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Normen und Bestimmungen

Servoleitung für weltweiten Einsatz

| Redakteur: Ines Stotz

Die Normenlandschaft in den USA und in Kanada ist eigenwillig – jedenfalls aus europäischer Sicht. Um Ärger von vornherein zu vermeiden, bietet Lapp Komponenten, die in Nordamerika zugelassen beziehungsweise gelistet sind.

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In den USA und in Kanada müssen Maschinenbauer und andere Lieferanten manchmal zusätzliche Hürden bei den Normen nehmen.
In den USA und in Kanada müssen Maschinenbauer und andere Lieferanten manchmal zusätzliche Hürden bei den Normen nehmen.
(Bild: The current Terms of Service are printed on PhotoStock.)

Das passiert immer wieder: Die neue Anlage läuft, jetzt sollte nur noch der Sheriff sein Okay für die Inbetriebnahme geben. Was nämlich zu seinen Aufgaben in den USA gehört. Und er nimmt sie ernst – und lehnt seine Unterschrift ab. Der Grund: Die eingebauten Leitungen entsprechen nicht den Anforderungen der einschlägigen Bestimmungen. Aus der vermeintlichen Formsache ist binnen Minuten ein „No go“ geworden.

Was in den USA oder in Kanada installiert wird, muss die dort relevanten Regelwerke erfüllen. Insofern unterscheidet sich die Situation nicht grundsätzlich von der in Europa. Das Problem: Die nordamerikanischen Normen verlangen mitunter deutlich andere Lösungen als die europäischen Regelwerke.

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Wer allerdings die Ölflex Servo FD 7TCE von Lapp einsetzt, um ein Beispiel zu nennen, ist vor solchen Widrigkeiten gefeit. Die neue Leitung aus der Core Line Performance Klasse entspricht allen Bestimmungen, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in Kanada.

Klare Vorgaben in den USA und Kanada

Grundsätzlich gilt: Leitungen für die USA und Kanada müssen nach UL bzw. CSA (Underwriters Laboratory / Canadian Standards Association) gelistet sein. Da geht es sehr klar und restriktiv zu. Die Richtlinie AWM-Style (Appliance Wiring Material) gemäß UL 758 lässt zwar größere Freiheiten. Aber sie gilt nur, wenn es um Leitungen geht, die bereits vorinstalliert sind. Sobald eine Leitung beim Kunden auf amerikanischem Boden eingebaut oder auf Kabelpritschen verlegt wird, ist die AWM nicht mehr relevant. Das ist kein Problem bei kleineren Maschinen, für größere Anlagen allerdings muss sich der europäische Lieferant auf die Bestimmungen nach UL bzw. CSA einstellen.

In Europa werden beispielsweise vor allem höherwertige Leitungen häufig mit kerbfestem, ölbeständigem Polyurethan (PUR) ummantelt. Das gilt als technisch optimal, ist jedoch nach UL oder CSA nicht genehmigungsfähig. Eine Sondermischung eines thermoplastischen Elastomers löst das Problem. Damit ist die Ölflex Servo FD 7TCE ummantelt – und erfüllt so die Richtlinien und Standards für gelistete Leitungsprodukte.

Andere Bestimmungen gelten auch für die Isolierung: In den USA kommt dafür häufig PVC zum Einsatz – zumal, wenn die Lösung für die Verlegung auf einer Kabelpritsche oder für die Installation in einer Industriemaschine vorgesehen ist. Um die Ölbeständigkeit zu erhöhen, ist die Isolierung meist mit einer dünnen Nylonschicht ummantelt. Zwar ist PVC bei Feuer selbstverlöschend, aber wegen seines hohen Chlorgehalts bildet der Stoff ätzende Dämpfe und – in Verbindung mit Löschwasser – korrosive Salzsäure.

Große Distanzen löst Lapp mit XLPE und EPR

Außerdem isoliert PVC nicht besonders gut. Dadurch können Leitungen dieser Art große Distanzen nicht verlustfrei überbrücken. Das führt gelegentlich in den USA zu nicht normgerechten Notlösungen: Mancher Anwender oder Lieferant steckt mitunter in größeren Anlagen mit längeren Wegstrecken eine PVC-Nylon-isolierte Leitung, die von der Kabelpritsche kommt, auf eine kapazitätsärmere AWM-Leitung mit entsprechender Aderisolation um. Was er eigentlich nicht darf, weil AWM nur für bereits vorinstallierte Kabel zugelassen ist.

Leitungen mit den in Europa üblichen Isolierungen aus Polypropylen (PP) sind da überlegen. Denn PP-Leitungen überbrücken problemlos auch größere Distanzen. Der Haken dabei: PP ist in den USA nicht ohne weiteres als Adermaterial für die Verlegung im offenen Kabelkanal gelistet. Auch das oft für die Verkabelung von Industriemaschinen geforderte MTW Listing (Machine Tool Wire) setzt Grenzen. Deshalb nutzt Lapp USA, wo die Leitung gefertigt wird, für die Isolierung der fest verlegbaren Ölflex Servo 7TCE ein Sondermaterial aus XLPE. Und die neue schleppkettentaugliche Variante mit feinstdrähtigem Leiter ist mit einer Schicht aus vernetztem Ethylenpropylen (EPR) isoliert. Das macht die Leitung flexibler.

Entscheidende Vorteile sind, dass beide Kunststoffe in den USA zugelassen und gelistet sind. Und dass sie bis zu 40 % längere Leitungen möglich machen als Kabel mit PVC-Nylon-Isolierung. So garantiert die Lapp-Leitung beste elektrische Eigenschaften – auch im nordamerikanischen Markt.

Normen: Entscheidung liegt bei den Bundesstaaten

Dass Maschinenbauer und andere Lieferanten manchmal zusätzliche Hürden zu nehmen haben, erklärt Frank Hörtnagl, Produktmanager für Ölflex Servo bei Lapp: In den USA entscheiden die Bundesstaaten, wann sie neue Normen in geltendes Recht überführen. Dies gilt zum Beispiel auch für die dortigen Normen für die Verkabelung von Industriemaschinen: Die Editionen 2012 und 2015 der NFPA 79 (National Fire Protection Association), um die es hier geht, stehen in enger Wechselwirkung mit dem National Electric Code (NEC). Dieses Regelwerk muss jeder Maschinen- und Anlagenbauer kennen, der nach Nordamerika exportiert.

Gelegentlich kommt es vor, dass bestimmte Bundesstaaten auf ältere Versionen des NEC zurückgreifen, die sich ihrerseits auf ältere NFPA Editionen beziehen. Zusätzlich ist jeder Bundesstaat frei, weitere Anforderungen und Richtlinien verbindlich festzulegen. Das kann sogar so weit gehen, dass für einzelne Städte oder Regionen besondere Regelungen greifen. In San Francisco beispielsweise gelten deutlich höhere Anforderungen an den Brandschutz als in anderen kalifornischen Städten. Grund sind die Brände nach dem Erdbeben von 1906, die damals weite Teile der Stadt verwüsteten.

Ölflex Servo FD 7TCE: Entwickelt und produziert in den USA

Die Ölflex Servo FD 7TCE wurde entwickelt und wird produziert bei Lapp in New Jersey. Die dortigen Experten haben viel Erfahrung mit US-amerikanischen Normen, einige von ihnen waren sogar direkt für die UL-Behörde tätig. Damit ist der Anwender dieser Kabelverbindung auf der sicheren Seite. Diese Leitung eignet sich für die statische Verlegung ebenso wie für den bewegten Einsatz in Schleppketten mit mittleren bis erhöhten Verfahrwegen und Beschleunigungen. Zudem ist sie ist ölbeständig und flammwidrig.

Kunden von Lapp fragen übrigens immer häufiger danach. Die Gründe dafür sind klar: Sie lässt sich relativ einfach verlegen und deckt durch zahlreiche anerkannte UL & CSA Listings ein breites Anwendungsspektrum ab. Das heißt: ein Kabeltyp im Lager reicht für sehr viele Anwendungen aus. So ist die Unterschrift des Sheriffs für die Lapp-Kunden und deren Kunden nur noch eine Formsache.

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