachstumsfinanzierung mithilfe eines Fintechs. Im Bild: Dr. Daniel Bartsch, COO bei Creditshelf, (li.) und Pascal Schiefer, Geschäftsführer bei Carl Leipold.
Zerspanungsexperte Leipold realisiert eine saisonbedingte Zwischenfinanzierung als auch eine Wachstumsfinanzierung mithilfe eines Fintechs. Im Bild: Dr. Daniel Bartsch, COO bei Creditshelf, (li.) und Pascal Schiefer, Geschäftsführer bei Carl Leipold.
(Bild: Creditshelf)

„Man muss hungrig sein, immer wieder aus der eigenen Komfortzone rauswollen“, sagt Pascal Schiefer auf die Frage nach seinem Antrieb, seiner Motivation. Schiefer ist Geschäftsführer der Carl Leipold GmbH, einer der ältesten industriellen Drehereien Deutschlands – 2019 feierte das Unternehmen sein hundertjähriges Bestehen. Leipold kann heute zu Recht als Prototyp eines modernen Familienbetriebes bezeichnet werden. 375 Mitarbeiter zählt die Unternehmensgruppe, zu der auch ein Tochterunternehmen in den USA gehört. Am Stammsitz in Wolfach im Schwarzwald arbeiten knapp 230 Fachleute unter der Führung Pascal Schiefers – viele davon sind ehemalige Klassenkameraden, Fußballkollegen oder Skatbrüder. „Ich kenne alle unsere Mitarbeiter und ihre Familien, das ist der Vorteil eines Familienunternehmens.

Wir haben eine gute und persönliche Unternehmenskultur, begegnen uns auf Augenhöhe und übernehmen Verantwortung füreinander. Das hat uns geholfen, auch wirtschaftliche Krisen gemeinsam durchzustehen“, sagt der Geschäftsführer. Und er weiß, wovon er spricht. Denn Schiefer stieß in Zeiten der Wirtschaftskrise Ende der 2000er Jahre zum Stammsitz in Wolfach: zuerst als technischer Geschäftsführer, bis er 2012 seinen Vater als Vorsitzenden der Geschäftsführung ablöste.

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Doch Pascal Schiefer ist kein klassischer Übernehmer. Denn bevor er die Nachfolge im Familienbetrieb antrat, hatte er bereits seine „Wanderjahre“ – wie er es selbst nennt – absolviert. Die führten ihn nach dem Maschinenbaustudium an der RWTH in Aachen unter anderem als Produktionsleiter zu einem Automobilzulieferer. Später übernahm der Diplom-Maschinenbauer die Leitung der Leipold-Tochter in Dransfeld und stieg so allmählich ins Familienunternehmen ein. Als Geschäftsführer sieht sich Pascal Schiefer selbst als Generalisten mit einem guten Zugang zum Vertrieb, für den aber auch die Details der Produktion – Werkzeuge, Materialien und Maschinen – keine Unbekannten sind. Schließlich half er in seiner Jugend selbst beim Einrichten der Maschinen – wieder so ein Vorteil eines Familienbetriebes.

Lieferant mit Spezial-Know-how

Eine Milliarde Drehteile produziert die Leipold-Gruppe im Jahr und beliefert damit Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen: von internationalen Luftfahrtunternehmen über Hersteller von Haushaltsgeräten bis hin zu Lieferanten von Netzinfrastruktur oder Unternehmen der Baubranche. Dabei ist es Schiefer wichtig, sich nicht von wenigen Großkunden abhängig zu machen: Maximal fünf Prozent des Umsatzes gehen bei Leipold auf einen einzelnen Abnehmer zurück. Treu bleiben die Kunden Leipold trotzdem – der älteste Stammkunde mittlerweile seit 98 Jahren.

Dass Leipold heute bereits in der vierten Generation produziert und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann, hängt auch mit einer konsequenten Philosophie zusammen. „Der Fokus liegt für uns immer auf Kunden und Märkten. Da darf es manchmal auch ordentlich knirschen und rumpeln im System. Wir müssen einfach ständig bereit sein, uns zu strecken und weiterzuentwickeln“, sagt Schiefer.

Und Leipold hat in der Vergangenheit stets bewiesen, dass sich das Unternehmen immer wieder neu erfinden kann. So war man in Wolfach Anfang der 1990er Jahre einer der ersten, der Computertechnik zur Maschinensteuerung einsetzte. Anfangs wurde der Betrieb von Wettbewerbern dafür belächelt, doch heute sind CNC-Maschinen längst Standard in der Branche.

Nächstes Beispiel: Bereits Mitte der 90er Jahre führte Leipold ein ERP-System ein. Enterprise Resource Planning dient der umfangreichen Datenerfassung im Unternehmen und hilft Transparenz und Kosteneffizienz zu verbessern. Mit diesem Schritt hatte man das, was heute als digitale Transformation in aller Munde ist, bereits vor Jahren realisiert.

Der letzte Meilenstein in der jüngeren Geschichte des Unternehmens war die Etablierung des sogenannten Smart Designs. Denn Leipold ist kein typischer Lieferant, der einfach Produkte nach Katalog liefert. Jedes Teil, das das Unternehmen verlässt, ist eine spezielle Anfertigung, die nach den Vorgaben und Bedürfnissen der Abnehmer gefertigt wird. Dabei beraten die Zerspanungsexperten ihre Kunden je nach Verwendungszweck zu Material und Geometrie eines Bauteils. „Früher hatten Auftraggeber uns noch detaillierte technische Zeichnungen der gewünschten Bauteile zugesandt, die wir dann realisierten. Doch im Rahmen ihres Outsourcings fehlt vielen Kunden heute das entsprechende Know-how. Wir haben früh erkannt, dass sie einen Partner im Zerspanen benötigen, der ihnen genau dieses Wissen bietet und sie bei der Entwicklung und Erstellung optimaler Drehteile unterstützt“, erklärt Schiefer.

Digitalisierung als Chance begriffen

Die großen Herausforderungen für seine Branche sieht der 45-jährige Geschäftsführer vor allem in den gestiegenen Erwartungen an einen Lieferanten. „Sind wir ehrlich, der Druck wird nicht geringer. Ich beobachte heute oft eine regelrechte Supermarkt-Denke: Alles soll sofort verfügbar sein, Qualität Made in Germany bieten, aber möglichst wenig kosten. Doch deutsche Unternehmen waren schon immer gut im Bereich B2B. Hier müssen wir uns einfach auf unsere Tugenden besinnen, sollten dabei aber immer in Bewegung bleiben und wirkliche Flexibilität bieten, statt nur darüber zu reden“, resümiert Schiefer.

Die Digitalisierung, die vielen Mittelständlern heute eher Sorgenfalten auf die Stirn treibt, sieht der Geschäftsführer dabei als Chance: „Ein hoher Digitalisierungsgrad gibt uns die Möglichkeit, Fleißarbeiten zu automatisieren und damit international wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach außen hin können wir unser Angebot so immer individueller gestalten und gleichzeitig Prozesse nach innen hin standardisieren.“

Technologische Trends und Entwicklungen hat Pascal Schiefer immer genau im Blick. Momentan ist dies beispielsweise der Netzausbau in 5G, denn Drehteile werden praktisch für jeden Sendemasten und jede Sendeanlage benötigt. „Allein um auf den Autobahnen flächendeckend 5G-Qualität zu gewährleisten, bräuchte Deutschland noch 100.000 zusätzliche Sendemasten. Zu diesen öffentlichen Netzen kommen noch die internen in Industrieunternehmen hinzu, die man beispielsweise für Robotik benötigt. Wir sind hier durch unsere Kunden gut positioniert und auf die weitere Entwicklung gespannt“, resümiert Schiefer.

Mittelständler meets Fintech

Auch in der Finanzierung will man in Wolfach mit der Zeit gehen und sucht flexible Möglichkeiten wie saisonbedingte Zwischenfinanzierungen. Denn es kommt in der Branche durch Ruhezeiten und Betriebsurlaube der Kunden immer wieder zu jahreszeitlichen Schwankungen. Frühere Verhandlungen mit der Bank hierzu brachten jedoch keine Lösung.

Beim Mittelstandsforum BW im Sommer 2018 stieß die Firma Leipold schließlich auf Creditshelf. Damit kam Bewegung in den Prozess: Eine Anfrage beim Frankfurter Fintech, die Rückmeldung einen Tag später, Einreichen der erforderlichen Listen durch Leipold und schließlich der Besuch des Creditshelf-Kundenbetreuers beim Unternehmen im Schwarzwald. „Leipold ist ein Name in der Region, der die Wirtschaft seit Jahrzehnten prägt. In dem Familienunternehmen arbeiten mehrere Generationen Hand in Hand – das hat mich beeindruckt. Andererseits war ich aber auch angetan von der Energie und dem frischen Blick, mit denen man hier an aktuelle Herausforderungen herantritt“, sagt Kundenbetreuer Philipp Stollmayer.

Das persönliche Gespräch vor Ort sorgte für einen fundierten Austausch und brachte den Finanzierungsprozess schnell in Gang. Dieses One-Face-to-the-Customer- Prinzip ist für Leipold-Geschäftsführer Schiefer ein wichtiger Vorzug des Fintechs: „Die Kommunikation mit Creditshelf war modern, locker und trotzdem immer verbindlich. Durch die starke Digitalisierung mussten wir außerdem kein einziges Formular ausfüllen, alles ging schnell voran und unser Ansprechpartner konnte sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: verstehen, wie unser Unternehmen tickt und wie das Geschäftsmodell funktioniert“, betont Schiefer.

Zweimal vermittelte Creditshelf mittlerweile Finanzierungen im siebenstelligen Bereich an Leipold. Nach dem ersten Saisonkredit Ende 2018, der bereits zurückgezahlt wurde, folgte im Sommer 2019 eine Wachstumsfinanzierung mit mittelfristiger Laufzeit. Von der ersten Anfrage über die Risikoprüfung bis zur letztlichen Auszahlung dauerte der Prozess dabei nie länger als vier Wochen. Das lag laut Dr. Daniel Bartsch, COO von Creditshelf, auch an der soliden Zuarbeit durch das Unternehmen: „Leipold hat uns stets ein gutes Reporting geliefert. Durch die transparenten Quartalsberichte konnten wir die Entwicklung des Unternehmens gut nachvollziehen und hatten ein plastisches Bild der momentanen Situation. Dadurch konnten wir schnell Vertrauen aufbauen und die entsprechenden Kredite vermitteln.“ So ist innerhalb weniger Monate eine stabile Partnerschaft zwischen Mittelständler und Fintech entstanden. Man werde auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten, da sind sich beide sicher.

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