Interview

Ohne Antriebstechnik keine Automatisierung

| Autor / Redakteur: Monika Feiser / Karin Pfeiffer

Antriebsexperte Dr. Omar Sadi ist Technischer Geschäftsführer bei Nord Drivesystems.
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Antriebsexperte Dr. Omar Sadi ist Technischer Geschäftsführer bei Nord Drivesystems. (Bild: Nord Drivesystems)

Welche Rolle intelligente Antriebslösungen in der vernetzten Produktion einer Industrie 4.0 spielen, skizziert Dr. Omar Sadi, Technischer Geschäftsführer bei Nord Drivesystems, im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG.

Wie wichtig ist Antriebstechnik bei der Automatisierung der Produktion?

Neue Antriebstechniken waren schon immer Treiber für die Entwicklung industrieller Prozesse. Prominentestes Beispiel ist wohl die Erfindung der Dampfmaschine, die das Zeitalter der Industrialisierung einläutete. Die große Bedeutung der Antriebstechnik bei der Produktionsautomatisierung verwundert nicht, schließlich bringt sie die ablaufenden Prozesse in Bewegung. Heute sind Antriebe inte- graler Bestandteil des Automatisierungsnetzwerkes. Dabei gilt: Einen Antrieb ohne seine Peripherie und den Gesamtprozess zu betrachten, löst weder Probleme noch schafft es einen Mehrwert.

Und wo bewegt sich die Antriebstechnik im Spannungsfeld von Automatisierung, Industrie 4.0 und Digitalisierung?

Ohne Automatisierung keine Digitalisierung und damit keine Industrie 4.0. Wir können mit unseren Antriebssystemen – das ist genau die Grundvoraussetzung für Digitalisierung – in einem Master-Slave-System Gruppen bilden, die intelligent miteinander kommunizieren. Das ermöglicht den modularen Aufbau der Anlage und in einem nächsten Schritt die Vernetzung der gesamten Fabrik. Moderne intelligente Antriebstechnik ist also eine Schlüsseltechnologie für die Industrie 4.0. Sie bringt die vernetzten, dezentralen und autonomen Fertigungsprozesse der Smart Factory in Gang und hält sie am Laufen.

Welche Lösungen bietet Nord Drivesystems im Zuge der Digitalisierung der Industrie?

Unsere Antriebslösungen sind ‚Industrie 4.0 ready‘ und damit zukunftssicher. Sie sind vernetzbar, arbeiten autark und sind in Funktion und Leistung skalierbar. Sie überwachen das Antriebssystem, treffen Entscheidungen und kommunizieren mit der Außenumgebung. Industrie-4.0-Anwendungen wie Condition Monitoring oder Predictive Maintenance – also die kontinuierliche Zustandsüberwachung oder vorausschauende Wartung – werden so möglich.

Für den Anwender ergeben sich daraus zahlreiche Vorteile wie eine Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit, eine deutliche Reduzierung der Wartungs- und Instandhaltungskosten, ein geringer Wartungsbedarf sowie eine Optimierung seiner Energieverbräuche.

Wie werden Antriebe überhaupt zu Automatisierungsspezialisten?

Der Antriebselektronik kommt hierbei ein besonderer Stellenwert zu, denn sie macht aus mechanischen bzw. elektromechanischen Komponenten erst wirklich eine intelligente Antriebslösung. Durch die Integration einer PLC in die Frequenzumrichter lassen sich applikationsspezifische, antriebsnahe Funktionen effizient programmieren und wie alle anderen Funktionen des Frequenzumrichters parametrieren. Die Antriebs-PLC ist quasi das Gehirn des Antriebssystems. Dank ihr lassen sich autarke Produktionsgruppen und Fertigungsinseln erst bilden. Letztendlich ist die integrierte PLC die Basis für ein Indus- trie-4.0-fähiges Antriebssystem mit dezen­traler Intelligenz.

Mit dem Nordac Link haben Sie im Jahr 2017 einen neuen Feldverteiler auf den Markt gebracht. Wie kann das Gerät Anlagenbetreiber bei der Automatisierung unterstützen?

Der Nordac Link ist durch die schrittweise Weiterentwicklung der dezentralen Antriebe aus unserem Portfolio entstanden und bietet eine komfortable Antriebslösung für die flexible, dezentrale Installation. Die Feldverteiler verfügen standardmäßig über eine leistungsfähige PLC, die die übergeordnete Anlagensteuerung entlastet und autark Steuerungsaufgaben übernimmt.

Die PLC ist frei programmierbar und verarbeitet die Daten angeschlossener Sensoren und Aktoren, leitet gegebenenfalls direkt eine Ablaufsteuerung ein und übermittelt Antriebs- und Anwendungsdaten an den Leitstand sowie an vernetzte Komponenten. Auf dieser Basis ist der intelligente Antrieb ohne übergeordnete Steuerung in der Lage, eigenständig und situationsgerecht in der Anlage zu agieren und eine Ablauf- beziehungsweise Bewegungssteuerung einzuleiten, zum Beispiel für eine Positionieranwendung.

Welche Trends bestimmen derzeit die Entwicklungen im Bereich Antriebstechnik?

Hier ist ganz klar die Industrie 4.0 zu nennen. Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung, Flexibilisierung und Individualisierung geht der Trend hin zu kundenspezifischen Bestellungen, kleineren Losgrößen und dezentralen Geräten. Moderne Antriebstechnik muss flexibel und individualisierbar sein und sich in alle Anlagen und Systeme problemlos inte- grieren lassen. Ein weiterer großer Trend ist das Thema Energieeffizienz. Antriebssysteme gehören zu den Hauptenergieverbrauchern in der Industrie. Sie verbrauchen bis zu 70 Prozent der gesamten benötigen Energie. Wir bauen hocheffiziente Motoren mit einer hohen Leistungsdichte, exzellenten Wirkungsgraden und einem geringen Energieverbrauch. Insbesondere unsere IE4-Synchronmotoren sind ex­trem sparsam. Dank PMSM-Technologie erreichen sie auch unter Teillast und bei geringen Geschwindigkeiten hohe Wirkungsgrade. So lassen sich erhebliche Energieeinsparungen erzielen und die Betriebskosten deutlich senken.

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