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Universal Robots setzt auf Do it Yourself bei Cobots

| Autor: Karin Pfeiffer

Bei Universal Robots werden sich DYI-Fans künftig womöglich ihren ersten Roboter fürs Ikea-Regal-Schrauben selber konfigurieren. Das Unternehmen baut gerade eine Öko-Plattform. Wo die Reise hingehen soll, erzählt Geschäftsführer Helmut Schmid im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG.

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Ein UR3e-Cobot von Universal Robots. Im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG erklärt Geschäftsführer Helmut Schmid, welche Pläne UR verfolgt.
Ein UR3e-Cobot von Universal Robots. Im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG erklärt Geschäftsführer Helmut Schmid, welche Pläne UR verfolgt.
(Bild: Universal Robots)

Die Personalie hat überrascht: Esben Østergaard, Cobot-Vordenker, Mit-Gründer und technologischer Kopf von Universal Robots, ist zurückgetreten. Was steckt dahinter?

Helmut Schmid: Er tritt nach knapp 14 Jahren als Chief Technology Officer zurück, bleibt im Advisory Board jedoch als Berater. Das Hauptthema ist der geplante Unternehmenswandel. Wir wollen das komplette Unternehmen auf deutliche breitere Beine stellen. Mit der neuen E-Series und der Plattform UR+ hat Esben Østergaard dafür die Basis gesetzt.

Strategisch ist UR also im Umbruch, und das war einfach ein guter Zeitpunkt für Østergaard, um auszusteigen?

Schmid: Genau, aber tatsächlich zieht er sich nur aus dem operativen Geschäft zurück..

Klingt trotzdem nach einem größeren Umbruch. Warum?

Schmid: Schaut man sich die Vorhersagen für den kollaborativen Bereich an, gehen die Stückzahlen bis 2025 exponentiell nach oben. Dafür müssen wir die Firma und das Produkt auf neue Beine stellen. Erstens wollen wir After Sales Services und internationale Dienstleistungen entwickeln. Wir haben mittlerweile über 30.000 Roboter draußen. Weltweit. In einigen Jahren könnten es 100.000 sein. Für diese Skalierung braucht man Prozesse und Strukturen. Haben wir noch nicht. Daran arbeiten wir gerade.

Und das zweite strategisches Feld?

Schmid: Das ist die Produktentwicklung. Wir haben sie gerade mit der E-Series auf eine ganz neue Plattform gestellt. Das Look & Feel bleibt ähnlich, es ist aber ein komplett neuer Roboter, mit dem wir ganz anders skalieren können. Die vorherige Baureihe war am Limit etwa in puncto Gleichteile. Der neuen Cobot-Generation können wir in Zukunft neue Funktionalitäten über Software-Updates mitgeben. Eine Palettier-Funktion gibt es schon, Maschinenbeladung kommt auch bald, da ist einiges in der Entwickler-Pipeline. Unser Plan: Wir wollen vier Mal im Jahr ein solches Update fahren.

Die Hardware von der E-Series verändert UR nicht mehr?

Schmid: Zumindest nicht in den nächsten fünf Jahren. Über Cloud-Anbindungen lässt sich so einiges machen, mit Laufzeiten zum Beispiel, oder hinsichtlich Predictive Maintenance. Und da kommt auch unser dritter strategischer Baustein in Spiel: UR+, ein komplettes Öko-System mit Infrastruktur, Robotern, Komponenten, Lösungen und Services.

Die Plattform UR+ gibt es doch schon länger?

Schmid: Ich würde mal sagen, für UR+ gab es eine Idee, und mittlerweile ist diese Idee erwachsen geworden. Wir haben auf UR+ bereits über 130 Lösungen in der Pipeline, alle komplett integriert in unser Bedien-Panel. Hardware wie zum Beispiel Schunk-Greifer oder Sick-Sensoren, aber auch Software-Lösungen. Diese Komponenten gibt es schon. Die Zielmarke sind 500 und mehr Lösungen auf UR+. Daraus wird man sich seine Applikation einfach zusammenkonfigurieren können. Der Kunde findet also zum Beispiel nicht nur den Greifer plus Weber Schrauber oder Roboter plus eine Lorch Schweißquelle, sondern die komplette Roboter-Applikation, also etwa eine Schweiß-Lösung. Dazu integrieren wir einen Application Builder, der genau das kann. Da wollen wir also hin.

Ganz wichtig: Wir als Universal Robots wollen kein Online-Shop werden, kein Broker mit Marktplatz, sondern ein Showroom. In China würde der Auftrag wie gehabt an den Entwickler beim Komponenten-Hersteller weitergeleitet, der dann eben lokal in China abwickelt. Das könnten auch Firmen wie Zimmer, Schunk oder Weiss sein.

Eine Plattform für den weltweiten Markt – ohne Fokus?

Schmid: Wir bauen die Plattform customized für die Regionen auf. Denn wir gehen davon aus, dass der asiatische Markt irgendwann etwas ganz anderes braucht als Europa oder USA. In München treiben wir zum Beispiel alle Entwicklungen für Westeuropa voran, arbeiten mit den hiesigen Automatisierern zusammen, weil wir sehen, was der europäische Markt braucht. Es könnte aber durchaus sein, dass ein regionaler Partner von hier eine diversifizierte Systemkomponente nach China transferieren will. Dann kann er direkt mit der UR-Niederlassung vor Ort in das Segment einsteigen. Mit UR+ hat er also eine Plattform in China, übrigens ein enorm wichtiger Markt für uns. Aber nicht im Low-Cost-Bereich, der gerade im asiatischen Markt jetzt mit vielen neuen Cobot-Lieferanten boomt.

Und das alles erfordert neue Prozesse, Strukturen, ein wachsendes Partnernetzwerk. Das alles bauen wir gerade auf. Daher der Umbruch.

Und wohin soll der Unternehmenswandel führen?

Schmid: Im Moment geht es auf UR+ noch um System-Komponenten, in Zukunft um Applikationen. Unsere Vision ist, dass sich jeder seinen Roboter selbst konfigurieren und die Anwendung easy am Panel programmieren kann. Unsere Vision ist also Do it Yourself – möglicherweise sogar fürs Zusammenschrauben eines Ikea-Regals.

Ab wann klappt es mit Cobots Marke Do it yourself?

In zwei bis fünf Jahren.

Sportlich …

Schmid: Wir haben schon den Service, das Produkt und die Infrastruktur. Was uns noch fehlt auf dem Weg Richtung Do it yourself sind weitere Integratoren und Partner. Nur dann können wir stark wachsen. Die große Herausforderung: Viele potenzielle Partner fahren derzeit mit 100 % Auslastung und setzen sich deshalb mit Leichtbaurobotik nicht auseinander. Noch nicht. Ein Großteil des Mittelstandes überlegt inzwischen ganz konkret, zu automatisieren, schon aus reiner Notwendigkeit. Stichwort: Fachkräftemangel, demografischer Wandel. Und deswegen müssen wir so schnell sein, damit wir für dieses Automatisierungsgeschäft bereit sind.

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Über den Autor

Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin