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LED-Lichtbrille

Lichtdoping: Neue Leistungsreserven für Spitzensportler

| Redakteur: Karin Pfeiffer

Der Deutsche Skiverband (DSV) setzt gemeinsam mit Osram auf neueste Erkenntnisse des biologisch wirksamen Lichts, um neue Leistungsreserven der Athleten zu erschließen. Speziell entwickelte LED-Lichtbrillen helfen bei der Anpassung an andere Zeitzonen und der unmittelbaren Vorbereitung auf Nachtrennen – und entscheiden womöglich über einen Platz auf dem Podest.

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Stefan Luitz, Weltcupfahrer des DSV, beschleunigt mit der LED-Brille von Osram die Anpassung an andere Zeitzonen: "Man spürt die Wirkung."
Stefan Luitz, Weltcupfahrer des DSV, beschleunigt mit der LED-Brille von Osram die Anpassung an andere Zeitzonen: "Man spürt die Wirkung."
(Bild: Deutscher Skiverband)

„Wir kämpfen um 100stel Sekunden“, erklärt DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier im Rahmen der Team Trophy anlässlich der Deutschen Meisterschaft im Ski Alpin am Wochenende in Bischofswiesen. „Da kann uns so ein Produkt wie die Lichtbrille von Osram, die aus der Wissenschaft kommt, helfen.“ Seit zwei Jahren arbeiten der Deutsche Skiverband (DSV) und Osram gemeinsam am Thema „biologisch wirksames Licht“. Die nun zur Deutschen Meisterschaft im Ski Alpin vorgestellte Brille bietet den Sportlern vor dem Rennstart eine intensive Lichtdusche und unterstützt dabei, zur richtigen Zeit aktiviert und hochkonzentriert zu sein.

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Entscheidend fürs Siegertreppchen

„Das sind kleine Schräubchen, aber vielleicht entscheidend, ob jemand auf dem Podium steht oder nicht“, erläutert Karlheinz Waibel, Bundestrainer für Wissenschaft und Technologie im DSV, der das Thema im Innovations-Netzwerk des Skiverbandes angeregt und dann Osram ins Boot geholt hat. „Im Hochleistungssport entscheiden kleinste Nuancen über den Erfolg. Das biologisch wirksame Licht der Lichtbrille ermöglicht es den Sportlern speziell vor abendlichen Rennen neue Leistungsreserven zu mobilisieren sowie aktivierter und konzentrierter zu sein.

In der LED-Brille, aktuell noch ein Prototyp, steckt eine Steuerung mit Microcontroller und eine Software-Eigenentwicklung von Osram. Sie ist mit rund 20 Leuchtdioden bestückt und bietet eine Lichtintensität, die dem Mehrfachen dessen entspricht was zur Beleuchtung von Arbeitsplätzen eingesetzt wird. Um die Wirkung zu erzielen, tragen die Athleten die Brille vor dem Rennen etwa 15 Minuten. Eingesetzt wurden Lichtbrillen unter anderem bei dem Doppelsieg des Nachtslaloms von Felix Neureuther und Fritz Dopfer in Madonna di Campiglio 2014. „Die Lichtbrille könnte neben dem Spitzensport beispielsweise auch von Airlines eingesetzt werden, damit Passagiere durch gezielte Lichtstimulation die Anpassung an die Ortszeit beschleunigen können und damit Jetlag reduziert wird“, sagt Osram-Biologe Andreas Wojtysiak.

Gezielt die innere Uhr neu stellen

Dahinter stecken noch recht neue Forschungserkenntnisse. So ist die die Wirkung von Licht zwar schon lange bekannt. Aber erst die Entdeckung bestimmter Lichtrezeptoren im Auge ermöglicht es, gezielt die innere Uhr zu stellen. Die erst vor gut zehn Jahren von der Forschung entdeckten sogenannten fotosensitiver Ganglienzellen beeinflussen den Tag-Nach-Rhythmus und steuern damit etwa auch die Ausschüttung von Hormonen wie Melatonin.

Dass diese Erkenntnis in der Praxis hilft, bestätigt Ski-Weltcupfahrer Stefan Luitz, der die Brille das erste Mal für Rennen in Südamerika aufhatte, wo er nach der Ankunft in der anderen Zeitzone noch fünf Stunden wac zubleiben hatte: „Die Müdigkeit ist das Schlimmste, da ist man gleich mal schlecht drauf“, so der Skirennfahrer: „Man merkt, dass man mit der Brille vitaler wird, sich schneller anpassen kann. Und die Stimmung ist besser, wenn man ausgeschlafen ist. Wir haben auf jeden Fall die Wirkung gemerkt, auch in Skandinavien.“

Neben der Lichtbrille setzt der DSV zudem zwei weitere Leuchten von Osram ein, die vor allem bei Reisen in andere Zeitzonen und nordischen Ländern mit verkürzten Tageslichtabschnitten genutzt werden.

Elektrotechnik und Licht: LED-Brille gegen Jetlag

Die speziell entwickelte Leuchte für die Athletenzimmer kommt zur individuellen Wettkampfvorbereitung zum Einsatz. Die Leuchte hilft vor allem morgens, aktiver und konzentrierter in den Tag zu starten und abends besser zu Ruhe und Regeneration zu kommen. Unter dem Strich können die Athleten so ihre Leistungsfähigkeit am Tag fördern.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die zweite Leuchte, die insbesondere in den Aufenthaltsbereichen und in den Teamsitzungen zum Einsatz kommt. Mit ihrem hohen Lichtstrom wirkt sie wie eine „Lichtdusche“. Einzeln oder im Verbund angewendet unterstützen beide Systeme auch bei langen Reisen nach Übersee oder Fernost beispielsweise bei der Umstellung auf die lokale Zeitzone. Gezielt eingesetztes Licht hilft den Sportlern, sich viel schneller an die neue Ortszeit anzupassen. Im Ergebnis werden Jetlag-Symptome erheblich gemindert, der Athlet findet deutlich schneller wieder in einen ausgewogenen Schlaf-Wach-Rhythmus und kann dadurch seine gewohnte Leistungs- und Reaktionsfähigkeit trotz langer und strapaziöser Reisen besser abrufen.

Ein weiteres Projekt verfolgt Osram mit der neu entwickelten Smart Sports Wear, die auch im Arbeitsumfeld nützlich ist. Die textile Beleuchtung hielt schon im Praxiseinsatz des Eishockey-Teams EHC Red Bull München durch. Der Prototyp einer beleuchteten Sportjacke mit App-Ansteuerung hat Osram ebenfalls in Bischofswiesen vorgestellt.

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