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Energiemanagement Tabellen haben Tradition

| Redakteur: Robert Weber

Als Rehau-Gast holen Elektroautos die Gesprächspartner vom Bahnhof ab. Der Automobilzulieferer aus Oberfranken will vorbereitet sein, wenn die OEMs Energiestandards fordern. 14 Standorte sind jetzt zertifiziert.

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Es braucht nicht immer eine Software. Schon in den 50er Jahren zeichneten Rehau-Mitarbeiter Energiedaten auf.
Es braucht nicht immer eine Software. Schon in den 50er Jahren zeichneten Rehau-Mitarbeiter Energiedaten auf.
(Bilder: Rehau)

Wenn Frank Stegemann die Energiekennzahlen von Rehau analysieren will, dann klappt der Elektrotechnik-Ingenieur sein Laptop auf, öffnet das Intranet und startet eine Excel-Datei. Grün, orange und rot hinterlegte Zeilen geben dem Energiemanager einen Überblick. "Läuft gut!" Kein Energiemanagementsystem mit KPI-Monitor? "Die waren alle zu spät dran. Als ich das brauchte, hatte keiner so eine Software und heute funktioniert das auch so ganz gut", erklärt der gebürtige Kieler, der sich Softwarevertreter-Vorträge gerne anhört, aber weiter auf die Office-Lösung setzt. Excel für die Energie – Einsparungen brauchen wohl nicht immer das ganze große Investment. Tabellen haben Tradition beim Automobilzulieferer Rehau aus Oberfranken. Schon in den 50er Jahren dokumentierten die Mitarbeiter in den Werken die Energiezahlen in Berichtsheften. Stolz zeigt Stegemann die Fundstücke. Energieflüsse zu optimieren, sei schon immer ein Thema in dem Unternehmen gewesen, aber seit 2012 arbeite ein Energieteam daran, die Ideen zu sammeln und das Vorgehen zu strukturieren. Das Ergebnis: Rehau ließ alle 14 Standorte und Verkaufsbüros nach ISO 50001 zertifizieren. Auslöser waren die Steuerrückzahlung und der Kostendruck durch die Strompreise, gibt Stegemann zu. Doch in den Werken musste "der Mann aus der Zentrale" zunächst Überzeugungsarbeit leisten. "Sie müssen ihre Ziele erklären", mahnt der Norddeutsche. Energie müsse Gesprächsthema im Unternehmen werden, dann würden die Beschäftigten mitziehen. Stegemann rät: "Bei mehreren Standorten dürfen sie nie die Werke gegeneinander ausspielen, sondern der Energiemanager muss immer individuell schauen, welche Prozessveränderungen stattfanden oder Produktionsbesonderheiten berücksichtigen. "Wir dürfen nicht in den Prozessen rumspielen oder nach unseren Vorstellungen verändern, denn zwei Grad wärmer oder kälter hat extrem Auswirkungen auf den Kunststoff", weiß der Fachmann. Er und seine Mannschaft müssten von den Werkern lernen und dann gemeinsam Lösungen entwickeln. Deshalb: " Ein ständiger Wettbewerb unter den Standorten funktioniert nicht.

Millionen-Sonderbudget ohne Amortisierungszwang

Stegemann braucht Erfolge in den Werken und das Wissen um die Prozesse in den Fabriken und lädt die Energieverantwortlichen deshalb regelmäßig ein. Er will Ideen für neue Projekte. Dafür stellt Rehau ihm 2,5 Mio. Euro im Jahr als Sonderbudget zur Verfügung. Spielgeld? Nein, mit der Millionensumme sollen die Mitarbeiter neue Techniken ausprobieren, allerdings ohne direkten Amortisierungszwang. Unter Erfolgsdruck stand Stegemann und sein Team zu Beginn der Zertifizierungen. In den Gesprächen mit den Werksleitern tauchte schnell die Frage auf: Was wollen wir eigentlichen messen? "25 Seiten Inventarlisten lagen auf unseren Schreibtischen. Am Ende haben wir mit eineinhalb Seiten gearbeitet"; lacht Stegemann. Wie? Das Rehau-Team konzentrierte sich auf die großen Maschinen, die rund 90 Prozent des Energieverbrauchs ausmachten und untersuchten dafür die Datenblätter der Anlagen und die Anschlussleistungen. Allerdings: Die Angaben von den Herstellern stellten sich im Nachhinein nicht immer als realistisch heraus.

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"Das haben wir den Maschinenbauern auch zurückgemeldet", berichtet Stegemann, der bei Investitionsentscheidungen für den Maschinenpark zusammen mit dem Einkauf und der Produktion berät. "Das ist nicht immer ganz leicht", weiß der Ingenieur, aber man müsse Energie immer wieder zum Thema machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil in der Zukunft die Automobil OEMs durchaus auch Standards im Energiemanagement von ihren Zulieferern abverlangen könnten. "Wir wären dann schon vorbereitet", ist Stegemann überzeugt.

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