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Wertschöpfung Rentabel fertigen mit Lean-Konzept

| Redakteur: Karin Pfeiffer

Hohe Fertigungstiefe steht bei Ruwido für Qualität. Gemeinsam mit Lean-Experte Staufen hat der Hersteller von Fernbedienungen die Komplexität aus seinen gewachsenen Prozessen geholt und sich so am österreichischen Standort schlank und effizient aufgestellt.

Schlanke Prozesse: Im neuen Forschungszentrum bei Salzburg entwickelt Ruwido auch für den Automobilsektor Fernbedienungen.
Schlanke Prozesse: Im neuen Forschungszentrum bei Salzburg entwickelt Ruwido auch für den Automobilsektor Fernbedienungen.
(Bild: ruwido austria gmbH)

Auf die Frage, in welcher Region sich noch rentabel Produkte wie Fernbedienungen für Fernseher oder Set-Top-Boxen fertigen lassen, nennen vermutlich viele spontan Asien. Dass dies aber mittels intelligenter Produktions- und Prozessplanung auch am Hochlohnstandort Europa möglich ist, zeigt sich bei dem österreichischen Unternehmen Ruwido nordöstlich von Salzburg. Das Unternehmen entwickelt und produziert hier Fernbedienungen für zahlreiche Telekom-Provider und Pay-TV-Anbieter wie Telekom Austria, Swisscom, Bell oder TELUS. Aber auch der Automobilhersteller Daimler zählt bei der Bedienung seines Car-Entertainment-Angebots auf Ruwido.

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Eine Ruwido-Fernbedienung besteht aus rund 100 elektronischen Bauteilen. Mit hochwertigen Materialien und innovativen Fertigungsverfahren gelingt es, haptische Maßstäbe zu setzen. Für das Design erhielt Ruwido 2015 beispielsweise mit dem „Best of the Best“ auch eine der höchsten Auszeichnungen beim Red Dot Design Award. Das kommt nicht von ungefähr. 2003 hatte Inhaber Ferdinand Maier das 1969 gegründete Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-outs übernommen. Seitdem geht es mit dem Unternehmen bergauf. Inzwischen produzieren rund 200 Mitarbeiter acht bis neun Millionen Fernbedienungen pro Jahr.

Mit dem Wachstum stieg jedoch auch die Komplexität im Betrieb. Deshalb holte sich Maier vor rund zehn Jahren die auf Lean Management spezialisierte Unternehmensberatung Staufen aus dem baden-württembergischen Köngen ins Boot. „Die Aufgabe bestand vor allem darin, die mit dem Wachstum steigende Komplexität und die zunehmende Anzahl an Schnittstellen organisatorisch zu meistern“, so Dr. Werner Laub, Senior Manager bei Staufen. „Die klaren Ziele: Produktion und Logistik schlank halten, die Fehlerkosten minimieren sowie die Wertströme auf Basis sorgfältiger Analysen optimieren.“

Wertschöpfungstiefe in Europa halten

Als ungewohnt hoch in diesem Segment gilt die Wertschöpfungs- tiefe von rund 70 Prozent. „Nur so können wir derart innovativ, flexibel und schnell auf die Kundenwünsche reagieren“, erklärt Albert Maier, Improvement-Manager bei Ruwido. Die Kernkompetenzen umfassen dabei sowohl die Entwicklung, Konstruktion und Produktion von benötigten Einzelteilen als auch der Werkzeuge für die Fertigung der Fernbedienungen.

Die eigentliche Produktion beinhaltet die Kunststoffverarbeitung, Laser- und Tampon-Druck, SMD-Fertigung sowie Montage, Prüfung und Verpackung. Die Bündelung im eigenen Unternehmen hat einen Grund: „Ruwido steht für Exzellenz. Sie brauchen diese Exzellenz bereits beim Andenken neuer Produkte – also bereits in der Entwicklung, um später möglichst effizient produzieren zu können. Sonst werden sie diese hohe Wertschöpfungstiefe in Europa nicht halten können“, sagt Geschäftsführer Ferdinand Maier.

Die von Beginn an ganzheitlich angelegte Zusammenarbeit mit den Lean-Management-Spezialisten von Staufen startete als ein Großauftrag, der umfangreiche Anpassungen erforderte. Im Rahmen des Aufbaus neuer Montagesysteme führte Ruwido wichtige Lean-Methoden wie 5S und Kanban ein. Eine konsequente Ausrichtung an der Wertschöpfung forderte eine strengere Trennung von Produktion und Logistik. Bei der Umstellung auf den One-Piece-Flow hat Ruwido damit jegliche Art von Verschwendung eliminiert.

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