Interview zu Betriebsartenwahl

So lässt sich der Zugang zu Maschinen und Anlagen sicherer machen

| Autor / Redakteur: Ines Stotz / Ines Stotz

Jens Rothenburg, Produktmanager, Euchner: „Wir haben neue Betriebsarten nach besonders strengen Bewertungskriterien eingeführt.“
Jens Rothenburg, Produktmanager, Euchner: „Wir haben neue Betriebsarten nach besonders strengen Bewertungskriterien eingeführt.“ (Bild: Euchner)

Die Maschinenrichtlinie fordert, den Zugang zur Betriebsartenwahl auf einen bestimmten Personenkreis zu beschränken. Warum eine elektronische Zugangsbeschränkung eine sicherere Alternative zum Schlüsselschalter ist, erklärt Jens Rothenburg, Produktmanager bei Euchner, im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG.

Herr Rothenburg, welche Bedeutung haben heute Zugriffsverwaltungssysteme und was muss der Maschinen- und Anlagenbauer bei deren Einsatz in der Praxis beachten?

Es werden vermehrt statt eines Schlüsselschalters oder eines Passwortes elektronische Zugangskontrollsysteme wie unser EKS eingesetzt. Damit wird der Zugang zum Beispiel zur Maschinensteuerung bereits seit vielen Jahren kontrolliert. Vor allem aber kommt auch die Anwendung bei der Betriebsartenwahl immer mehr auf. Der Grund ist, dass sich mit diesen Systemen sämtliche gesetzlichen Bestimmungen und Normenanforderungen einhalten lassen. Das ist mit einem Schlüssel oder gar einem einfachen Passwort etwas fragwürdig.

Künftig wird also vermehrt eine sicherheitstechnische Bewertung der Betriebsartenwahl gefordert werden. Wie lassen sich Betriebsartenwahlschalter normativ beurteilen?

Immer mehr C-Normen, also maschinenspezifische Normen, fordern das Einhalten eines Performance Levels, da bei der Betriebsartenwahl von einer Sicherheitstechnik auf eine andere umgeschaltet wird. Beim Automatikbetrieb ist beispielsweise eine Schutztür aktiv, die aber beim Einrichtbetrieb offensteht und abgeschaltet wird. Dafür kommt als Sicherheitstechnik ein Zustimmtaster zusammen mit reduzierter Geschwindigkeit zum Einsatz. Sollte diese Umschaltung einen Fehler haben, funktioniert die Sicherheitstechnik nicht mehr richtig. Und deshalb kommt diese sicherheitstechnische Bewertung zustande. Zumeist wird ein PL c gefordert. Dazu wird eine Unterteilung der Betriebsartenwahl in drei Systeme, das Zugangssystem, das Auswahlsystem und das Aktivierungssystem verwendet. Nur die beiden letzten brauchen einen PL.

In der täglichen Praxis lauern dennoch Gefahren, denn der Schlüssel zur Betriebsartenwahl steckt an den meisten Maschinen ständig. Hat Euchner für dieses Problem eine Lösung?

Dabei geht es dann nicht um die Sicherheitstechnik selbst, die ist ja gut, sondern um das viel zu einfache Umgehen der Sicherheitstechnik. Das ist ja der Grund, warum elektronische Systeme hier einen großen Vorteil haben. Jeder bekommt seinen privaten Schlüssel zum EKS und der müsste dann schon verliehen werden, um unberechtigt auf andere Aufgaben die Sicherheitstechnik umzuschalten. Steckende Schlüssel oder allen bekannte Passörter sind damit kein Thema mehr.

Welche Ausführungen bieten Sie bei dem EKS an?

Es gibt eine einkanalige Ausführung, die völlig ausreichend zur Auswahl einer Betriebsart mit Tasten ist sowie eine mit einem zweiten Kanal im System, die sogenannte FSA Ausführung. Diese wird benötigt, wenn das Auswahlsystem selbst nicht für die Sicherheitstechnik ausreichend ist, wie Touchpanels, die ja immer mehr genutzt werden. Durch den sicherheitstechnischen Kniff, das Zugangssystem in die Sicherheitstechnik einzubeziehen, können wir erreichen, dass sich auch nicht sichere Auswahlsysteme plötzlich sicherheitstechnisch bewerten lassen. Das haben wir dann auch zum Patent angemeldet.

Zwei neue Betriebsarten wurden zusammen mit der Beschreibung der Betriebsartenwahl in den C-Normen eingeführt. Warum war dies notwendig?

Wir haben in sehr vielen Diskussionen herausgefunden, dass man Manipulation an Schutzeinrichtungen nur begegnen kann, wenn für jede Aufgabe an einer Maschine eine adäquate Betriebsart verfügbar ist. Dazu gehören vor allem die besonders gefährlichen Arbeiten, wie beim Aufbau einer Maschine. Bisher wurden diese Themen völlig ignoriert, was letzten Endes dazu geführt hat, das manipuliert wurde. Deshalb haben wir neue Betriebsarten eingeführt, die nach besonders strengen Bewertungskriterien für solche Arbeiten nutzbar sind.

Welche Vorteile bietet der Einsatz des EKS mit Tasten für die Betriebsartenwahl?

In vielen Panels von Maschinen lassen sich Tasten gut integrieren. Werden diese mit einem EKS beschaltet, lassen sich sehr einfach auch Nachrüstlösungen zur Betriebsartenwahl schaffen, die allen modernen Bedürfnissen genügen und die Sicherheit erhöhen.

Moderne Maschinen unterliegen immer strengeren Design-Richtlinien, in denen die Schlüsselschalter störend wirken können. Lässt sich da nicht die Betriebsartenauswahl auch gleich in die Visualisierung integrieren?

Das ist ja genau der Grund warum wir uns mit dem Touchpanel beschäftigt haben und für dieses System eine Lösung erarbeitet haben. Zum einen liegt es nahe, ein System, das ohnehin für eine beliebige Bedienung ausgelegt ist, mit zu nutzen, auch wenn es um die Sicherheitstechnik geht. Zum anderen waren es aber auch tatsächlich die optischen Aspekte, nämlich die Betriebsartenwahl fast unsichtbar zu gestalten.

Welchen Rat würden Sie einem Anwender, der sich neu mit dem Thema beschäftigt, geben?

Das ist sehr schwierig, da es nur wenig Papiere gibt, die einen guten Überblick geben. Aus meiner Sicht recht gut ist die Abhandlung in der Berufsgenossenschaftlichen Information zur Betriebsartenwahl. Auch die Übersicht von Euchner führt ein ganzes Stück ins Thema ein. Die eigentliche sicherheitstechnische Beurteilung erfordert jedoch immer noch ein profundes Normenwissen. Hilfestellung hierzu geben natürlich auch zwei Anwendungsbeispiele, die Euchner zur Verfügung stellt. Wenn ein Anwender diese unverändert nutzen kann, hat er auch gleich die komplette Beurteilung mit von uns.

Wo werden wir Ihrer Ansicht nach in rund fünf bis 10 Jahren beim Thema Safety stehen?

Die Entwicklung geht derzeit in die Richtung, dass die Sicherheitstechnik vermehrt in die eigentliche Maschinenfunktion integriert wird. Ein gutes Beispiel hierzu ist unsere neue MGB, die Zuhaltung, Türgriff und eine komplette Bedienstelle vereint. Und ganz generell kommen immer mehr Bussysteme zum Einsatz. Auch bei der Sicherheitstechnik werden Daten für Industrie 4.0 erwartet, die unsere Systeme natürlich senden können.

So lassen sich Betriebsarten sicher auswählen

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