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Solarenergie Noor aus Marokko

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Isenburg* / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Der Bau von Solarkraftwerken gerät langsam in Bewegung. Sie schaffen sich als Energielieferanten ihren Platz. Vor allem Wüstenregionen eignen sich dafür. Kann das in Zukunft auch für Deutschland eine wichtige Rolle spielen?

Solarkraftwerke wandeln die Energie der Sonne in Strom um. Ihre bevorzugten Standorte sind die Wüstenregionen.
Solarkraftwerke wandeln die Energie der Sonne in Strom um. Ihre bevorzugten Standorte sind die Wüstenregionen.
(Bild: Dr. Thomas Isenburg)

Insgesamt werden weltweit Kapazitäten von 10 000 MW in Solarkraftwerken betrieben, geplant sowie entwickelt, je nach Projektstand. Der Löwenanteil an Sonnenenergie kommt zurzeit aus den USA mit einer Leistung von 3500 MW, gefolgt von Spanien mit 2400 MW sowie der MENA-Region (Middle East & North Africa) mit 1200 MW und Südafrika mit 500 MW.

Wüstenregionen mit einer hohen Solarstrahlungsdichte sind dafür prädestiniert. Aus deutscher Sicht ist ein Blick nach Marokko wegen dessen Nähe zu Europa besonders interessant. Bereits jetzt gibt es Stromleitungen zwischen Marokko und Spanien, die einen Stromtransport zwischen den Kontinenten ermöglichen. Damit könnte elektrische Energie aus den Wüsten Nordafrikas theoretisch auch zu deutschen Verbrauchern gelangen. Ausgehend von solchen Überlegungen wurde in den letzten Jahrzehnten hierzu die Desertec-Vision entwickelt. Der Plan sieht vor, dass die MENA-Länder in Nordafrika Geld für ihre Entwicklungen erhalten und gleichzeitig ihren eigenen Energiebedarf decken.

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Noor: ein Leuchtturmprojekt in Marokko

Hierzu gründete sich in Deutschland die Industrieinitiative Dii. Diese wurde inzwischen unter erheblichem Aderlass an Gesellschaftern nach Dubai verlagert. Aktuell werden mit Beteiligung der deutschen Industrie und KfW-Finanzierung erste Leuchtturmprojekte in Marokko realisiert. Sie könnten den Anstoß für weitere Entwicklungen sein.

Eines dieser Projekte heißt Noor, das arabische Wort für Licht. Es befindet sich in der marokkanischen Kleinstadt Ouarzazate, am Tor zur Sahara. Marokko errichtet mit einer Leistung von 500 MW hier den zurzeit weltweit größten Komplex für Solarenergie in vier Ausbaustufen. Im Februar dieses Jahres ging das erste Kraftwerk Noor 1, ein Parabolrinnen-Kraftwerk, mit 160 MW an das Stromnetz. Rund 40 Prozent der Komponenten lieferten deutsche Unternehmen – darunter das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft. Es produziert elektrische Energie zum Preis von etwa 12 Cent/kWh.

Solar für Deutschlands Energiemix 2050

Noch gilt Strom aus Solarkraftwerken als teuer. Experten wie der Institutsleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Prof. Robert Pitz-Paal erwarten aber eine Kostensenkung bei zunehmendem Marktwachstum. Bei dieser Aussage stützt er sich auf die Entwicklungen bei den Fertigungskosten für Silizium-basierte Sonnenkollektoren.

Andererseits setzen sich Solarkraftwerke mit ihrer Fähigkeit, elektrische Energie in Form von Wärme zu speichern, von PV-Anlagen und Windkraftwerken ab. Eine Eigenschaft, die Pitz-Paal für Deutschlands Energiemix im Jahr 2050 nutzen möchte. Um das näher zu erläutern, verweist er auf die in Energienetzen anzutreffende Residuallast: Photovoltaik- und Windkraftanlagen liefern ihre Energie fluktuierend in das Stromnetz. Die Last ist davon unabhängig. Trägt man beide Energien gegen die Zeit in einem Diagramm auf und zieht sie dann voneinander ab. Der dann zu erkennende Strombedarf kann zwar auch durch Braunkohle, Geothermie und Biogasanlagen befriedigt werden. Doch gerade solarthermische Kraftwerke besitzen die Fähigkeit, Energie gezielt dann abzugeben, wenn sie benötigt wird. Ein Zusatznutzen, der der Desertec-Vision eine weitere Chance geben kann.

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