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Pyrolyse

Unternehmen gewinnt aus Plastikabfällen Energie

| Redakteur: Katharina Juschkat

Nicht recycelbarer Plastikmüll wird heutzutage nicht weiter verwertet. Ein Dresdner Unternehmen hat ein neues Pyrolyseverfahren entwickelt und erfolgreich getestet, das aus einem Kilo Plastikmüll einen Liter Kraftstoff herstellt.

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Jährlich produzieren wir über 300 Millionen Tonnen Plastikmüll – recycelt wird nur ein winziger Bruchteil. Ein neues Pyrolyseverfahren wurde jetzt erfolgreich getestet.
Jährlich produzieren wir über 300 Millionen Tonnen Plastikmüll – recycelt wird nur ein winziger Bruchteil. Ein neues Pyrolyseverfahren wurde jetzt erfolgreich getestet.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Kunststoff verschmutzt zusehends unsere Meere und auf den Mülldeponien weltweit lagern etwa 5 Milliarden Tonnen Kunststoffabfälle – während jährlich über 300 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle produziert werden. Recycelt wird davon nur ein winziger Bruchteil. Dem Problem will das Dresdner Unternehmen Biofabrik eine Anlage entgegen stellen, die aus Plastik Energie gewinnen kann.

Warum Kunststoffe schwer zu recyceln sind

Ein Grund, weshalb Kunststoff so selten recycelt wird, ist, dass die Kunststoffe ihre Werkstoffeigenschaften verlieren und somit nicht oder nicht mehr wirtschaftlich recycelt werden können, wenn sie über einen längeren Zeitraum Witterungsbedingungen wie Sonneneinstrahlung oder Wasser ausgesetzt sind. Außerdem werden weltweit immer mehr Verbundkunststoffe hergestellt, für die es ebenfalls noch keine werkstofflichen Recycling-Methoden gibt – zum Beispiel Plastikverpackungen aus der Lebensmittelindustrie, die hauchfein mit Aluminium bedampft, bedruckt oder aus verschiedenen Materialien kombiniert wurden. Für diese Abfälle gibt es aktuell keine sinnvollen Sortier- und Verwertungsströme – außer eben Recyclingkraftstoff.

Die Biofabrik Technologies GmbH hat das neue Pyrolyseverfahren Wastx Plastic entwickelt, bei dem die langkettige Kohlenwasserstoffverbindungen des Plastikabfalls durch den Einfluss hoher Temperaturen unter Ausschluss von Sauerstoff aufgebrochen werden. Es entstehen kurzkettige und damit flüssige Verbindungen. Aus dem Plastikabfall wird so ein Kraftstoff, der zum Antrieb von Verbrennungsmotoren verwendet oder durch Generatoren oder Turbinen in elektrische Energie umgewandelt werden kann.

Über sechs Jahre entwickelte Biofabrik das Pyrolyseverfahren. Die größte Herausforderung bestand im Umgang mit nicht-reinen Kunststoffen, wie sie in der Abfallwirtschaft üblich sind. Ab 2016 beteiligte sich dann das Verpackungsunternehmen Schur Star Systems GmbH an der Entwicklung von Wastx Plastic. Das Ziel war es, die Reststoffe aus der Verpackungsproduktion direkt am Produktionsstandort in Flensburg zu verwerten. Schur Star Systems lieferte der Biofabrik den Plastikabfall sowie Feedback aus Anwendersicht für die Entwicklung und Erprobung des Prototyps.

Zwei Jahre lang hat das Unternehmen die Steuerung fein abgestimmt, optimale Prozessparameter gefunden und den Ein-und Austrag automatisiert. Damit die Anlage wirtschaftliche betrieben werden kann, müssen folgende Zielwerte erfüllt sein:

  • Die Wastx Plastic verarbeitet pro Modul etwa 250 kg Plastikabfall pro Tag
  • Bis zu acht Module passen in einen einzigen Seecontainer – der Prozess ist unbegrenzt skalierbar – von 250 Kilo bis zu X Tonnen am Tag
  • Aus 1 kg Plastikabfall wird 1 l Kraftstoff
  • Jeder Liter Kraftstoff liefert etwa 11 kW potenzielle und 3,5 kWh elektrische Energie
  • Für 1 kg Plastikabfall wird maximal 1 kWh Energie benötigt
  • Die Anlage läuft und versorgt sich vollautomatisch
  • Die Anlage kann ununterbrochen bedient werden
  • Sie wird schlüsselfertig zum Kunden geliefert und ist sofort betriebsbereit
  • Der Kraftstoff erreicht alle Normen, um weltweit handelbar zu sein
  • Alle deutschen Umwelt- und Emissionsrichtlinien werden dauerhaft eingehalten

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Dauertests hat die Wastx Plastic die Marktreife erlangt und die Fertigung der ersten Serienanlage hat begonnen. Im nächsten Schritt liefert Biofabrik die erste Anlage zu Schur Star in Norddeutschland aus. Interessenten können die Vorführanlage des Wastx Plastic in Dresden besuchen.

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